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Thema: Zum Romanwerk
Wolf v. Lojewski
Mit „Lotte in Weimar“ über Goethe geschmunzelt
Erstellt am 01.01.2005 10:22
Es ist in unserer Seele angelegt, zu verachten oder zu verehren – ohne jegliche Bereitschaft zu gnädiger Nachsicht mit dem Gestrauchelten oder mildem Tadel an der Lichtgestalt. Eine meiner ungezogenen Taten in sehr frühen Journalistenjahren war es, eine tugendstrenge Dame, die einen verzückten Vortrag über Goethe gehalten hatte, danach über das Thema „Frauen im Leben des Dichterfürsten“ ins Gespräch zu ziehen. Es war geschmacklos, es war ungezogen, es verdarb die Stimmung am Edlen.
Jahrzehnte später „Lotte in Weimar“ gelesen, es war – in reuiger Erinnerung an jugendliche Missetat - ein Fest klammheimlicher Schadenfreude. Der fachkundige Verehrer Thomas Mann hatte es sich zur Aufgabe gemacht, „Goethen Fleisch werden zu lassen“, an einem Denkmal kleine ironische Tupfer anzubringen durch das Stilmittel des hemmungslosen Lobes. Ebenso respektvoll wie ironisch nähert er sich dem Helden seines Romans, erst spät tritt dieser auf die Bühne. Davor spiegelt der Autor das marmorne Götterbild in den Klagen seiner „Fan-Gemeinde“ und Opfer: Sohn August, Riemer, Adele Schopenhauer.... Werthers Lotte zieht wie das einzige menschliche Wesen durch die Stätten der Verklärung. „Nun Carl,“ wird der Bedienstete Seiner Excellenz gefragt, „wie ist die Laune heut?“ . Die Antwort: „Durchschnittlich jovial.“ Der Roman liest sich langweilig an, dann wachsen die Begeisterung und die Lust zum zweiten Lesen. Kaum begreiflich, dass sich Thomas Mann – ein Symbol des Widerstands gegen Nazi-Deutschland – 1939 im Exil in Kalifornien mit seinen Gedanken so tief ins Weimar des 19. Jahrhunderts versenkte. Die zum Lob entschlossene Kritik jener Tage – in Deutschland waren Manns Bücher ja verboten – suchte hilflos nach irgendwelchen Bezügen zum braunen Terror und dem heraufziehen Gewitter des Krieges. So vieles an diesem Roman ist unziemlich, unzeitgemäß, „out“. Und merkwürdig, dass er ausgerechnet einen Journalisten so erfrischen kann...
 
John Schertenleib
Der Zauberberg in Südafrika
Erstellt am 17.01.2005 16:01
Hebe ich den Blick aus dem Buch, sehe ich Meer, nichts als Meer. Der Indische Ozean ist berühmt für seine Wellen, die von weit draußen, wo die Containerschiffe vorbeigleiten, in einer Regelmäßigkeit hereinkom-men, die nicht nur den Surfern Freude bereitet. Ich habe das Buch vor zwei Nächten gefunden, gefunden im Abfalleimer vor dem Restaurant ‚Roma´, das ich liebe, weil es sich im 32. Stock befindet und sich zudem im Verlauf einer Stunde einmal um die eigene Achse dreht und so seinen Gästen den ganzen Hafen von Durban vor Augen führt.
Vor zwei Nächten trat ich also aus dem Hochhaus und stand vor einem Mann, einem Schwarzen mit nacktem Oberkörper, dem offensichtlich jemand in den rechten Fuß geschossen hatte. Er saß auf einer hüfthohen Mauer, hielt seinen Fuß, der stark blutete, in die Höhe, und deutete mit dem Kinn und ohne eine Miene zu verziehen auf die Taschenbuchaus-gabe von Thomas Manns ´Der Zauberberg´, die im Abfalleimer lag...
So begegne ich Hans Castorp also zum zweiten Mal. Die erste Lektüre liegt über zwanzig Jahre zurück, ich liebe das Buch immer noch – und bin verloren für Südafrika, sitze im glühendheißen Sand und doch im Schnee, tief im bündnerischen Schnee...
 
Rainer Merkel
Ein Verehrungsversuch
Erstellt am 21.02.2005 12:16
Irgendwann bei den Buddenbrooks gibt es einen Exzess. Ein kurzes Aufblitzen einer fast autoritären Helligkeit und Reinheit, wie sie in dem Schaukeln des gemütlichen Erzählens, der heiteren, sanften Ironie, mit existentieller Eindeutigkeit allem zu Leibe rückt. In dem ganzen Nebel des in der Pubertät aufgesogenen Romans, ist das der Rest, die Summe der Eindrücke. Die wohlige Dekadenz der Schulerinnerungen des Hanno Buddenbrook, die mit den eigenen verschmolzen sind und diese veredelt haben, die feierliche Schwere und Müdigkeit der Lebensferne, die düsteren Künstlerhalluzinationen. Sie umrunden diesen Exzess, schließen ihn ein. Es muss diese Stelle sein, bei der Thomas Buddenbrook nach einem unglücklichen verlaufenen Zahnarztbesuch auf der Straße in den Dreck fällt und stirbt. Damals dachte ich noch, ich müsste sofort einen Roman schreiben, der das „das weiße, saubere Tuch“ heißen sollte. Aber dann kam ich über die Beschreibung eines weißen, sauberen Tuchs gar nicht hinaus. Wahrscheinlich brach die Geschichte schon vorher in sich zusammen, von irgend etwas geblendet. Das weiße, saubere Tuch, das sich Thomas Buddenbrook in meiner Erinnerung vor den Mund hält, bevor er fällt und die aus Schulheften herausgerissen Blätter, auf denen ich mein Romanfragment schreibe. Ich kam über die Beschreibung des Tuches nicht hinaus. Die Sätze bleiben einfach in der Luft hängen.
 
Dr. Franz Conca
Joseph und seine Brüder
Erstellt am 02.03.2005 11:14
Eigentlich stellt diese schier außerordentliche Romantetralogie bzw. dieses großangelegte Romanunterfangen ein Unikum in der sonst schon höchst relevanten erzählerischen Dimension des europäischen Abendlandes dar; besonders in unserem heutigen, peinlich gequälten Zeitalter mit all seinen unermeßlich düsteren "Unheilprofetien sekulären Ausmaßes" (damit sei hier ganz nebenei der deutsche Literaturkritiker Fritz J. Raddatz, der sich ohnedies mit den oben erwähnten Worten auf den 1986 erschienenen Günter Grass' Roman "Die Rättin" bezog, erinnert), zeigt uns diese phantastische erzählerische Erfahrung den immer aktuellen Weg, um erfolgreich aus einer der Barbarei und dem Tode anheimgefallenen Kultur zu schlüpfen, um einer blinden, alles vernichtenden Gewalt ständig unsere Stirn zu bieten, indem man alle ewig gültigen, in der zauberhaften Joseph-Personifizierung eingefleischten Werte wieder aufs Neue entdeckt. Sicherlich wäre - besser noch - ist kein anderes Buch heutzutage dazu imstande, aus der menschlichen Seele solche Ideale heraufzubeschwören; kurzum: ein durchweg epochaler Beitrag zur tiefsten Entwicklung des Menschengeschlechts und mein Buch fürs Leben, das sei ausdrücklich gesagt, ohne weitere Umschweife.
 
Annette von der Heide
Buddenbrooks
Erstellt am 17.03.2005 13:07
Meine erste Begegnung mit Thomas Mann war Hanno Buddenbrooks Schulkapitel in meinem Lesebuch "Wort und Sinn" ungefähr 1971. Damals gab es "Schulbuchfreiheit", das hieß, am Ende der großen Ferien erhielten alle Schüler eine Liste der benötigten Bücher, die man dann in der Buchhandlung abholen konnte. Obwohl das bedeutete, dass die Ferien sich dem Ende neigten, war dies immer aufregend. Ich habe zuerst das Lesebuch verschlungen. Bei uns zuhause gab es nämlich kaum Bücher. Leider gab es später nur noch gebrauchte Schulbücher, man mußte sie am Ende des Schuljahres wieder abgeben. Eine Sparmaßnahme, die ich sehr schlimm fand.
Hannos Schulsorgen konnte ich als 13-jährige sehr gut nachempfinden. Obwohl sich das Schulsystem doch inzwischen angeblich total geändert hatte. Aber die Sorgen sind immer noch die gleichen: Man schiebt das "Widerwärtige" auf, bis es zu spät ist. Und diese Aufschieberei verdirbt einem die Freude an dem Schönen. Hanno durfte am Sonntag mit ins Stadttheater, um Lohengrin zu hören und hat seine Schulaufgaben nicht gemacht, obwohl er weiß, dass er in Latein und Chemie drankommt.
Leider haben wir im Deutschunterricht immer weniger mit den Texten aus dem Lesebuch gearbeitet. Unsere Lehrer wollten sich wohl selber kreativ um das Curriculum verdient machen und haben andere Lektüre ausgewählt, die meine Sammlung an Reclam Heftchen erweiterte. Ich habe umsonst auf eine Diskussion über Hanno Buddenbrooks Schulerlebnisse gewartet.
Später fand ich die "Buddenbrooks" im Wohnzimmerschrank meiner Großmutter. Es war so eine langweilige Familienfeier in der "guten Stube" und ich habe mir durch die Glasscheibe die zehn Bücher meiner Oma angeschaut. Da ich unbedingt wissen wollte, wie es Hanno weiter ergangen ist, durfte ich mir die Buddenbrooks ausnahmsweise unter vielen Ermahnungen ausleihen.
Die Ausgabe meiner Oma war von 1930 und in Sütterlin Schrift, was mir ein wenig Mühe machte. Aber das erste Kapitel! Gleich der zweite Satz in französisch, eine Sprache, die ich mich weigerte zu lernen (das bedaure ich heute sehr). Ich fand es eher langweilig.
Ende der 70-er Jahre kam dann die mehrteilige Verfilmung ins Fernsehen. Ich hatte inzwischen die Bücher meiner Großmutter geerbt, und war nun der erste Leser dieses wunderbaren Romans. Der Einband ist voller Stockflecken, aber da das Buch vor mir von niemandem gelesen war, ist es sonst in einem guten Zustand.

 
Jörg Lenuweit
Doktor Faustus
Erstellt am 24.03.2005 12:29
Den Doktor Faustus empfahl mir ein Deutschlehrer in der 10. Klasse, den ich um Lesetipps bat. Ich hatte ihm meine Vorlieben mit „unheimliche“ Romane mit „Schauerelementen“ mehr oder weniger deutlich charakterisiert. Ich nehme mal an, dass er selber das Buch nie gelesen hatte, aber wusste, dass darin der Teufel vorkam. Ich besorgte mir das Buch in dieser weichen, enggedruckten Taschenbuchausgabe mit dem vergilbten Papier und einem grüblerischen, bärtigen Intellektuellen auf dem Cover. Bei meinem ersten Versuch kam ich ungefähr bis auf Seite 80. Kein Teufel, kein gar nichts. Irgendwie interessant, dieser Leverkühn, aber im Großen und Ganzen nichts für einen 16-Jährigen, dessen Lesesozialisation bislang hauptsächlich durch die Romane von Karl May, Stephen King und allenfalls Ernest Hemmingway vonstatten gegangen war. Aber das Buch blieb bei mir. Nicht zuletzt die Aufmachung gefiel mir und passte zum Image eines einzelgängerischen Intellektuellen. Jedoch, andere Bücher von Thomas Mann kamen früher: Tonio Kröger, Der Zauberberg, Buddenbrooks und viele Erzählungen. Den Faustus las ich zum ersten Mal unglücklich verliebt als Zivildienstleistender während eines langen heißen Sommers am Stanberger See . Ich las ihn folglich als schwerblütige Liebesgeschichte und bezog alles – Kälte, Kunst und Liebesverbot – auf mich und meine Situation. Außerdem fing ich natürlich an, meine Kollegen nächtelang mit Wagner und Beethoven zu nerven...Ich las das Buch ganz langsam, versuchte zu verstehen und wo ich nichts verstand, bildete ich mir wenigstens ein, zu ahnen. Wahrscheinlich lag es an der Konstellation: Sommer, Verliebtheit und aufkeimende Lust am Denken, die den Faustus so zu meinem Buch werden ließen... Ich las es noch mehrmals, schrieb Seminararbeiten darüber, wurde sogar über das Buch geprüft. All das hat es mir nicht verleidet. Und als ich dann später selbst Geld verdiente, leistete ich mir die 20 Kasetten-Lesung von Gerd Westphal. Seither höre ich sie ein Mal im Jahr, meist beim Spazierengehen im Frühling. Ich ertappe mich dabei, wie ich ganze Passagen auswendig mitsprechen kann...Übrigens ging mir meine so geschätzte Taschenbuchausgabe schon vor Jahren bei einem Umzug verloren. Ich habe den Faustus natürlich mittlerweile in einer gebundenen Fassung. Trotzdem hoffe ich, jenem weichen, weißen Büchlein mit dem vergilbten Papier und dem Grübler auf dem Cover irgendwann auf einem Flohmarkt oder in einer Kruschtelkiste eines Antiquariats wiederzubegegnen...
 
