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Thema: Literarische Anlehnungen an Thomas Mann
Anton Stephanus Reyntjes
Schwiegermutterberg
Erstellt am 31.05.2005 16:10
"Hej, waa liest'n?"
- obwohl ich sie anschmusen will, anständig, wo wir 80 Schritt vom Berg runter sind - links zu den Buden geht... - mit Bernsteinkettchen!
Liest: „Titel noch unbekannt! Hältste aus? Sollste mal raten!
„In Nidden - Kurischen Nehrung, steht 'Thoms Hütte' - schwingt dichterische Phantasie ihre Flügel. - auf dem Berg, - über das Kurische ... - weiß abgegrenzt Fenster und Türen - man denkt an unsere -.“
*
Weibchen! Toniajaja! Ich rück scharf an ihren dünnen Rücken. Sie schiebt meine Hände weg von der Brust!
„Nix da!“
„Was nu? - Denn?“
„Zuhören! Wonnilein-Tonilein! Und nachdenken! Und raten!“ - „Eben! "Sollst ja auch kapieren, von wem das ist...!“
„Gutte, hörrre zue gannnze onnne Errrroticis!“
Na, da - sie liest weiter: „Wieder Orignal, ja? Capito, Stephano -
*
„ - in das Arbeitszimmer -... - Blick in den Wald, die Wände orange -, die Möbel in rosa - . Auf dem Schreibtisch ... . - das Ruhebett, - Rauchtischchen. - Aschbecher. - einige - meistens Ägyptologie. ... - bevorzugter Dostojewski 'Die Brüder -'. - Nehrungsmotive, - aus dem Künstlernest -.
- auf dem Hang, - Zigarette nehmen', sagt der Dichter und reicht mir Papyros und ... - meine Geburts - zu ungeahnter Größe aus', sagt Thomas... - Hanno ist kein von mir, - allerintimste Erlebnisse -.“ - Und Hofstedde... - bewahrt', antwortet -.'“
*
Knistert mir. Ich greife nach den Blättern, die sie mir -. Hat sie an sich -. Am Busen -! Verbotene Zone, subito! -
Agnete! Äh, Tonia!“
*
„Und - springt über zu Goethe. ' - ihm im Goethe-Jahr nicht allein als Bürger, - in der Aula der Uni - 'Goethe als Schriftsteller'. - demnächst erscheinen.'
... - auf Dehmel - zu sprechen. '- erste Anregung' - ...- seinen Namen? Das ist wundervoll.'
'Bis - wird gearbeitet', - gemütlich wie zwei Junggesellen.
...- litauischer Schriftsteller nach Kaunas ... - bat - über Probleme der Literatur zu sprechen.'“
*
"Und... - von Nidden entgegenfährt.“
*
Tonia! - Erst ... - im Kuschelbett! Nach Dinnerchen - dich beschmusen, dass es in ihr stöhnt – darf ich - Woher -?
Auf der Rückseite: "Hamburger Fremdenblatt. 14.8.1932. Nr. 225 Morgenausgabe." - Stempel: T.-M.-Archiv der ETH Zürich. ZH 2042 a.
*
Na, wache du auf. Hoffentlich vor dem Gegenlicht!
 
Stephanie Drissen-Langen
Gemeinsame Lektüre
Erstellt am 31.05.2005 16:13
Dein Leseleib, von heitrer Lust betaut,
gleitend' Augenspiel auf wimpriger Seidenhaut,

deiner Schultern holdes Kuppelrund,
schnüffelnde Nas', murmelnder Mund,

die atmende Brust, lockender Sterne zart,
der süßgetränkte Bücherkart,

meiner Weide ruhelose Hände,
g'schmeid'ger Rücken, atmender Ruhebauch,
schöne Hüft' und schnuppe Lende,
der Arme Wonnedruck, der Schenkel Blust,
des Liegesfleisches kühle Moppellust,

und, von dem allen gierig aufgebracht,
gerettet das Lesezeug in sacrer Nacht,

das man sich voll Entzücken zeigt,
einand' in alle Himmel geigt ‑

und dies und das und hier und da,
ich weiß es ja! Ich weiß es ja:

Ich geb Dir Zeit zum Leben,
gönn Dir Zeit in meinem Lesen
- zu tausend nächsten Zeiten -
in seinen, in meinen Seiten.
 
