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Thema: Thomas Manns Meinung zur Verfilmung des Felix Krulls
 
Carsten Schlich
Thomas Manns Meinung zur Verfilmung des Felix Krulls
Erstellt am 16.02.2013 14:51
Im Rahmen einer Seminararbeit beschäftige ich mich mit paratextuellen Elementen bezüglich der "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" und der 1957 erschienen Verfilmung durch Kurt Hoffmann, an welcher Erika Mann mitgewirkt hat. Da ich durch eine vorherige Hausarbeit schon mit diesem Roman in Berührung kam, blieb mir die Information im Kopfe stecken, dass Thomas Mann eine filmische Realisierung des Romans "Felix Krull" nicht unbedingt befürwortete bzw. sie als nicht wirklich durchführbar hielt. Ich meinte, diese Information in den Selbstkommentaren Thomas Manns zu "Felix Krull" gelesen zu haben, konnte sie jedoch nun nicht mehr finden.

Weiß jemand, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege und wo ich diese Informationen finden könnte?

Mit besten Grüßen,
Carsten
 
Dr. Thaddeus Toad
TM Verfilmungen
Erstellt am 21.02.2013 01:14
Mir ist keine derartige Äusserung Thomas Manns über die Verfilmbarkeit des “Felix Krull” bekannt. Thomas Mann hat sich aber in einem Brief vom 21. 2. 1923 an Ernst Bertram kritisch-sarkastisch über die erste Buddenbrooks-Verfilmung von Gerhard Lamprecht geäussert: der habe aus dem Roman ein“strohdummes und sentimentales Kino-Drama“ gezimmert. Ähnlich auch in dem Essay „Über den Film“ (1928), wo er pessimistisch über eine mögliche Verfilmung des „Zauberberg“ schreibt, aber hinsichtlich des Romans „Königliche Hoheit“ optimistisch ist: „Das ist leicht und sollte gelingen.“

[Dies und mehr finden Sie in „Dichter über ihre Dichtungen – Thomas Mann“, Band I.]

Hans Rudolf Vaget hat Thomas Manns Verhältnis zu Hollywood im Detail beschrieben, auch dessen missglückte Versuche, selbst Filmskripte zu verfassen. Thomas Manns Verhältnis zum Film war aber keineswegs negativ. Er hätte seine Romane gerne auf der Leinwand gesehen und damit noch einmal viel Geld verdient.

[Hierzu siehe Vagets „Thomas Mann der Amerikaner“, Kapitel „Hollywood und das ‚Movie-Gesindel’“, besonders den Abschnitt über „Wer auf den Film baut, baut auf Satans Erbarmen.“]

Dass Thomas Mann kein Kenner und Connoisseur klassischer und gehobener Filmkunst war, sondern lieber „Bambie“ sah und sich an Marlon Brandos „prachtvollem Torso“ ergötzte, beschreibt Peter Zander in der „Welt“: http://www.welt.de/kultur/article688180/Thomas-Mann-mochte-besonders-Bambi.html

Von Peter Zander stammt das Standardwerk „Thomas Mann im Kino“.

Dr. Thaddeus Toad