Dr. Leena Eilittä
Buddenbrooks
Erstellt am 09.04.2005 20:25
Ich hatte eben erst mein Abitur in Finnland gemacht und wurde von einem deutschen Freund nach Deutschland eingeladen. Deutsch konnte ich sehr wenig da ich nur kurz Deutsch gehabt hatte in der Schule d. h. drei Jahre. Da ich eine längere Zeit in Deutschland zu bleiben plante, wollte ich auch arbeiten. Ich fand ein Job in einer Kneipe in der Nähe von Bayreuth, wo der Freund seine Lehrerausbildung machte. Aber die Arbeit als Bedienung erwies sich langweilig, insbes. während den langen Abenden, wo die wenigen Kunden in der Kneipe nur schauften. Da kam mir Buddenbrooks zur Hilfe, das ich von dem Freund als Geschenk bekommen hatte. Die langen Abende verliefen rasch beim Lesen von Buddenbrooks insbesondere, weil ich mich äusserst anstrengen musste wegen der Sprache. Thomas Manns Erzählen gefiel mir so sehr, dass ich die Lücken der Sprache mit der Phantasie ergänzte und echt traurig war, als das Buch zu Ende war. Bald musste ich auch nach Finnland zurückkehren da das Universitätsstudium auf mich wartete. Die deutsche Literatur wählte ich als meine Spezialität und lernte auch andere Autoren kennen. Aber Thomas Mann, der mir die Türe der deutschen Literatur eröffnet hatte, blieb immer mein Lieblingsautor.
 
Ulrich Godenschweger
Liebe fürs Leben
Erstellt am 09.05.2005 14:43
Mit 16 noch gelangweilt "Buddenbrooks" gelesen - mit 20 dann von "Zauberberg" und "Joseph" so begeistert, dass ich seither nie aufgehört habe, mich mit TM zu beschäftigen, meist mehr, selten weniger intensiv. Das ist ja das Schöne an diesen Werken, Briefen und Tagebüchern, dass jede Lektüre neue Sichtweisen bringt, Details ins Blickfeld rückt, die man vorher nicht wahrgenommen hatte. So entsteht im Laufe der Zeit - 30 Jahre sinds inzwischen bei mir - ein "geistiges Zuhause", aus dem man nicht wieder vertrieben werden kann und das man auch gar nicht verlassen will. Denn jeder anderen Lektüre (wie Thomas Klugquist in seinen "49 Fragen und Antworten zu TM" schreibt) scheint bald etwas zu fehlen - sowohl die Weite des Blicks wie die Tiefenschärfe, der Humor und die Formulierungskunst, der Beziehungsreichtum der Themen und Motive, die differenzierte Menschenschilderung. Sonst neige ich nicht zum Pathos, hier aber stimmt's: TM bereichert mein Leben - in jeder Phase. Und die Büchersammlung zu ihm wächst und wächst ...

 
Ursula Meier
Die Buddenbrooks in Venedig
Erstellt am 01.07.2005 15:59
Nach dem "Zauberberg" und "Felix Krull" konnte ich mit "Der Tod in Venedig" nicht allzuviel anfangen, obwohl ich sonst alle Bücher verschlinge, die mit dem Thema Venedig zu tun haben. Die meisten Bücher sprechen mich an, einfach weil ich die Stadt liebe. Nun aber hatte ich erst einmal genug von Thomas Mann.

Während meines letzten Strandurlaubes in Cavallino habe ich mir jedoch "Die Buddenbrooks" vorgenommen, weil ich mich zu Hause nicht aufraffen, den dicken Schmöker zu beginnen. Und siehe da, Venedig's Zauber wirkte wieder: der faszinierende Familienroman von der Ostsee wurde von mir innerhalb weniger Tage am Mittelmeer verschlungen. Als nächstes liegen "Die Erzählungen" bereit - wer weiß, vielleicht lese ich den "Tod in Venedig" diesmal mit mehr Vergnügen.
 
Anja Heling
Der Zauberberg
Erstellt am 06.07.2005 18:25
Seit Jahren begleiten mich die Kinder der Familie Mann und vorallem Erika und Klaus fühle ich mich so verbunden, dass ich manchmal den Eindruck habe, sie genau zu können.
Um den "Zauberberg" hingegegen machte ich stets einen weiten Bogen, ich weiß nicht warum, ich glaube, es war vorallem die Angst, diesem Buch intellektuell nicht gewachsen zu sein.
Nun habe ich ein freies Wochenende genutzt, um einzusteigen in diesen ganzen Kosmos und beende nun eine der spannendsten Lektüren meines siebenunddreißigjährigen Lebens!
Was für ein großer Roman, welche Sprachgewalt!
Sicher verlangt "Der Zauberberg" seinen Lesern einiges ab, es ist kein Bettkantenbuch! Aber es ist eines der atmosphärischsten, zeitlosesten und auch besten Bücher, die ich je las! Wie der Berghof vor dem geistigen Auge des Lesers entsteht, wieviele Facetten des menschlichen und allzumenschlichen Thomas Mann berührt, wie es ihm gelingt, mit einer letztlich doch einfachen Geschichte soviele Seiten zu füllen ohne jemals auch nur den Hauch von Geschwätzigkeit zu haben ist sicher absolut einzigartig in der Literatur.
So verneige ich mich vor Thomas Mann und wünsche mir, dass "Der Zauberberg" auch viele künftige Lesegenerationen erreicht!
 
Lars Mayr
Der Zauberberg
Erstellt am 28.07.2005 09:06
Selten hat ein Buch auf mich so tiefen Eindruck gemacht wie dieser phänomenale Roman. Als langjähriger Davos-Urlauber kann ich nur sagen, dass Thomas Mann exakt die Stimmung und den Ton gefunden hat, um die Atmosphäre dieses Kurortes literarisch wiederzugeben. Der ungeheure Facettenreichtum, die Vielzahl der aufgearbeiteten Themen, verbunden mit der wunderbaren Sprache des Autors zeichnen diesen Roman aus.
Der "Zauberberg" war für mich der erste große Roman Thomas Manns, den gelesen habe, und seine Brillanz fesselte mich erst an die genialen Werke Manns. In diesem Zusammenhang danke ich auch einem alten Schulfreund, der mich überhaupt erst auf diesen Roman richtig aufmerksam gemacht hat und meine Leseneugier anstachelte. Möge dieser Roman auch in Zukunft die Würdigung finden, die er verdient!
 
Ella Michels
Buddenbrocks im Abstand von 30 Jahren
Erstellt am 08.09.2005 20:20
Als ich die Buddenbrocks zum ersten Mal las, war ich 17! In diesem Sommer, 30 Jahre später, lese ich sie wieder, hier und da an verschiedenen Urlaubsstätten, aber immer gefesselt von der Mann'schen Sprache und der Intensität des roman--tisch Erlebten. Mit 16 Jahren hat mich Antonie fasziniert, glaubte ich mich wiederzufinden in ihrer herzlich-naiven Betrachtungsweise des Lebens. Heute,mit 46, rühren mich die morbiden Figuren so sehr an, -der nah an der Grenze zur Geistesgestörtheit lebende Christian, der am Leben verzweifelnde Hanno und der zuletzt depressive, nach Sinn suchende Thomas Buddenbrock!Wer der Figuren würde mir nahe sein, wenn ich den Roman in 30 Jahren noch einmal lesen dürfte?
 
arno petermann
Zauberberg
Erstellt am 10.11.2005 19:40
kommt zwar zu spät, mußte ich dennoch los werden

Eine der beiden hübschen Krankenschwestern weckte mich um sechs Uhr. Ich packte meine sieben Sachen in meinen Kulturbeutel. Darunter Thomas Manns ‚Zauberberg’ sowie meine Lesehilfe. Ich legte mich auf mein Krankenbett und wartete. Kurz vor sieben schob mich eine der beiden hübschen Krankenschwestern aus dem Zimmer. Gang. Aufzug. Gang. Operationssaal. Trotz Narkose konnte ich schemenhaft die Menschen in Grün erkennen. Irgendwie schlief ich dann doch ein und erwachte auf (oder sagt man in) der Intensivstation gegen halb neun. Der Arzt hatte einen Tag zuvor bereits angedeutet, dass ich wohl 24 Stunden dort zubringen müsste. Deshalb auch das Buch und die Brille. Mein Körper hing an einer Unzahl von Schläuchen. Eine runde Wanduhr genau gegenüber zeigte mir grausam, wie langsam die Zeit ohne Ablenkung vergehen kann. Die ersten zwei Stunden hielt ich mich mit Dösen und dem Sammeln der Eindrücke von Geschehnissen um mich herum über Wasser. Dann bat ich einen Pfleger, mir doch das Buch und die Brille zu geben. Er staunte mich mit der Bemerkung an, ‚er hätte noch nie erlebt, dass jemand so kurz nach einer schwierigen Operation auf (oder in) der Intensivstation den Wunsch geäußert hätte zu lesen.’ Er gab mir mit einem Stirnrunzeln das Verlangte. Ich setzte in dem Roman, den ich bereits dreißig Jahre zuvor als Abiturient gelesen hatte, genau an der Stelle ein, an der Hans Castorp durch den Schnee irrt. Ich hatte die Rechnung ohne meinen angegriffenen Kreislauf gemacht. Die gedankliche Anstrengung veranlasste den Apparat, mit dem ich nun mal liiert war, ein wahres Warnkonzert zu initiieren. Der Pfleger kam, nahm den ‚Zauberberg’ und meine Lesehilfe.
Ich sah und schlief ein.
 
Axel Löber
Kopf auf kühlem Kissen
Erstellt am 26.11.2005 18:29
Am Anfang war der „Zauberberg“, und ich hasste ihn. Obwohl er nicht zu jenen wunderbaren Büchern gehörte, die mir wie vielen meiner Freunde durch gut gemeinten Deutschunterricht in der Schule verleidet wurden, konnte ich – damals mitten in der Pubertät – nichts mit diesem ausufernden Koloss anfangen. Heute wundert es mich, denn wer in diesem Alter interessierte sich nicht für die Möglichkeiten, die sich aus dem Verleih von Crayons ergeben können?
Eher durchgearbeitet als gelesen legte ich den Roman mit dem Vorsatz beiseite, in Zukunft einen Bogen um die Bücher des Lübecker Zauberers zu schlagen. Dann kam das Alter (ich wurde zwanzig) und mit selbigem ein ausnehmend angenehmer Anflug von Weisheit. Noch einmal gab ich unserem schwierigen Verhältnis eine Chance: Ich las, oder nein, ich verschlang die „Buddenbrooks“. Ganz besonders die Geschichte des sich geradezu verzweifelt den Anfechtungen des Alltags entgegenstemmenden Thomas Buddenbrook hatte es mir angetan. Jener Noch-Bürger und Noch-nicht-Künstler, der sich danach sehnt, seinen Kopf auf ein kühles Kissen zu legen, war mir von Anfang an weitaus näher, als all die anderen Romanhelden, für die man in diesem Alter gewöhnlich sonst so schwärmt. Und bis heute antworte ich auf die Frage, welches denn mein Lieblingsbuch sei, mit der Nennung des fulminanten Familienverfalls, der auch über einhundert Jahre nach seiner Entstehung nichts an Aktualität und Wahrhaftigkeit eingebüßt hat.
P.S.: Den „Zauberberg“ habe ich inzwischen noch einmal gelesen – und diesmal mit großem Genuss.
 