Anton Stephanus Reyntjes
Am T.M.-Haus: der Schwiegermutterberg
Erstellt am 10.06.2005 10:37
Auf dem Schwiegermutterberg

„Enigma - haste das noch drauf, als Katja Mann sich entschlossen, unbewaffnet, aber mutig wie gegen vermutliche Gestapo-Heinis lebens-nötig, sich an die auftauchenden Männers wandte: „Was wünschen Sie hier?“
„Ja, Töneke, weiß ich. Willstet nomal hörn?“
„Aber nur hochdeutsch-lich, original&originell!“
„Nu, äh, nun – warum denn nicht: Hört ja keiner zu. - Das sagten die Fremden also zu K. und T.M. - und meinem mithörenden Männe:
„Mais, Madame, nous sommes les journalistes belges, nous avons entendu votre mari à Bruxelles et nous voulons un petit interview.“
Mausepause.
„Huh-unn-huch! Vollständig so - Enigma...? Sag doch! Aber kuck dich nicht um!“
„Welch’ sympathisch nächst-liegende Frage hier am Schwiegermuttibergel!“
„Und warum heißt das hier so, das Kleingeberge?“
„Gestern Abend noch! Weißte doch! Ich habe mich erinnert (ja, es versucht!), ich habe gesucht (aber nix gefindet!), habe rumgefragt (aber da kenn' ich nur einen, den ich z. Zt. nicht ansprechen kann: Wüste, Haff, Berg oder „Goldene Düne“): Da weiß ich also nix! Ich habe es früher - und ein bisselchen auch noch heute - für eine litauische Selbstverständlichkeit gehalten.“
„Soll ich Dir's verklären..., bergliche Hoheit?“
„Na -?“
"Stell dir das geschrieben vor. So:"
[Forts. Folgt.]
 
Anton Stephanus Reyntjes
Schwiegermutterberg Zwo
Erstellt am 10.06.2005 10:42
[Forts.: Teil zwo (von zwei):]

Am Schwiegermutterberg, oberhalb Nidden, unterhalb des T.M.-Hauses:

Irgendwer muss irgendwem da auf der Höhe dieses Berges gesagt haben:
"Schau, da kommt die Schwiegermutter! Wollen wir uns nicht im Heidetraut - äh: Heidekraut! - verstecken?"
"No-nein!", sagte das Mädchen.
"Ach, komm, mach! Zier dich nicht so!"
"Ich hab mein Sonntagskleidchen an! Haste gar noch nicht g'sehn!"
"Ich ja auch! Äh - natürlich kein Kleidchen! Wie find'ste denn die alte Jacke zu der noch ältern Hose? - Mhm?"
"K. K.!"
"Heißt? - Achja: ka' Kommentar."
"Deshalb zieh' ich's auch aus, was ich anhab' - und leg dir's hin. So vor dich hin!"
(Er macht's breitärmelig vor - und will ihr unter den Rock schun, äh: schaun!)
"Steh schon auf. Quatsch' doch nich'! Da, ich seh' sie auch! Und -"
(Sie reckt sich.)
"Das ist noch lange nicht d e i n e Schwiegermutter, nur, weil es meine Mutter ist! - Da musst du dich noch viel besser benehmen lernen. Auch im Heidekraut!"
(Sie grinst.)
"Erst recht da! - Aber ich kann schon mal vorgehen. Und du kuckst ganz sensibel, ob meine Schwie- äh, meine Mutter den Berg hochkommt. Die wollte nämlich Heidelbeeren pflücken gehen."
"Äh, da - da, habe ich keine Chance, wie ich sehe... - da - bleibt sie stehn?"
"Wenn du dich nicht ganz dumm anstellst - dann gehe ich dahin vor, wo keine Heidelbeeren wachsen. Aber das hätte ich dir nicht verraten sollen."
"Hab' ich auch gar nicht gehört!"
"Was hass g'sagt? - hej - ich hab' nix verstanden, was ge -"
"Ich hab' g’sagt -!"
"Wenn’s gezz nix gesagt hätt'st! - Äh, wa?! Da hätt' ich nix antiworten könn' - Dummstrauch, du! Duselbeerenkruppsel. Abba komm! Mama hat die Kurve genommen! Die geht zurück zum Blode. Holt sich wieder ihren löblichen Eiskaffee -"
„Na, hab ich nicht wegen der guten "Rundumsicht", die früher größer war, wenn man das Alter der Bäume runterrechnet - und wie es T. M. selber beschreibt: ...wegen der ‚großidyllischen Umschau...’ – ja, recht son bisserlchen?"
"Lies mir das später vor. Im Original. -"
"Unn gezz...?"

 
Norbert
ER ist mir erschienen I
Erstellt am 14.07.2005 11:30
ER ist mit erschienen

Liebe Mitbewunderer des unumstrittenen Meisters der einzig wahren Schreibkunst.