Martina
Begeisterung, Staunen, Verehrung,
Erstellt am 28.01.2006 16:42
Eigentlich war ich nie ein besonders interessierter Schüler im Deutschunterricht. Ob das jetzt an den Lehrern lag, die es versäumt haben, Literaturgeschichte und ähnliches anschauungsvoll darzustellen, oder ob es an mir lag, weiß ich nicht mehr.
Doch von Heute auf Morgen wurde aus mir ein Deutschfreak wie man das in unserem so modernen Sprachgebrauch sagen würde. Das Mittel war keine Gehirnwäsche, sondern eine simple Novelle, die mir in die Hände fiel - Der Tod in Venedig. Nur ein Nachmittag dauerte die Verwandlung, genau so lange wie man braucht, dieses Büchlein vom unschlüssigen Protagonisten Aschenbach zu lesen.
Seitdem verschlinge ich alles was mit Thomas Mann zu tun hat. Ich habe den Zauberberg verschlungen und als ich ihn durchgelesen hatte, war ich nicht froh die vielen Seiten endlich gelesen zu haben, sondern freute mich schon wieder von vorne beginnen zu können. Ich bekam super Noten in Deutsch, hielt Referate und schrieb tadellose Klausuren, stöberte in Unibibliotheken und in Büchereien um möglichst alle Werke dieses, meiner Meinung nach genialen, Schriftstellers lesen zu können. Es ging sogar soweit, dass ich im Abitur Thomas Mann als Schwerpunkt festlegte und jetzt sogar wohl mein Studium danach ausrichten werde.
Heute, gut ein Jahr später, hab ich fast alles gelesen, das seinen Namen trägt - mit Ausnahme der Tagebücher, den Buddenbrooks und ein, zwei Erzählungen. Doch was das beste seines Romanwerkes ist, kann ich mich nicht und werde ich mich auch nie entscheiden können. Thomas Mann ist für einfach ein genialer Schriftsteller - ohne Einschränkungen...
 
Hendrik Michel
Ein Volontär
Erstellt am 06.02.2006 19:07
Als ich den Zauberberg zum ersten Mal las, war ich Student der Sprachwissenschaft und habe den Roman mit großer Begeisterung verschlungen. Zum Examen habe ich dann von meiner Mutter die Leinenausgabe geschenkt bekommen - und fand mich selbst als Volontär Hans Castorp noch näher und diesmal schon viel vertrauter. Es gibt sicherlich kein anderes Buch, das einen solchen Umfang hat und das man immer wieder lesen kann, ohne davon in irgendeiner Art gelangweilt oder seines überdrüssig wäre. Thomas Mann schreibt das, was man denkt - und das erstaunt dann doch ob dieser zeitlich riesigen Distanz. Man freut sich über jedes "ich versichere Sie" oder über ein beiläufiges "im Übrigen sah er sehr lächerlich aus". Als Buchhändler werde ich oft mit Stöhnen und Abneigung über die Zwangslektüre Thomas Mann konfrontiert und freue mich im Stillen auf die nächste, dann dritte Lektüre des Zauberbergs.
 
Roman W.
Zauberberg
Erstellt am 19.04.2006 17:37
Es gibt Bücher, bei denen man schon im Voraus weiss, dass sie die eigenen Erwartungen allerhöchstens erfüllen. Mit einer solchen Vorwegnahme des Erlebnisses begann ich die Lektüre des Zauberbergs. Jedoch musste ich sehr bald erkennen, dass ich mich über- und das Werk unterschätzte- zu meiner Freude wohlgemerkt. Die Welt des Zauberbergs ist eine Ansammlung an repräsentativen, gleichzeitig individuellen Protagonisten, in welchen sich die verschiedenen Stimmungsfacetten des beginnenden 20. Jahrhunderts widerspiegeln. Die Handlungen und Situationen lassen sich jedoch alle in ein einziges Moment zusammenfassen- in einen äusserlich ewigen Stillstand mit innerer Bewegung. Die individuelle Erfahrung Castorps, oder des Menschen an sich, benötigt nicht eine Lebenshandlung, die von einem Knalleffekt zum nächsten führt. Eine Meisterleistung hier besteht darin, dass Mann den Begriff der Zeit (etwas rein abstraktes) zur anschaulichen Erzählung steigert. Das für mich Unglaubliche bestand und besteht ausserdem darin, dass dieser Roman keine Handlung hat im Sinne von "äusserem" Geschehen und einen zur Frage führt: Was, wenn nicht die äusseren Begebenheiten, ist es, was den menschlichen Erfahrungen einen Wert verleiht? Die Zeit...? Für mich ist dieses Buch etwas vom geistig einflussreichsten und prägendsten aller Zeiten und Thomas Mann das grösste literarische Genie des letzen Jahrhunderts mitsamt dem beginnenden Jahrtausend.
 
Tobias
Notiz zu Joseph und seine Brüder
Erstellt am 07.07.2006 22:30
Es ist eine runde Sache, eine Welt: alles ist in einem, er, der Mensch, ist in allem; er ist seiner eigenen Identität ebenso ur-ungewiß wie tief-gewiß; sein Leben reicht aus unbestimmtbaren Vergangenheiten in unbestimmbare Zukünft, und in jeder seiner Gesten spiegelt sich das Tief-Menschliche, Ur-Menschliche, das voraus und zurück Träumende. Jaakob leidet um Joseph: darin ist alles Leid der Welt, das ja immer irgendeinen Verlust, ein Stück vom Selbst betrifft; darin ist alle Auflehnung gegen ein - im Augenblick mitgeschaffenes - Götterbild, das Selbst des Leidenden im Grunde, denn alles ist in ihm: das Verlorene, der Schmerz, der Gott, der liebt und zerstört, gibt und nimmt. Man erlebt, wie das Menschliche, das Geistig-Künstlerische, ja, die Kultur selbst, in Ur-Erfahrungen (immer gleich und ähnlich aus sich selbst heraus sich wiederholend) Gestalt annimmt.
 
H.-P.Haack, Leipzig
Zitate zu "Joseph und seine Brüder"
Erstellt am 16.07.2006 09:39
Golo Mann, der den Wert mancher Werke seines Vaters skeptisch beurteilt hat, wie z. B. „Tonio Kröger“, habe „Joseph und seine Brüder“ den Rang von „Ilias“ und „Odyssee“ zugesprochen. So Marcel Reich-Ranitzki in Erinnerung an ein Gespräch mit Golo Mann (TV-Sendung „Das Literarische Quartett“ am 17.08.2005).

Die wenig gelesene Josephs-Tetralogie nimmt im Gesamtwerk T.M.s einen Platz ein, der vergleichbar ist mit dem ´Ring des Nibelungen´ im Opernschaffen Richard Wagners (E. Heftrich: "Geträumte Taten").
 
David
Das Eisenbahnunglück
Erstellt am 15.09.2006 10:57
Thomas Mann- „ Das Eisenbahnunglück“

Die Erzählung „ Das Eisenbahnunglück“ von Thomas Mann beschreibt die Fahrt des Ich-Erzählers von München nach Dresden, bei dem sich ein Eisenbahnunglück ereignet. Der Text ist in fünf Teile unterteilt. Die Rahmenhandlung steht am Anfang und am Ende der Erzählung wie auch genau in der Mitte. Die Teile, die in die Rahmenhandlung eingebettet sind, beschreiben die eigentliche Erzählung. Sie berichten von der Fahrt zum Bahnhof, vom Treiben am Bahnsteig, der Zugfahrt, dem Unglück und er Weiterfahrt nach Dresden.
Der Ich-Erzähler hat einen sorgfältigen vielleicht sogar ein pedantischer Mensch. Er plant seine Reise schon im voraus und achtet auf jede Kleinigkeit. Aber dennoch treten bei ihm Reiseängste auf und man fragt sich von Anfang an: „Was soll denn schon Großes passieren?“ In Wirklichkeit geht es ihm um seinen Koffer, in dem sich sein Manuskript befindet und um den er Angst hat. Der Koffer symbolisiert sein Leben bzw. die Früchte seiner Arbeit. Zu Beginn der Erzählung glaubt er diesen Koffer in Sicherheit, denn die Diener des Staates bewachen ihn. Sie repräsentieren das Kaiserreich und der Ich-Erzähler glaubt: „Das ist der Staat, unser Vater, die Autorität und die Sicherheit.“. Im Zusammenhang mit diesem steht auch der Herr mit dem Hund, der ebenfalls die Obrigkeit darstellt. Durch das Eisenbahnunglück gerät die Sicherheit und Ordnung in Gefahr. Der Ich-Erzähler fürchtet, dass sein gesamtes Leben mit dem Verlust des Manuskripts zerstört sein könnte. Sowohl das Eisenbahnpersonal als auch die Passagiere scheinen auf den ersten Blick von dem Unglück mitgenommen. Ein Eisenbahnbeamter z.B. erteilt Befehle, doch da er ohne Mütze und Haltung ist – die Zeichen von Autorität – gehorcht ihm niemand. Auch der Schaffner, der zuvor einen souveränen Eindruck machte, hinkt infolge einer Verletzung und ist nicht in der Lage, Auskünfte zu erteilen. Doch schließlich kommt wieder das alte Organisationstalent der Deutschen zum Vorschein: „Und mehr und mehr kam etwas wie Ordnung in die Sache und der Staat, unser Vater, gewann wieder Haltung und Ansehen. Das Manuskript ist gerettet, da infolge der Reaktionsfähigkeit des Zugführers keine größeren Schäden am Zug entstanden sind und der Gepäckwagen nicht beschädigt wurde. Dennoch hinterlässt das Zugunglück Spuren: Der Herr mit dem Hund verliert völlig die Haltung und auch andere Passagiere der ersten Klasse sind von der Situation überfordert.
 
Alke Spöring
Königliche Hoheit
Erstellt am 05.11.2006 13:39
"'Königliche Hoheit'?! Wie schrecklich! Wie langweilig!", rief eine Bekannte. Grund genug, sofort selbst zu überprüfen, ob Thomas Mann es nun doch zu weit getrieben hat mit seiner ausgefeilten Sprache, seinen mitfühligen Innenschauen, seinen detaillierten Schilderungen, seinen bürgerlichen Schicksalen. "Königliche Hoheit"? - Hinreissend! Nachts, wenn ich nicht schlafen kann; tags, um das Gemüt zu befreien. Eintauchen in diese Kunstwelt und genießerisch durchatmen: kunstvolle Gärten, kunstvoll arrangierte Figuren, kunstvoll gesetzte Worte, Sätze, Begebenheiten; nicht zuletzt der feine Witz... "Königliche Hoheit"? - Filigran! Das Lesen gleicht dem Gefühl, sorgfältig gemalte arabische Ornamente oder ein prächtig geschmiedetes Eisentor zu betrachten. Ich bin noch nicht durch! Ich wollte dennoch schonmal loben! "Königliche Hoheit"? - Filigranes Kunsthandwerk.
 
Samuel Mann
Davos im "Sommer"
Erstellt am 12.11.2006 21:27
Erst einmal hallo an alle Thomas Mann Fans die auch eine Freude an der Hompage gefunden haben. Ich, Samel Mann (Verwandschaft mit Thomas leider nicht nachgewiesen) wohne in Österreich, genauer gesagt in Vorarlberg, dem westlichsten Teil und gehe dort zur Schule ( ich bin 16 Jahre alt), studiere aber nebenher Klavier am Landeskonservatorium.

Ich war diesen Sommer sechs Wochen in Davos, wo ich meine Ferien mit großem Vergnügen damit Verbracht habe mich in den Zauberberg einzuelesen und einige Veranstaltungen der "Literatur - und Kulturtage um Thomas Mann" zu besuchen.

Jedenfalls, Sie sind sicher schon gespannt auf meine Lesebegegnung, bin ich wie schon sehr oft (der Zauberberg ist nicht gerade dünn) am Lesen und stosse auf ein Kapitel, in dem es im Sommer zu schneien beginnt und Joachim Ziemsen "unseren Helden" Hans Castorp darüber auflkärt, dass es in Davos keine "fixen" Jahreszeiten gäbe. Es existierten zwar Frühlings -, Sommer -. Herbst - und Wintertage, doch mit den Jahreszeiten nähme es die Natur bein "ihnen hier oben" nicht so genau.

Tja, was hat das mit mir zu tun? Ich sehe während dem Lesen aus dem Fenster und....es schneit!!! Es war der 8. August! Am darauffolgenden Tag bestieg ich das Flüela Schwarzhorn vom Flüela Pass aus und ich musste mich durch einen halben Meter Schnee kämpfen!

So war es für mich eine speziell besondere Erfahrung, am Ort des Geschehens durch solch autentische Verhältnisse dem Geschehen immer näher gerück zu werden. "Lesen ist Abenteuer im Kopf." - mit socher Unterstützung von aussen das höchste der Gefühle! Wenn man(n) die Erfahrung einer solchen Lesebegegnung einmal machen durfte, bereitet es einem ein solches Vergnügen, zu lesen, dass auch Werke die für Schüler manchmal etwas zäh erscheinen, einen Fluss bekommen und eine Begeisterung ausstrahlen, wie ich es nur jedem wünschen kann.

Mit freundlichen Grüßen,

Samuel Mann
 
Jessica Tannenbaum
Königliche Hoheit
Erstellt am 29.01.2007 17:44
Thomas Manns Art zu erzählen ist wie ein Schneekristall: geometrisch genau und präzise, dabei kunstvoll und ästhetisch; aber genau so zerbrechlich.
Die Beschreibungen und Namen sind wunderbar: Erstere lassen eine lebendige, plastische Welt auferstehen, wie es kein Film oder Theater schaffen könnte und Zweitere überziehen das ganze mit eine fast unsichtbaren Zuckergußschicht aus feiner Ironie.
Traumhaft, köstlich, wundervoll und, vor allem, virtuos.
 
ChristelWalt her
Eine Neuentdeckung
Erstellt am 28.05.2007 20:43
Ende der 9. Klasse bekamen wir eine Liste mit 10 Büchern, die wir zu Hause lesen sollten. Von einigen davon sollten wir eine Inhaltsgabe schreiben und abgeben. Fast ein Jahr lang hatten wir Zeit. Leider haben wir unsere Inhaltsangaben nie wiedergesehen und besprochen. Unsere Deutschlehrerin hatte wohl bemerkt, dass die meisten einfach die Klappentexte abeschrieben hatten. In der ganzen Zeit wurde auch nicht einmal über diese Bücher gesprochen. Eins dieser Bücher war "Tonio Kröger". Ich habe es gelesen und hatte viele Fragen, die leider unbeantwortet blieben. So verblieb das Buch erst einmal im Regal. Ich hatte wohl Ausschnitte aus dem Mehrteiler "Buddenbrooks" gesehen, leider nie vollständig. Später habe ich mich nicht mehr an Thomas Mann herangetraut. Dann sah ich Jahre später Ausschnitte aus dem Dreiteiler "Die Manns". Vor zwei Jahren hatte ich das Glück, Armin Mueller-Stahl mit seiner Lesung "Rollenspiel" zu erleben. Vor der Lesung wurde er noch mit dem Bremer Hansepreis ausgezeichnet. Der Laudator hielt eine Ansprache, in der er sehr auf Thomas Mann einging. Das hat ihm mir doch sehr nahe gebracht. Später habe ich den Dreiteiler vollständig gesehen und mir das Buch dazu geholt. Als dann in der Buchhandlung der Band mit den Erzählungen erschien, habe ich gleich zugegriffen. Schön, dass hier alle Erzählungen zusammengefasst sind. Sie sind abwechslungsreich geschrieben. Mal heiter, mal ernst, mal traurig. Die Erzählungen "Der kleine Herr Friedemann" und "Die Betrogene" treiben mir jedesmal die Tränen in die Augen. "Das Gesetz" zeigt, wie humorvoll man die biblischen Geschichten erzählen kann. Die Erzählungen sind eine kleine Schatzkiste, aus der man immer wieder etwas Neues holen kann.
 
Christel Walther
Den Namen "Zauberer" hatte er zu Recht.
Erstellt am 28.05.2007 20:57
Meine erste Begegnung mit dem Roman "Buddenbrooks" hatte ich Ende der siebziger Jahre, als der Siebenteiler ausgestrahlt wurde. Allerdings habe ich mit 12 Jahren natürlich noch nichts von alledem verstanden. Allerdings blieb es doch im Hinterkopf. Nachdem ich vor etwa 2 Jahren den Dreiteiler "Die Manns" gesehen und das Buch dazu gelesen hatte, war die Neugier da. In unserer Buchhandlung wurden einige der Werke mit Nachbildungen der Originalausgaben angeboten. Zuerst musste ich mir natürlich sein erstes Werk "Buddenbrooks" holen. Ich war froh, dass ich in der Schule das Wahlfach Französisch hatte. Um nicht ständig in verschiedenen Wörterbüchern und Lexika nachschlagen zu müssen, habe ich ein kleines Glossar angelegt, was mir sehr geholfen. hat. Bald war ich von den "Buddenbrooks" dermaßen fasziniert, dass ich fast jede freie Minute zum Lesen genutzt habe. Jetzt habe ich die "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull in Arbeit. Genial wie Thomas Mann seinen Helden zwischen deutsch, französisch, englisch und italienisch wechseln lässt. Für lange Winterabende stehen schon "Der Zauberberg" und "Der Erwählte" im Regal. Auch "Königliche Hoheit", "Dr. Faustus" und seinen Josephsroman werde ich sicher irgendwann lesen. Solche Sprachakrobaten wie Thomas Mann sind selten. Mitbringen sollte man allerdings für seine Werke ein gewisses Interesse an Sprachen, Geschichte, Musik, Religion, Philosophie. Den Namen "Zauberer" hatte Thomas Mann zu Recht. So wie er konnten nur wenige mit der Sprache zaubern und verzaubern.
 
Jann Frey
Unerwartete Begegnung mit Dr. Behrens Teil 1
Erstellt am 22.06.2007 23:32
Thomas Mann ist mir während meiner Gymnasialzeit nie begegnet. Vielleicht wollte uns unsere Deutschlehrerin damit einen Gefallen tun, ich weiss es nicht. Unverständlich bleibt es mir rückblickend allemal. Zufällig geriet mir kurz vor der Matur Klaus Manns „Alexander“ in die Hände. Die Skepsis der ersten Seiten wich bald Begeisterung und glühender Verehrung. Klaus Mann hätte diesen fiebrigen Roman geschrieben, während der Vater zu Hause diszipliniert Weltliteratur verfasst habe, stand auf dem Klappentext des Bandes. Es war wohl der Begriff „Weltliteratur“, der mich abhielt, Werke von Thomas Mann zu lesen. Unter Weltliteratur stellte ich mir für Geistestitanen verfasste, spröde, normal Sterblichen völlig unzugängliche Erörterungen der menschlichen Tragödie vor. Da hielt ich es doch lieber mit dem Bohème Klaus. Mein erstes Thomas Mann Buch – eine Sammlung diverser Erzählungen - erstand ich denn auch erst Jahre später und auch das nur, weil dem Buch eine CD mit einer Originallesung Thomas Manns beilag. Es war bestimmt ein Impulskauf – ich verstehe nicht, warum es mich damals faszinierte, diesen mir nur dem Namen nach bekannten Schriftsteller lesen zu hören. Die Lesung war ein Ausschnitt aus Tonio Kroeger – eine Szene von der Schifffahrt nach Dänemark. Die Teile davor und danach las ich gefesselt in einem Zuge durch. Nun endlich war der Bann gebrochen und der Weg frei zu den grossen Romanen. Nach den Buddenbrooks folgte der Zauberberg und während dieser Lektüre schlug der Zufall zu.
 
Jann Frey
Unerwartete Begegnung mit Dr. Behrens Teil 2
Erstellt am 22.06.2007 23:33
Ich las auf der Zugfahrt zum Klassentreffen fünf Jahre nach der Matur in dem Buche, welche Stelle ist unbedeutend. Am Abend dann sprach ich mit meiner ehemaligen Lateinlehrerin über dies und jenes. Irgendwann kam sie – weshalb auch immer – auf ihr schweres Heuschnupfen- und Asthmaleiden zu sprechen, das sie seit früher Kindheit plage. Zur Behandlung sei sie als kleines Mädchen zu einem Spezialarzt ins entfernte Zürich geschickt worden. Dieser habe sie auf unsägliche Weise traktiert indem er ihr Spritzen direkt in die empfindliche Nasenschleimhaut verabreicht habe. Mitgefühl hätte dieser Mensch keines gezeigt und seine kleine Patientin bei Zeichen von Schmerzen oder bei reflexhaftem Zucken grob angeschnauzt. Genützt habe die Tortur wenig und schliesslich habe sie bei ihren Eltern die Absetzung dieser Kur durchsetzen können. Später – und das sei ihr Genugtuung für das erlittene Leid – habe sie dann erfahren, dass eben jener Arzt Thomas Manns Vorbild für Dr. Behrens gewesen sei. Freilich weiss ich nicht, ob diese Geschichte stimmt. der Wahrheitsgehalt dieser Episode ist auch gar nicht wichtig. Ich freute mich über den Zufall inmitten der Lektüre unverhofft von einer ganz anderen Seite her einen Bezug zum Zauberberg zu erhalten – und fragte mich, ob es vielleicht nicht besser gewesen wäre, wenn ich bei meiner Lateinlehrerin Deutschunterricht gehabt hätte.
 
Christian Dwenger
Buddenbrooks
Erstellt am 22.07.2007 18:49
Oh freudige Sommertage, die nicht nur sonnig und freundlich daherkommen, sondern mir auch ein besonderes Lesevergnügen brachten. Obgleich es natürlich der Dichter selbst war dessen Werk mich bezauberte.
Die Rede ist von Thomas Manns Roman Buddenbrooks, den ich dieser Woche gelesen habe und dem ich nachtrauerte sobald ich das letzte Kapitel abschloss.
Was als Schulaufgabe über die Ferien begann wurde mir mehr und mehr Freude. Ich klebte an dem Buch fühlte wie ich innerlich durch Lübeck schritt, an dem Haus in der Mengstraße vorbei.
Vor meinem inneren Auge bewegten sich Tony, Thomas und Christian.
Ich malte mir ein anderes Ende der Geschichte aus, nur um dann festzustellen dass diese Geschichte nur so enden konnte wie der Dichter sie beendet hatte.
Was ist geblieben nach diesem Lesegenuss, erstens die Gewissheit noch weitere Mann-Werke zu lesen, zweitens die Ahnung dass ich nicht zum letzten Mal mir diesen Roman durchgelesen habe.
So sind diese Sommertage wunderbar und ich könnte sagen dass ich im Innern durch Lübeck spazierte.-Ein tief empfundenes Glück.
Ein herrliches Lesevergnügen und wahrlich avec plaisir.
 