Wie der Überschrift unschwer zu entnehmen ist, wurde mir eine schier unglaubliche Gnade zuteil. Er ist mir erschienen.
Zwar ist mir bewusst, dass es einigen kritischen Besuchern dieses außergewöhnlichen Forums nur schwerlich gelingen wird meinen Beitrag den von mir erhofften Glauben zuschenken, jedoch hoffe ich, dass einige, die wirklich an die Präsenz des Geistes Thomas Manns in unsere Gesellschaft, der Gesellschaft seiner Erben, glauben, von der Wahrheit meiner Worte durch meine Schilderung überzeugt werden und somit teilhaben an der großen Freude, die ich seit diesem erleuchtenden Moment verspüren darf.
Es geschah wie folgt:
In der Nacht zum 30.06., als ganz Deutschland von tosenden Gewitterstürmen überrascht wurde, lag ich, von einer schweren Mittelohrentzündung, die mit starken Fieber einher ging, danieder geschmettert, auf meinen Kissen. Ich hatte mir gerade frisch aufgewärmte Zwiebelwickel, zwecks Linderung der Schmerzen, aufgelegt und kehrte zurück auf mein Krankenlager. Ich lag also danieder und meine Schläfen pochten unter dem pulsierenden Druck des Fiebers, weswegen mir die Aussicht auf einen genesenden Schlaf versagt blieb. Ich fasste den Entschluss aufzustehen und mir eine Schmerztablette zu besorgen. Beim Aufsetzen fiel der Zwiebelwickel auf den Boden, ich bückte mich, das Blut rauschte in meine gepeinigten Ohren, ich ergriff den Wickel, hob meinen Blick und sah IHN.
Halb mit der Dunkelheit des düsteren Zimmers verschmolzen, nur beleuchtet von dem schimmernden weichen Licht der passierenden PKW, das durch die schweren Gardinen meines Schlafzimmerfensters fiel, saß Er da, auf einem kleinen Schemel, dessen grobverleimte Beine lange Schatten warfen. Sein glühender Blick ruhte auf mir, oh liebe Freunde, er schien mich zu durchdringen, in die tiefsten Tiefen meiner Seele zu blicken und ich fühlte mich furchtbar nackt und bloß vor ihm, dem größten Künstler seines Faches.
„Norbert, du unwürdige Existenz! Warum begrüßt du nicht deinen Meister?!“ Tränen stiegen mir, ob der Ehre in die Augen, dass Er meinen Namen wusste. Jeglicher Fassung beraubt, sank ich wortlos vor ihm, dem mächtigen Meister, auf die Knie. Der Zauber des Augenblicks hielt mich in einem Maße gefangen, dass ich mich zu keiner Handlung mehr fähig sah, außer solcher, auf Ihn zuzukriechen, seine blanken Schuhe zu küssen und mich seiner strahlenden Nähe zu laben.
 
Norbert
Er ist mir erschienen II
Erstellt am 14.07.2005 11:31
Und wie ich so da kniete, erhob Er wieder seine Stimme und sprach: „An deiner gerechten Unterwürfigkeit erkenne ich, dass du dessen würdig bist, was ich für deinen mir zugeneigten und dieser Aufgabe von mir als würdig befundenen Geiste ausersehen habe.“ Dann brach urplötzlich mein Schlafzimmerfenster, welches dem Sturme wohl nicht mehr standhalten konnte, auf und der peitschende Regen durchnässte den alten Perser sowie mein Bücherregal, in welchem selbstverständlich vorwiegend Bücher des Meisters zufinden sind. Der Wind schien in meinem beengten Zimmer gefangen zu sein. Er blies die Vorhänge zu wahren Segeln auf und lies die Notizen, die auf meinem Schreibtisch lagen, hilflos durch die Luft wirbeln. Dann tat es einen gewaltigen Schlag, der den Trance ähnlichen Zustand, in dem ich mich befand durchbrach und mich schmerzhaft zusammenfahren lies. Doch dies war noch nicht das Ende dieses einnehmenden Szenarios, welches sich mir bot. Auf den Schlag folgte ein Splittern und ich duckte mich instinktiv, um mich vor den herabfallenden Scherben meiner soeben zersprungenen Fensterscheibe zuschützen. Als ich wieder aufsah, war der Meister mit dem Schemel verschwunden.
Verblüfft bemerkte ich, wie die Bruchstücke des kalten Glases, die neben mir lagen, begannen zu bluten. Dunkelrot und dickflüssig quoll der Saft aus den Kanten der Scherben und bildete kleine Pfützen auf dem Boden. Zutiefst erschrocken zuckte ich zurück, doch schon war auch meine linke Hand mit der ich mich neben den Scherben abgestützt hatte, Blut überströmt... Langsam, wie von seinem Geiste geführt, hob ich sie und presste sie an mein rasendes Herz und da fühlte ich Ihn Geist ganz deutlich bei mir. Dann fiel ich plötzlich in den, vor kaum zehn Minuten noch heiß ersehnten Schlaf. Als sich das Dunkel in meinem Kopfe lichtete und ich mich aufsetzte, fühlte ich meinen Körper von einer enormen Energie durchflossen und alle Krankheit schien von mir gewichen. Doch das einzige, was an den nächtlichen Besuch, an die große Gnade erinnerte, war der rote Abdruck meiner Hand auf der Weste meines Schlafanzuges.
Hiermit endet mein Bericht...
Norbert
 