Richard Steinheimer
Mein Zauberberg an der Ostsee
Erstellt am 24.07.2007 22:03
Meinen persönlichen Zauberberg fand ich in einem kleinen Heilbad an der Ostsee. So wie Hans Castorp hatte ich drei Wochen Zeit, mich in einem Sanatorium zu erholen. Da die größten Beschwerden schon einige Zeit zurücklagen, konnte auch ich die kommenden drei Wochen eher als Besuchszeit, denn als verschriebene Kur betrachten. Für den Roman hatte ich in der ersten Woche üppig Zeit, dabei stets vergleichend, ob sich im wahren Leben ähnliche Situationen und Personen zeigen würden, wie dem Duo Castorp und Ziemßen. Und irgendwie war es auch so! Der Anreisetag, ein Dienstag, wohl der international anerkannte Tag für einen Kurbeginn, war mit Formalitäten wie Vorauszahlung, Zimmerbezug, Untersuchung sowie ersten Erkundungsgängen auf dem Gelände und im Ort vertan. Der Roman wurde mir zu einem Navigationssystem, das sich schon bald auf bekannte oder ähnliche Ziele einstellte.
Bei den Mahlzeiten wurde nach wenigen Tagen klar, dass alle Kurgäste eigentlich ständig an ihren Tischen saßen. Als ob ein Wal aus der flachen Ostseebrandung heraus zum richtigen Zeitpunkt alle ausgespieen hätte. In den Zwischenzeiten, die natürlich viel länger waren, als die Mahlzeiten, schienen diese Menschen in den Behandlungsräumen, Liegewiesen und Terrainkuren in der Tat wie verschluckt zu sein.
Doch vergeblich suchte ich nach einem Settembrini oder einem Naphta, von den Stöhrs gab es leider genug – und gerne, allzu gerne hätte ich den lauten Schlag der Tür des Refektoriums gehört, wenn eine Madame Chauchat den Raum betreten hätte. Von all dem gab es leider nichts, auch nicht annähernd – obwohl. - Mein Dr. Behrens war eher ein Gentleman. Ein feiner Herr, der wohl auch nie auf die Idee gekommen wäre, einen väterlichen Wangenkneifer zu setzen oder sich reihum an die Tische seiner Patienten zu gesellen.
Jetzt, viele Monate danach, entwickelt sich mein Ostsee-Zauberberg zu einem gemeinsamen Bild mit dem Castorpschen Zauberberg. Wie nach einer Trennung von der Geliebten: die schönen Erinnerungen werden jetzt herangespült, Unzulänglichkeiten tauchen ab. Gestern träumte ich, dass der Kurgast am Nebentisch mich fragte, ob ich ihm denn meinen Zauberberg ausleihen könnte. Den hätte ich doch jetzt wohl ausgelesen, Thomas Mann sei übrigens schon lange sein Lieblingsschriftsteller.
 
hob
"Der Zauberberg"
Erstellt am 17.09.2007 16:19
„Der Zauberberg“
ist kein Buch, von dem man nun behaupten könne sich dort heimisch zu fühlen, im Gegenteil: Die ersten 200 Seiten unterlag man der Täuschung unter Fieber zu leiden. Kaum hatte man sich daran und an die ausschweifenden Vorträge über die Zeit zu gewöhnen verstanden, so kamen auch schon zunächst Settembrini und später auch noch Naphta, durch deren Art Wortverbindungen herzustellen, man in tiefste allgemeine, sowie Verwirrtheit über die Charaktere gestürzt wurde und zu Weilen nur einen nihilistischen Sinn ausmachen konnte. Zwischen den Gesprächen lagen Erzählungen, denen man dann erleichtert und erschöpft von den Gesprächen (zwischen den oben genannten) folgte, bis man abermals in solche Gespräche gestürzt wurde und der Leseprozess nur schleppend weiterging.
Sollte nun das heikle Verhältnis, was unseren Protagonisten und eine gewisse Dame verband aufgeklärt werden, so war die Entäuschung groß, als man eben diese Aufklärung in der französischen Sprache vorfand, deren Schriftbild zuweilen ein höchst interessantes ist, doch deren Sinn einem unverständlich blieb.
Nach weiteren hundert Seiten, erkannte man die Unwichtigkeit dieser unverstandenen Szene. Es war der Prozess, um den es sich hier langatmig und ganz Detail getreu zu handeln schien, und welcher, dass musste man wohl verstehen, auch übertragbar ist auf dergleichen, jedoch anderen Entwicklungen.
Dann nahte das Ende, und wie ingeheim erwartet, ein zynisches, sollte man es aus der Sicht des geliebten Cousin betrachten.
 
Christine
Buddenbrooks
Erstellt am 18.09.2007 16:12
Allen Warnungen zum Trotz, die „Buddenbrooks“ seinen so schlecht zu lesen und die komplizierten Verhältnisse der Familie seinen sehr schwer nachzuvollziehen, habe ich das bekannteste Werk Thomas Manns mir zu Gemüte geführt. Mit einem erstaunlichem Ergebnis:
Keine der Vorwarnungen waren auszufinden. Sicherlich ist „Buddenbrooks“ keine Abendlektüre einer Belletristikrubrik. Es ist viel mehr eine Art Zeugnis des 19. Jahrhunderts- veranschaulicht am Familienleben und Werdegang einer Kaufmannsfamilie.
Thomas Mann schafft es zudem, durch das Gesamtwerk hindurch die Spannung aufrecht zu erhalten- nicht zuletzt durch geschicktes Einfließen von historischen Hintergrundinformationen, die die Familiengeschichte noch authentischer machen. Hinzu kommt auch, dass einem auf vielen Gebieten Einblick über die Verhältnisse des oberen Bürgertums in psychologischer und sozialer Hinsicht gewährt wird. Kurz: Man hat das Gefühl sich in die Zeit hineinversetzen zu können. Und nach einigen Gesprächen stand auch fest, dass Mann vielschichtige Charaktere einbringt, mit denen sich fast jeder identifizieren kann, oder zumindest die er sich gut vorstellen kann. Nicht zuletzt liegt das daran, dass der Spaß am Lesen dadurch gesteigert, dass Manns Fähigkeit wörtliche Rede in genau der Weise widerzugeben, wie wirklich gesprochen wird, einfach faszinierend und fesselnd wirkt.
Nach der Lektüre der „Buddenbrooks“ und „Der Tod in Venedig“ gehört Thomas Mann zu meinen Lieblingsschriftstellern.
 
H. Sondermann
Romanwerk als Zugang
Erstellt am 28.10.2007 14:16
Was gibt es über dieses Romanwerk, über das schon so viel gesagt und geschrieben wurde, ergänzend zuzufügen? Wahrscheinlich vor allem subjektive Eindrücke.
Ich habe darüber eigentlich nur zu berichten, dass ich, von meiner Jugendzeit an, immer ein Bewunderer des Mann´schen Werkes war. Ich habe immer die Sprache, die Figurgestaltung, die Komposition der Romane genossen und mich stets gefragt, wie man dieser Vielfalt und diesem Reichtum wohl am besten gerecht werden könnte. Auch wenn es darauf vielleicht keine universelle Antwort gibt, weil jeder eine andere Art von Anerkennung, Reaktion und Verstehen hat - so glaube ich doch meine persönliche Antwort gefunden zu haben: Thomas Mann hat mir mit seinen Essays, Reden, Aufrufen und natürlich mit seinen Romanen überhaupt erst "die Welt des Geistes" eröffnet: Durch ihn habe ich ein erstes Vernehmen Nietzsches, Schopenhauers, ja eigentlich von Philosophie überhaupt, ermöglicht bekommen. Gerne erinnere ich mich daran zurück, wie ich damals, zwanzigjährig, den "Zauberberg" mehrere Monate lang heiß und innig liebte, darüber hinaus zu Nietzsches Werken, zu "Die fröhliche Wissenschaft", "Menschliches, Allzumenschliches" kam und eigentlich bis heute nie davon los gekommen bin, Philosophie und Wissenschaft zu verfolgen. Es ist verrückt, wenn ich mir vorstelle, dass ich über Thomas Mann erst überhaupt meine spätere Lebensgestaltung erfuhr, meine Studienfächer plötzlich haargegnau feststanden und meine ganze berufliche Laufbahn davon beeinflusst wurde.
Daher habe ich Thomas Mann schlicht zu verdanken, zu mir gekommen zu sein, meine persönlichen Wertmaßstäbe, meine Auseinandersetzung mit Philosophie und Leben an sich durch sein Schaffen gegründet zu sehen. Ohne Thomas Mann wäre ich vielleicht nie da angekommen, wo ich heute bin und wo ich für mich zufrieden bin.
 
H. Sondermann
Romanwerk als Zugang
Erstellt am 31.10.2007 18:12
Was gibt es über dieses Romanwerk, über das schon so viel gesagt und geschrieben wurde, ergänzend zuzufügen? Wahrscheinlich vor allem subjektive Eindrücke.
Ich habe darüber eigentlich nur zu berichten, dass ich, von meiner Jugendzeit an, immer ein Bewunderer des Mann´schen Werkes war. Ich habe immer die Sprache, die Figurgestaltung, die Komposition der Romane genossen und mich stets gefragt, wie man dieser Vielfalt und diesem Reichtum wohl am besten gerecht werden könnte. Auch wenn es darauf vielleicht keine universelle Antwort gibt, weil jeder eine andere Art von Anerkennung, Reaktion und Verstehen hat - so glaube ich doch meine persönliche Antwort gefunden zu haben: Thomas Mann hat mir mit seinen Essays, Reden, Aufrufen und natürlich mit seinen Romanen überhaupt erst "die Welt des Geistes" eröffnet: Durch ihn habe ich ein erstes Vernehmen Nietzsches, Schopenhauers, ja eigentlich von Philosophie überhaupt, ermöglicht bekommen. Gerne erinnere ich mich daran zurück, wie ich damals, zwanzigjährig, den "Zauberberg" mehrere Monate lang heiß und innig liebte, darüber hinaus zu Nietzsches Werken, zu "Die fröhliche Wissenschaft", "Menschliches, Allzumenschliches" kam und eigentlich bis heute nie davon los gekommen bin, Philosophie und Wissenschaft zu verfolgen. Es ist verrückt, wenn ich mir vorstelle, dass ich über Thomas Mann erst überhaupt meine spätere Lebensgestaltung erfuhr, meine Studienfächer plötzlich haargegnau feststanden und meine ganze berufliche Laufbahn davon beeinflusst wurde.
Daher habe ich Thomas Mann schlicht zu verdanken, zu mir gekommen zu sein, meine persönlichen Wertmaßstäbe, meine Auseinandersetzung mit Philosophie und Leben an sich durch sein Schaffen gegründet zu sehen. Ohne Thomas Mann wäre ich vielleicht nie da angekommen, wo ich heute bin und wo ich für mich zufrieden bin.
Diese Worte sind mir sehr wichtig, da sie mir klar machen, was meinen Lebensweg bis zum jetzigen Zeitpunkt ausgemacht hat.
Ob nun "Der Zauberberg", den ich schon so früh in meinem Leben das erste Mal kennen gelernt habe oder andere Werke von Thomas Mann - jedes ist eine Art Erinnerungsstück an bestimmte Lebensabschnitte. Wie erst muss es da für den Künstler sein, der seine Werke kreirt? Wahrscheinlich, und das ahnt man vielleicht bei Thomas Mann am klarsten, handelt es sich in diesen Fällen nicht mehr schlicht um Erinnerungen, sondern geht es dabei um mehr.
 
Johannes Trost
Zauberberg
Erstellt am 01.11.2007 21:27
Der Zauberberg - Ein Klassiker würde es sein, das wusste ich ja schon vorher, aber seit der Lektüre weiss ich einmal mehr, was ein Buch zum Klassiker macht.
Es sind die unvergesslichen psychologischen Bilder. Der Irrweg von Hans Castorp im Schnee, über die Grenzen gehen zu wollen, das Risiko aufzunehmen, sich völlig zu verlieren, um dann doch wieder an den Ausgangspunkt zu geraten.
Oder das des Hans Castorp, der im Speisesaal unaufgefordert aufspringt, um mit dem Vorhang das blendende Sonnenlicht von Clawdia fernzuhalten, zur heimlichen Belustigung der Anwesenden. Wieder entsteht ein Bild, mit dem die enge Grenze, diesmal die des Anstandes, überschritten wird.
Nach der Lektüre beschäftigte ich mich mit dem Autor, kaufte mir einen Thomas Mann Kalender, besorgte mir in der Bibliothek die Biografie auf DVD, studierte sein Familienleben, besuchte in Zürich eine Ausstellung und fing an, mir seine Fotos an die Wand zu heften.
Was ist geschehen?
Ich erkannte einen Menschen, der mir aristokratisch, aufrecht und verschlossen begegnete. Ein einsamer Beobachter. Es ist nicht der Respekt, der mir die Faszination abrang, sondern die Erkenntnis meiner Ähnlichkeit mit diesem Menschen. So etwas spürt man (leider nur), sie sind nicht zu beschreiben, die feinen Risse, die das dicke Mauerwerk unfreiwillig durchziehen. Das macht den Klassiker aus.
 
marcel looden
Thomas Mann
Erstellt am 10.11.2007 16:49
Ich komme aus Holland und lese gerne deutsche Buecher. Deutsch lesen ist kein Problem, Deutsch schreiben ist schwieriger fuer mich. Und darum: bitte nicht zu laut lachen, wenn Ich ein Fehler mache!

Als sechszehnjaeriger Schueler, in meine Heimatstadt Winschoten, musste Ich ein Buch von Thomas Mann lesen. Ich waelte ein Teil der Joseph-Geschichte, weil Ich gerne historische Romane lese. Ich las, aber die Sprache war zu schwierig fuer mich. Diese lange Saetze, diese tiefe Gedanken, Ich verstand sie nicht. Das Lesen dieses Buches war ein 'Horror' fuer mich und seitdem war Thomas Mann ein geschlossenes Buch. Niemals mehr Thomas Mann!?
Theodor Storm las Ich damals schon und blieb Ich lesen, auch nach meine Schuljahren. Als ich erfuhr, dass Mann die Novellen von Storm auch sehr bewunderte, versuchte Ich es noch einmal mit Thomas. Kein Roman, o nein! Eine Erzaehlung waehlte ich. 'Unordnung und fruehes Leid'. Ich las und die Traenen kamen in meine Augen. Vom Lachen. Ich hatte noch niemals so gelacht beim Lesen eines Buches! Die Sprache fand ich diesen Mal, aelter und 'weiser' geworden, sehr schoen. Ich las auch andere Erzahlungen von Mann, ich las 'Buddenbrooks' und 'Krull' und jetzt ist Thomas Mann, neben Storm und Erich Kaestner mein meistgeliebter deutscher Schriftsteller. Seine Humor ist grandios, sein Deutsch auch. Und wissen Sie, was Ich Ende dieses Jahres, waehrend der Weihnachtferien tun werde? Ich setze mich mit 'Der Zauberberg' unter dem Baum und versuche dieses Buch. Und naechstes Jahr vielleicht eine seiner Tagebuecher. Und wenn Ich fast alles von Mann gelesen habe und ein Greis bin, dann nehme Ich die Joseph-Romane in meiner Hand. Meine Angst vor diesem Werk ist heute noch immer dar.

Marcel Looden
 
Maria Lusky
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
Erstellt am 27.11.2007 21:30
Ich saß im Zug nach Berlin und damit mir die mehrstündige fahrt nicht zu lang würde, las ich die „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Gerade las ich das Kapitel, in dem Felix Krull, ausgegeben als Marquis de Venosta, im Zug von Paris nach Lissabon die Bekanntschaft mit Professor Kuckuck, Museumsdirektor des naturhistorischen Museums in Lissabon, macht. Der Professor erzählt ihm von Dinosauriern und Pflanzen in seiner Ausstellung und erklärt, dass er gerade in Paris einige Skelettfragmente einer ausgestorbenen Art erwarb. Das Gespräch setzt sich lange fort und erstreckt sich von urzeitlichen Tieren und Menschen über Epochen der Urzeit bis hin zur Entstehung der Erde und verläuft sich in philosophischen Lebens- und Weltanschauungen.
Nachdem ich dieses und noch einige weitere Kapitel gelesen hatte, gönnte ich mir eine Pause von dem Buch und brauchte etwas weniger anspruchsvolles. Mein Blick fiel auf eines der Magazine, die in Zugabteilen verteilt sind. Ich blätterte es durch und gelangte zu einem Artikel über das naturhistorische Museum Berlins. Kürzlich waren neue Ausstellungen eröffnet worden, unter anderem über Dinosaurier!
Natürlich bin ich einige Tage später in das Museum gegangen und habe mir die Ausstellungen angesehen. Es ist immer wieder verblüffend, wie parallel Ereignisse, die man in einem Buch liest, zum eigenen Leben sein können!
 
christian Döring
lesebegegnungen
Erstellt am 12.02.2008 10:47
Über die Großartigkeit der Buddenbrooks brauche ich hier nicht zu schreiben. Jeder kennt sie und ist fasziniert von der längst vergangenen Zeit. Was mich als Norddeutschen und Platt dütsch snaker, immer wieder begeistert ist, das der Schriftsteller seitenweise auf Dialekt erzählen lässt und wohl jeder Bayer oder Sachse alles versteht. Auch deshalb stehen die Buddenbrooks, mit dem inzwischen ziemlich abgegriffenen Buchdeckel, im guten Bücherregal im Wohnzimmer. Seit einigen Tagen liest meine 17 jährige Tochter das Buch. Sie schwärmt wie ich davon. Mehr kann ich einen zeitlosen Dichter nicht rühmen.
 
Rene Hartinger
Beitrag zu "Königliche Hoheit"
Erstellt am 12.03.2008 23:23
<i>"Wer die Liebe kennt, kennt auch das Leben."</i>
(Aus dem Buch.)

Königliche Hoheit ist ein (übrigens auch ins Hörspiel gebrachter) Roman Thomas Manns. Er handelt in einem erdachten (und doch realistischen) Land, einem kleinen, friedlichen und stolzen Fürstentum irgendwo im Deutschsprachigen Raum. Oberster Repräsentant des Landes ist hier noch der (von allen geliebte) Landesfürst. In dieser imaginären Welt, das im Buch immer wieder als "unser kleines Land" bezeichnet wirderlebt man bei allen handelnden und vorkommenden Personen Ehrlichkeit und Lebensfreude, Standfestigkeit, Respekt und Anerkennung. "Äußere" Mißgeschicke und Probleme können die Harmonie in den Gedanken und Gemütern des Volkes, gewissermaßen also in der "Seele des Landes" nicht ernsthaft erschüttern. Kaum kommt es vor, dass man mehr als metaphorisch "besorgtes Stirnrunzeln" angesichts der zerrütteten Staatsfinanzen wahrnehmen kann. Kaum dass die Behinderung des Prinzen dessen Gemüt betrüben kann. Die Menschen kommen gut zurecht - miteinander und mit dem Leben.

So ist "Königliche Hoheit" ein erbauliches (- nicht naives -) letztlich ein Buch von einem erdachten, einem schönen Land - und letzten Endes auch von einer Harmonie, nach der man sich womöglich sehnte. Angesichts der Entstehungszeit (1903 bis 1909) könnte man hier womöglich eine Parallele schlagen zur Welt wie sie war und zur Welt, wie sie sein kann, wie man sie sich vielleicht wünscht, wie man sie niederschreibt. Aspekte sind hier eine Gesellschaft, die noch nicht von Dekadenz angegriffen ist; eine Monarchie, die das Wohl des Volkes im Sinne hat; ein Militär, das zur Ehre des Fürsten dient; das Selbstbewusstsein eines Volkes, das nicht auf Kriegstreiberei und auf Machtdemonstration beruht. Vieles davon war ja im damaligen Europa keine Seltenheit (man denke hier etwa an die damalige Zeitgeschichte oder (-als literarisches Dokument-) an die Dekadenz im Zauberberg).
 
Claudia Maric
Buddenbrooks
Erstellt am 13.03.2008 15:38
Bei uns zu Hause gab es keine Bücher, also musste ich mich auf die Leihbücherei beschränken und selbst damit gab es Probleme: "Die Leute meinen ja, du hast kein Zuhause, wenn du so oft dort bist." Die höhere Schule, in der viele Bekanntschaft mit Texten von Thomas Mann machten, blieb mir verwehrt, weil "du heiratest ja doch, du bist ein Mädchen". Nun gut, ich machte eine Ausbildung und später dann ein Volontariat. Schon in der Ausbildung habe ich immer einen gewissen Betrag für Bücher ausgegeben. Das ist bis heute so geblieben, mittlerweile sammeln sich hier über 4.000 Bücher, die alle gelesen sind. Das Buch "Buddenbrooks" gehörte mit zu einem der ersten, die ich mir gekauft habe. Es blieb aber beileibe nicht das letzte, das ich von Thomas Mann gelesen habe. Auch wenn es immer wieder heißt, das Bücher von Thomas Mann schwer zu lesen sind, ich kann dies nicht bestätigen, denn seit den Buddenbrooks gehört er zu meinen Lieblingsschriftstellern und das obwohl ich "nur"die Volksschule besucht habe. Vielleicht sollte man in Kampagnen Jugendlichen die Freude am Lesen vermitteln, wenn es sein muss, auch mit kostenlosen Exemplaren. Denn wie ich an mir selbst gemerkt habe, "Lesen macht nicht dümmer, ganz im Gegenteil". Ich würde mir wünschen, dass viel mehr - vor allem junge Leser - Thomas Mann, aber nicht nur ihn, kennenlernen.
 
Alexander theßeling
Erlebnis "Buddenbrooks"
Erstellt am 16.03.2008 17:00
Als Jugenlicher habe ich die mehrteilige Verfilmung der "Buddenbrooks" im Fernsehen gesehen und war von dieser Geschichte sehr faszieniert. Ich habe dann aber nicht dieses Buch, sondern die Novelle "Tod in Venedig" gelesen. Die sprachliche Kraft und diese wunderbare Sprache haben mich sofort in ihren Bann gezogen und so habe ich mich bald auch an Thomas Manns Erstling gewagt. Und seit vielen jahren begleitet mich nun dierses Werk durch mein Leben. Immer wieder berühren mich andere Personen. was wäre wohl gewesen, wenn Toni nicht Bebdix Grünlich sondern Morten, den Sohn des Lotsenkommandeurs geheiratet hätte. Aber auch "Der Zauberberg" und "Königliche Hoheit" nehme ich immer wieder gern zur Hand. Obwohl besonder der "Zauberberg" natülrich keine Lektüre für mal eben ist.
 
Maria Schmiegelt
Doktor Faustus
Erstellt am 27.03.2008 16:38
Tief berührt schließe ich den "Doktor Faustus", den ich soeben zu Ende gelesen habe.

Wie könnte ich angesichts so einzigartiger, unübertrefflicher Literatur einen Beitrag verfassen? Das ist mir gar nicht möglich!

Gibt es einen zweiten deutschen Autor, der wie Thomas Mann ein Kenner alles Menschlichen ist und dem Leser das gesamte Spektrum menschlicher Psyche zeigt, erklärt ...; bewegend, unterhaltend und bildend gleichermaßen und gleichzeitig!? --

Nach der Lektüre kommt es mir vor, als habe jemand einen Stein in trübes Wasser geworfen, und nun breiten sich die Wellen in Kreisen erhellend an der Wasseroberfläche aus ...