Julian Dindas
Vision eines Gefühls Teil 1
Erstellt am 31.10.2005 17:04
Vision eines Gefühles

Wie mir meine Ideen sich entwickeln und die Verblaßten in die graue Leere des Unbewußten hinabgleiten, will es mir unwahrscheinlich sein, dass ich noch immer wache. Allein ich weiß, dass ich schon träume. Die feuchte Frühjahrsluft umfängt meine Seele und trägt sie zum geschlossenen Fenster, durch dass das Licht des blauen Himmels mein Zimmer mit wohliger Wärme bescheint. Wie ich aus dem Fenster schaue verlangsamt sich mein Herz, doch ist es meine Phantasie, mein Gefühl, welche sich nun beschleunigen. Die körperlich weißen Wolken betrachtend kam mir eine Idee, ein Phantom nichts weiter, welches jedoch in mir ein Gefühl erregten, für das jeder Mensch Sorge trägt, das er es mit Bestimmtheit erfährt: Die Verliebtheit.
Meine Hände übertrugen einen leichten Druck auf den Fensterstock, während ich durch das Selbige hinaus zu den, sich vor mir wandelnden Wolken schaute. Langsam, aber mit Bestimmtheit entstand das Antlitz, welches Quelle der Verliebtheit war.
Die Augenkonturen waren Löcher zum Himmel, zur Unendlichkeit in der sich mein träumendes Ich verlor.
Die Verlorenheit, normalerweise ein Zustand der Angst und Verschreckung, war hier etwas Liebreizendes was man mit größter Wonne genoß und dessen jähes Ende nur der Beginn der Erschauung der ganzen Gestalt ist.
So sah ich sie nun ganz vor mir, nichts Wolkenhaftes war mehr an ihr, außer ihrer engelhaften Leichtigkeit, die mich, meinen Körper vergessen machend, zu sich hinauf zog, in ein Glück, dass über der Erde schwebend, nur uns beide zuließ.
Wäre jemand zu mir gekommen, ihm wäre es nicht leicht gefallen, wenn nicht gar unmöglich, meine Aufmerksam auf ihn hinab zu richten, So versunken stand ich da, alles vergessend, aber mehr gewinnend, als dort auf Erden.

 
JUlian Dindas
Vision eines Gefühles Teil 2
Erstellt am 31.10.2005 17:06
Ich tanzte mit meiner Lieben. Jeder hätte von diesem Orte aus, den fernen Blick genossen, aber wozu auf die Erde hinab sehen? wenn der Himmel über mir liegt.
Als mein Ausflug in die Phantasie endete und ich mich schweren, aber zu tiefst glücklichen Herzens in meinem Zimmer wiederfand war kaum ein Moment vergangen, als gäbe es für die Phantasie keinen Begriff von der Zeit. Die Erinnerung an das phantastisch Erlebte war mir seltsam verschleiert, einem Träume gleich, halb bewußt, aber ein Gefühl blieb mir deutlich zurück: Die Gewißheit.
Gewißheit hatte ich nun, und wie ich mich, feuchte Frühlingsluft einatmend, berauscht durch das Zimmer bewege drängt sie in mein Bewußtsein: Ich bin verliebt!


In Teilen Inspiriert durch Thomas Mann: Vision -Prosa Skizze-
 
Dagmar Wiencke
Der Tod in Venedig
Erstellt am 08.04.2006 12:48
Abendrot (25.10.2005)

Das Meer, leicht gekräuselt
Kein Hauch, nur rote Glut am Horizont
Windstille; ein Schiff geht vor Anker
Tazio malt im Sand.
 