Will sagen: Thomas Manns Text scheint in mir weiterwirken zu wollen, und ich möchte ihn - um in Anlehnung an die im genannten Roman musikalischen Aspekte aufzunehmen: einfach in mir "klingen" lassen.

Das ist der "sound" des Thomas Mann. Man möchte ihn immer wieder lesen, die inneren Stimmungen immer wieder, immer wieder neu und anders erfahren.
 
Dr. Armin Zastrow
Von Fieberthermometern, Röntgenanlagen und vom Wesen der Zeit Teil I
Erstellt am 02.04.2008 20:36
Es dunkelt bereits, als ich unseren Wagen in die Tiefgarage lenke. Eher abwesend greife ich zur Fernbedienung, und das Tor öffnet sich langsam. Noch ein paar Meter, und der Wagen hat seine endgültige Parkposition erreicht. Wir sind zuhause. Ich schalte den Motor ab, lasse aber die Zündung an – damit der Cassettenrecorder weiterlaufen kann

Unsere 15-jährige auf dem Beifahrersitz ist noch in ihr Buch vertieft. Nach einigen Minute legt sie es zur Seite: „Warum steigen wir nicht aus?“

„ Pssst! Ruhe!!“ herrsche ich sie an. „Es ist gleich zuende!“

Wer jetzt meint, ich hätte verständlicherweise ungehalten reagiert, weil ich gerade eine Schlüsselszene in einem packenden Krimi verfolgte und befürchtete, bedeutsame Details zu versäumen, der irrt allerdings.

„Was ist denn los, Papa?“

„Ich bin schon fertig“ antworte ich, „ich wollte doch nur noch erfahren, welche Temperatur er gemessen hat!“ Und wir müssen beide schmunzeln, Rebekka und ich.

Kein Krimi also - sondern Thomas Manns akribische Beschreibung der ersten Fiebermessung seines Protagonisten Hans Castorp im „Zauberberg“. Genau an solchen Szenen könnte man den Vorwurf festmachen, Thomas Mann schreibe „langatmig“, vielleicht sogar langweilig“ oder „detailverliebt“, und es gibt sicher Leser, die das auch tun. Ich aber sehe das anders: Einem Schriftsteller, dem es gelingt, etwas so überaus Banales wie die Körpertemperaturmessung mit dem Quecksilber-Fieberthermometer unter der Zunge so spannend darzustellen, als sei es ein Krimi, den es hier zu erzählen gelte, dem kann man eine gehörige Portion an Genialität im Umgang mit dem „Werkstoff Sprache“ nicht absprechen. Nicht nur die Beschreibung des Messinstruments in allen seinen Einzelheiten, nicht nur die Schilderung des Messvorgangs an sich nebst allem, was sich in dieser kleinen Ewigkeit von sieben mal sechzig Sekunden im Kopf und im Herzen des „Patienten“ abspielt, sind es, die den Leser gefangen nehmen. Thomas Mann setzt zum Schluss noch einen drauf und zieht allein den Ablesevorgang dermaßen in die Länge, dass der Leser selbst zu fiebern beginnt, denn er will doch endlich erfahren, was Hans Castorp denn nun als Ergebnis seiner Messung herausbekommt.

(Teil II und Teil III folgen)



 
Christian Thurow
Die Buddenbrooks als Ausgangspunkt zur Endeckung der deutschen Literatur
Erstellt am 05.04.2008 10:51
Obwohl ich an einem regulärem Gymnasium Abitur gemacht habe und "Deutsch" als Abiturprüfungsfach hatte, bin tatsächlich 13 Schuljahre lang nicht mit Thomas Mann konfrontiert worden. Wir haben Schiller, Goethe, Eichendorff gelesen, sind dann aber zu Christa Wolff "hinübergesprungen". Mit zwanzig Jahren war ich dann zu Besuch bei meinen (jetzigen) Schwiegereltern. Leider hatte ich keine Leselektüre dabei, so dass ich mir ein Buch bei meinen Schwiegereltern ausgliehen habe. Meine Wahl viel damals auf die Buddenbrooks. Irgendwie war ich wohl der Meinung, dass man dieses Buch gelesen haben muss. Ich war von den ersten Seiten an gefesselt. Die Klarheit der Sprache, die Bilder die zum Leben erweckt werden. Einfach grandios. Die Buddenbrooks waren dann sozusagen mein Auftakt zur Endeckung der deutschen Literatur der ersten Hälfte des 20 Jh., die unverständlicherweise in hessischen Gymnasien ignoriert wird. Arthur Schnitzler, Stefan Zweig, Frank Wedekind, sie alle haben großartige Werke geschrieben. Doch an die Schönheit der Buddenbrooks kommen auch diese Autoren nicht heran. Meines Erachtens brauchen wir in Deutschland keinen Verein zur Rettung der deutschen Sprache, wir müssen uns auch keine Sorgen vor einer "Verenglischung" machen, wenn wir es schaffen, unsere Kinder zur Thomas Mann Lektüre zu verführen.
 
Dr. Armin Zastrow
Begegnungen eines Physikers mit dem Zauberberg: Teil I
Erstellt am 11.04.2008 16:57
Von Fieberthermometern, Röntgenanlagen und vom Wesen der Zeit:
Begegnungen eines Physikers mit dem Zauberberg

Teil I

Es dunkelt bereits, als ich unseren Wagen in die Tiefgarage lenke. Eher abwesend greife ich zur Fernbedienung, und das Tor öffnet sich langsam. Noch ein paar Meter, und der Wagen hat seine endgültige Parkposition erreicht. Wir sind zuhause. Ich schalte den Motor ab, lasse aber die Zündung an – damit der Cassettenrecorder weiterlaufen kann

Unsere 15-jährige auf dem Beifahrersitz ist noch in ihr Buch vertieft. Nach einigen Minute legt sie es zur Seite: „Warum steigen wir nicht aus?“

„ Pssst! Ruhe!!“ herrsche ich sie an. „Es ist gleich zuende!“

Wer jetzt meint, ich hätte verständlicherweise ungehalten reagiert, weil ich gerade eine Schlüsselszene in einem packenden Krimi verfolgte und befürchtete, bedeutsame Details zu versäumen, der irrt allerdings.

„Was ist denn los, Papa?“

„Ich bin schon fertig“ antworte ich, „ich wollte doch nur noch erfahren, welche Temperatur er gemessen hat!“ Und wir müssen beide schmunzeln, Rebekka und ich.

Kein Krimi also - sondern Thomas Manns akribische Beschreibung der ersten Fiebermessung seines Protagonisten Hans Castorp im „Zauberberg“. Genau an solchen Szenen könnte man den Vorwurf festmachen, Thomas Mann schreibe „langatmig“, vielleicht sogar „langweilig“ oder „detailverliebt“, und es gibt sicher Leser, die das auch tun. Ich aber sehe das anders: Einem Schriftsteller, dem es gelingt, etwas so überaus Banales wie die Körpertemperaturmessung mit dem Quecksilber-Fieberthermometer unter der Zunge so spannend darzustellen, als sei es ein Krimi, den es hier zu erzählen gelte, dem kann man eine gehörige Portion an Genialität im Umgang mit dem „Werkstoff Sprache“ nicht absprechen. Nicht nur die Beschreibung des Messinstruments in allen seinen Einzelheiten, nicht nur die Schilderung des Messvorgangs an sich nebst allem, was sich in dieser kleinen Ewigkeit von sieben mal sechzig Sekunden im Kopf und im Herzen des „Patienten“ abspielt, sind es, die den Leser gefangen nehmen. Thomas Mann setzt zum Schluss noch einen drauf und zieht allein den Ablesevorgang dermaßen in die Länge, dass der Leser selbst zu fiebern beginnt, denn er will doch endlich erfahren, was Hans Castorp denn nun als Ergebnis seiner Messung herausbekommt.

 
Dr. Armin Zastrow
Begegnungen eines Physikers mit dem Zauberberg: Teil II
Erstellt am 11.04.2008 17:01
Von Fieberthermometern, Röntgenanlagen und vom Wesen der Zeit:
Begegnungen eines Physikers mit dem Zauberberg

Teil II

„Siebenunddreißigkommasechs!“ erfährt der Leser endlich, so dass sich die Spannung löst. Und wenige Minuten später präsentiert Castorp diesen Wert auch, nicht ohne Stolz, seinem Vetter Joachim Ziemßen. Der aber glaubt ihm erst, nachdem er das Resultat selbst geprüft hat: „Siebenunddreißigkommafünfeinhalb“ korrigiert Joachim selbstbewusst. Und Castorp meint, fast schon enttäuscht: „Dann muss es wohl wieder gefallen sein!“ Und selbst in diesem kurzen, erheiternden Wortwechsel ist feinsinnige Mann’sche Ironie versteckt.

Ich weiß nicht, ob es in der Weltliteratur noch eine weitere so eindrucksvolle Schilderung eines nüchternen technischen Apparates, eines wissenschaftlich-technischen Vorgangs, einer gerätemedizinischen Untersuchung gibt, wie Thomas Manns Beschreibung der ersten gemeinsamen Röntgenuntersuchung von Hans Castorp und Joachim Ziemßen im „Zauberberg“. Hier besticht der Autor nicht nur durch eine für einen technischen Laien verblüffend präzise Beschreibung apparativer Details einer Röntgenanlage der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts – wobei es gar nicht darauf ankommt, ob und inwieweit alles immer fachlich korrekt ist. Nein, er lässt den ganzen Vorgang zu einem Erlebnis, ja zu einem Naturereignis ersten Ranges werden, wie sie zum Beispiel ein Erdbeben oder ein Vulkanausbruch, eine Sturmflut oder eine Sonnenfinsternis darstellen, einem Ereignis, dem der Leser nicht unbeteiligt gegenüberstehen kann: Entweder zieht er sich angstvoll zurück und sagt sich: Nein – so etwas werde ich niemals über mich ergehen lassen, oder in ihm entsteht der brennende Wunsch, dieses großartige Erlebnis zu seinem eigenen zu machen.

Dabei gelingt es Thomas Mann, drei Aspekte derselben Szene kunstvoll miteinander zu verflechten: Den technischen, den medizinischen und den religiös-philophisch-psychologischen. Dabei hat der Autor durch die dramatische Beschreibung der Umstände des „technischen Naturereignisses Röntgenuntersuchung“ geschickt die psychologische Seite, die Innenversion des Ganzen, vorbereitet: Dunkelheit und Lichteffekte, aber auch Geräusche und Lärm tauchen das Ganze in eine fast magische Atmosphäre, die den Patienten äußerlich und innerlich bis ins Tiefste erschüttert.

 
Dr. Armin Zastrow
Begegnungen eines Physikers mit dem Zauberberg: Teil III
Erstellt am 11.04.2008 17:03
Von Fieberthermometern, Röntgenanlagen und vom Wesen der Zeit:
Begegnungen eines Physikers mit dem Zauberberg

Teil III

Ich habe zwar während meines Physiker-Beruflebens so gut wie nie mit Röntgenstrahlung zu tun gehabt, schon gar nicht mit diesen alten Anlagen, aber an komplizierten physikalisch-technischen Apparaturen habe ich auch schon gearbeitet: Wenn der ganze Raum voller technischer Geräte steht, mit unzähligen Schaltern, Lämpchen, Anzeigeinstrumenten, dazu eine unübersichtliche Fülle von Steckern, Kabeln, Ventilen und Leitungen aller Art, umrahmt von der Geräuschkulisse der Vakuumpumpen, Netzgeräte, der Luft- und Wasserkühlungen und von vielem mehr. Daher kann ich die Gefühle von Hans Castorp gut nachvollziehen.

Kennen Sie noch diese Röntgen„Guckis“, auf die man sich gestellt hat und dann durch eine Öffnung etwa in Brusthöhe einen Blick nach unten auf die eigenen Füße, richtiger: auf die eigenen Fußknochen, werfen konnte – oder auf die Füße von Kindern, um zu sehen, ob die Schuhe richtig passen? Diese Geräte haben uns als Kinder damals schwer beeindruckt, und oft genug sind wir mehrfach, einfach zum Spaß, darauf gestanden und haben fasziniert unsere Fußknochen beobachtet – ungeachtet der uns und unseren Eltern damals nicht bewussten Gefahren, die von diesen Geräten ausgingen – bis sie dann später verboten wurden.

Hans Castorp ist jedenfalls tief beeindruckt, nicht allein von dem technischen Zauber, nicht nur von den fachkundigen medizinischen Erklärungen, die der Chefarzt des Sanatoriums, Hofrat Behrens, nicht müde wird, abzugeben, nein, vor allem von der „Live“-Beobachtung des eigenen Skeletts am fluoreszierenden Röntgenschirm. Das hat einerseits etwas Faszinierendes, etwas von „Wunder der Technik“, vermittelt einen Hauch von Forscherdrang und –erkenntnis, wohl auch vom „Wunder des Lebens“, gleichzeitig aber auch ein hohes Maß an Geheimisvollem, ja Unheimlichem, Zauberhaftem, Magischem, fast schon Dämonischem, so dass es den Leser nicht verwundert, dass Hans Castorp hier nicht nur pulsierendes menschliches Leben sondern vor allem auch die ganze Endlichkeit menschlichen Daseins wahrnimmt, eingeschlossen den Keim des Todes, der schon in jedem noch lebenden Menschen steckt, lange bevor es denn wirklich so weit ist. Ein Erlebnis, das ihn – und bis zu einem gewissen Grad auch den aufgeklärten Leser von heute, innerlich gefangen nimmt und aufwühlt.
 
Dr. Armin Zastrow
Begegnungen eines Physikers mit dem Zauberberg: Teil IV
Erstellt am 11.04.2008 17:06
Von Fieberthermometern, Röntgenanlagen und vom Wesen der Zeit:
Begegnungen eines Physikers mit dem Zauberberg

Teil IV

Und dann war da noch die Zeit – dieses für uns bis heute rätselhafte Phänomen, das wir zwar erfahren können, ganz intensiv erleben können, das es uns einerseits ermöglicht, uns andererseits aber auch zwingt, unser Leben zu strukturieren, das wir aber dennoch nicht verstanden zu haben glauben, wenngleich sich nicht nur Generationen von Philosophen sondern auch die großen Physiker daran versucht haben. Die Zeit, für die wir kein Sinnesorgan haben wie für den Raum, der durch Auge und Tastsinn zu erfassen ist, und die wir doch glauben, mit unseren Uhren messen zu können. Die Zeit, von der wir wissen, dass ein paar Sekunden, ein paar Minuten, unendlich lang sein können – und dass andererseits manchmal Monate, gar Jahre wie im Flug vergehen. Diese Zeit wird immer wieder andiskutiert auf dem „Zauberberg“, immer andere Facetten dieses Phänomens beleuchtet der Autor. Wäre es nicht das gleiche, ob die Zeit einfach stehen bliebe, oder ob jede Einheit der Zeit in fast ununterscheidbar ähnlicher Form wiederkehre? Jede Woche, jeder Tag, jede Stunde? Ewigkeit repräsentiert durch Periodizität! Nehmen die Kranken auf dem „Zauberberg“ die Zeit nicht allein deshalb ganz anders wahr, als die „anderen“, die Gesunden, unten im Flachland, die ihrer Beschäftigung nachgehen? Viele Fragen, wenige Antworten, aber ein hochinteressantes Thema, und viele tiefgehende Anregungen. Schon jetzt meinen höchsten Respekt, Thomas Mann, auch wenn ich den „Zauberberg“ bei weitem noch nicht zuende gelesen habe.

Armin Zastrow/11.04.08


 
Anna Richter
Granatapfel Zauberberg
Erstellt am 19.05.2008 23:43
Wie will man Leben? Nach der Lektüre des Zauberbergs, nur noch wie Hans Castorp, „in horizontaler Lage“, im überaus bequemen Liegestuhl studierend, sich von zwei großen Geistern bilden lassend, und wartend auf die Mahlzeiten um sie zu sehen. Nur so wird man noch Leben wollen. Der Welt der Arbeit entflohen, überhaupt der Welt entflohen, wartend auf das Faschingsfest. Settembrini würde das Buch wohl wenig schätzen. Mir hingegen bedeutet es viel, dieses Buch. „Eine ganze Welt.“ Mehr noch als unserem „unheldischen Helden“ das Lied „Am Brunnen vor dem Tore“, als Repräsentation des Flachlandes bedeutet. Es ist am Ende mit der Lektüre des Zauberbergs so wie mit diesem selbst, einmal in seinem Bann, kann man ihm nicht mehr entfliehen. Oder um es mit Settembrinis Worten zu sagen: „Götter und Sterbliche haben zuweilen das Schattenreich besucht und den Rückweg gefunden, aber die Unterirdischen wissen, dass wer von den Früchten ihres Reiches kostet, ihnen verfallen bleibt.“ Es ist diese Idee, des unverantwortungsvollen liederlichen Lebens, dass Settembrini wohl zu recht verurteilt, nach dem der Mensch aber verlangt. Wir müssen Acht geben dieser Sehnsucht nach dem Leben bei dem es nur „um Temperatur und nochmals Temperatur“ geht, nicht zu sehr zu verfallen, noch weniger im Flachland, sonst wird es ein übles Ende mit uns nehmen.
 
Sascha Todtner
Doktor Faustus oder der menschliche Übermut
Erstellt am 23.07.2008 22:22
"Faust-Motiv in der Literatur" - Ich als die Frage und war der glücklchste Mensch der Welt, meine Abiturfrage war Faust und ich liebte diese Thema über alles und ich begann zu erzählen, wurde gebetten nicht so ausschweifend zu erzählen, gelangte über das Volksbuch zu Lessinmgs Fragment zu Goethe und schlußendlich zu "Doktor Faustus" von Thomas Mann!

Naja, ich begann ganz kurz den Inhalt zu erzählen, erklärte den historischen Zusammenhang und führte das ganze mit der Biographie Manns zusammen um schlußendlich einen vergleich zwischen Goethe und Mann zu geben.

Als ich rausging empfand ich irgendwie ein Schuldgefühl - es hört sich sicher komisch an, aber ich empfand Schuld gegenüber dem großen Thomas Mann, sein Werk dermaßen zu kürzen, es zu vergleichen. Ich hatte es gewagt meinen Lieblingsautor mit dem Dichterfürsten zu vergleichen - ich hatte es mir angemaßt zu urteilen ...

Die Zeit verstrich langsam, sie ging nicht weiter und sie blieb nicht stehen - aber ich spürte keinen Fortschritt, nein, ich wartete während sich hinter verschlossenen Türen das Lehrerkollgeium beriet. Und ich war schuldig - ich war schuldig, von mir verurteilt zum Schuldig fühlen ...

Und langsam öffnet sich die Tür, als würde es einem Werk Manns entspringen trat mein Lehrer vor die Tür und bat mich mit einer freundlichen Geste hinein um mir dann mit strengen Blicke das alles entscheidende meine Zukunft bestimmende Ergebnis zu verkünden:
"Gewagt, gewagt!" antwortete er "einen Goethe mit einem Menn zu vergleichen, erfordert Mut und Wissen. Sie haben diese Herausfordeung angenommen und sie bravös bestanden. Meinen Glückwunsch!"

Irgendwie konnte ich es nicht fassen, ich war doch nur ein Schüler, ein Schüler der es sich angemaßt hatte Meister der deutschen Literatur zu beurteilen, sie zu vergleichen ...

Schuldig? Nein, ich muss sagen, irgendwie war es ein komisches Gefühl, als hätte man einen Fehler gemacht und doch gestehe ich Ihnen jetzt und hier, ich fühle mich nicht merh schuldig ...
Ich habe meine freie Zeit bis jetzt in Bücher investiert und keines hat mich dermaßen berührt wie Manns "Doktor Faustus", keines hat mich dermaßen nachdenklich gestimmt wie diese Buch, keines hat mir so zum Erfolg verholfen wie dieses und hat mir soviele schlaflose Nächte bescherrt wie das Buch Manns...
Und doch will ich keinen dieser Momente hergeben - es ist als hätte mich dieses Buch "gezähmt"
 
j.w.aarents
Wälsungenblut
Erstellt am 08.08.2009 14:04
Es war in der Mengstrasze, wo ich Die Erzählungen kaufte, wo die Manns ihre Geschäfte führten.
Hat Thomas Mann auch seinen Groszvater und Ur-Groszvater im Gedanken gehabt oder nur das Werk Richard Wagners wenn er die Wälsungen schrieb?
Damals in Lübeck war ich auf der Suche nach die Manns, die Grosseltern. Auf dem Weg zum Friedhof sagte die alte Dame die wir nach diesen Weg fragten: "Sind sie Mann-Schw:armer?" Diese unartige Frage hätte der Anlasz zu einer Anzeige sein können. So weit ist es -gottlob- nicht gekommen, sonst wäre ich in eine Erzählung geraten, worüber ich jetzt nicht schreiben möchte!
Also zurück zur Geschichte der Zwillinge Siegmund und Sieglinde oder soll ich sagen Klaus und Katia? Nein! Dann wäre doch von Beckenrath Thomas Mann gewesen. Unmöglich: Beckenrath wurde in der ursprünglichen Fassung der Novelle von Siegmund als Hörnentrager angedeutet! Dennoch war es für Alfred Pringsheim deutlich dass sein Schwiegersohn -der er erst seit einigen Monaten war!- beim herausgeben der Novelle die Familie kompromittieren sollte. Da hatte er natürlich recht! Vieles ist darüber bgeschrieben und ungeschrieben!
Was mir eigentlich am meisten interessiert ist: was war der Anlasz zur Entstehung dieser Erzählung?
Erstens natürlich die Passion Wagners die Thomas Manns Leben durchzog (seinen eigenen Worte). Dann kann es sein, weil er durch seine Heirat erstmals in seinem Leben mit Zwillinge konfrontiert wurde, dasz so seine Gedanken zur Walküre entstanden und darauf die geniale Idee DSiegmund und Sieglinde als Zuschauer der Walküre zu machen. Das T.M. die Verhältnisse im 'Palais'in der Münchener Arcisstrasze vollbenützt hat ist logisch, das Bärenfell in der Bibliothek war natürlich bgefundenes Fressen!

Aber lesen Sie diese schöne Erzählung ohne all diese Gedanken. Das gefällt mir am Besten!
 
Wolfgang Stadlmueller-Woltmershausen
Wut
Erstellt am 22.03.2010 18:53
Damals war ich meiner Lehrerin schrecklich böse. Sie hatte Thomas Manns Werke als langatmig, unlesbar und langweilig bezeichnet! Und das mitten in einer Zeit, in der ich genau vom Gegenteil zutiefst überzeugt war. Mit aller Macht wollte ich dagegen angehen, dass eine Lehrerin ihr Urteil derart einseitig mitteilt und dadurch viele Schülerinnen und Schüler davon abhält, Thomas Mann überhaupt kennen zu lernen! Ich fand es geradezu unverantwortlich. Finde ich übrigens auch heute immer noch.
Aber heute ist mir klar, dass Thomas Mann wohl die Geister spaltet. Und heute werde ich nicht mehr so fanatisch und konsequent. Heute bin ich mir dessen bewusst, dass diese Lehrerin unheimlich viel verpasst hat: unglaublich intelligente Romane und Erzählungen und Essays - und die Berufung ihres Berufs. Nämlich junge Menschen zu begeistern. Eigentlich egal, für was. Es muss nicht Thomas Mann sein.