Christian Platten
Aus dem Zauberberg wurde der Methusalemberg...
Erstellt am 01.03.2008 09:58
Erstes Kapitel
Der Fußstapfentreter

Einige Enthusiasten werden mit poetischen Erwartungen in das durch den „Zauberberg“-Roman berühmt gewordene Davos gefahren sein, um dort dann eine Enttäuschung erlebt zu haben.
Die Höhenklinik Valbella oberhalb von Davos-Dorf, deren Vorgängerinstitution der Schriftsteller Thomas Mann als Kulisse seines Zauberberges wählte, wurde mittlerweile eben nach diesem Roman in „Haus Berghof“ umgetauft und ist jetzt alles in allem ein großes Altenheim.
Das ist natürlich ein ganz besonders unengagierter Begriff, und wem daran gelegen ist – dem Heimleiter und Verwaltungsdirektor Udo Schwitters etwa – der findet schönere, engagiertere Bezeichnungen, die nicht einmal geradewegs gelogen sein müssen. Es ist ja auch in der Tat kein ganz gewöhnliches Altenheim, sondern setzt seine langjährige Tradition fort, indem es immer noch gewissermaßen ein Sanatorium ist, eine Heilanstalt mit teilweise internationalen Gästen und ausgezeichnetem Ruf. Die Krankheit, die dort kuriert wird, ist allerdings nichts anderes als das Alter mit all seinen lästigen Erscheinungen, und die Patienten halten sich auch selten für befristete Kuren auf, sondern in der Regel dauerhaft. Selten verlässt einer das Schein-Sanatorium geheilt, die meisten tun es wohlversiegelt in Särgen.
Die Bewohner von Davos nennen das große Altenheim-Sanatorium über sich in Anlehnung an den Zauberberg gelegentlich auch den Alten- oder den Methusalemberg.
Christoph Franken stand fern von irgendwelchen grellen oder poetischen Erwartungen und Enthusiasmen, als er im Spätsommer des Jahres 2006 an einem Dienstagnachmittag in Davos-Dorf ausstieg. Er kannte den „Zauberberg“ nicht und ebenso wenig seinen berühmten Vorgänger Hans Castorp, von dem die kunstvoll erzählte Sage geht, dass er an der selben Stelle knapp hundert Jahre vorher angekommen sei.
Sein Vorgänger – ? In der Tat, beinahe kann man ihn so nennen. Das heißt, nicht nur beinahe kann, sondern bestimmt muss man ihn als einen solchen kennzeichnen, denn seine Geschichte ist ja eine Nachfolge und Fußstapfentreterei in vielerlei merkwürdigen, in eine großzügige Weite und raunende Tiefe reichenden Hinsichten, von denen hier allerdings noch keine Rechenschaft ablegt werden kann. Denn dies Ablegen von Rechenschaften ist ein viel späterer Teil der Erziehung, die an Christoph Franken geübt wurde.
(...)

- Ausschnitt aus meinem letzten Roman


 
Andreas Schumacher
Der Zauberberg in sieben Strophen
Erstellt am 09.12.2008 00:48
DER ZAUBERBERG IN SIEBEN STROPHEN


Hans Castorp, ein einfacher Schiffsbaustudent,
besucht, von der Heimatstadt Hamburg getrennt,
im «Berghof» (Davos) einen kranken Verwandten.
Er selbst ist gesund, hat von allen bekannten

Erkrankungen keine, wenngleich Anämie
einst festgestellt wurde als Anomalie.
Hans Castorp verliebt sich in Clawdia Chauchat,
die Glastüren zuwirft, ihr Mann ist nicht da.

Er fuhr auf drei Wochen. «Man fühlt ja hier oben
die Zeit gänzlich anders, man scheint ihr enthoben.»
erklärt ihm sein Vetter MARIA MANCINI -
HANS CASTORPS ZIGARRE*, doch Herr Settembrini

beschwört ihn, den «Berghof» sofort zu verlassen.
Die Ärzte (Krokowski und Behrens) verpassen
ihm gleich mal paar Kuren. Er solle auch messen.
Das tut er dann täglich, verstärkt nach dem Essen:

Nachdem er beim Essen wie immer Chauchat sah,
steht freilich auch immer ein bisschen zu viel da.
Hans Castorp verlängert. Es philosophieren:
Herr Naphta und S. (die sich dann duellieren).

Hans Castorp fängt an dicke Bücher zu lesen,
besucht Moribunde, bewundert das Wesen
von Pepperkorn, Clawdias erkranktem Gemahl,
der irgendwann auftaucht und aushaucht. Die Zahl

der Toten steigt ständig. Joachim, der Vetter
stirbt auch. Sieben Jahre bleibt Castorp, ach hätt er ...
Hans Castorp betreut den Musikapparat.
Am Schluss bricht der Krieg aus, H.C. wird Soldat.