Forum bei Thomas Mann
Autor
Thema: Thomas Manns „spielerische Wissenschaft”
 
Jacob Schechter
Zitat zum Joseph-Roman
Erstellt am 19.03.2012 21:10
In Vito Victor: „Translating Thomas Mann“, The Iowa Review, Vol 34, No. 3 (Winter 2003/2004), pp. 138-148, habe ich folgenden Satz gefunden, der sich auf die ersten beiden Seiten des Vorspiels „Höllenfahrt” im 1. Band der Joseph-Romane bezieht:

»[I]t is an invocation, an incantation to Joseph, and gives the writer, composing it, that surge of self-admiration, those passionate yet mischievous giggles that will cause him to write, later, to a friend, that he has never enjoyed work as much as this “work of playful science,” as he calls his biblical epic, alluding, almost certainly, to Nietzsche’s “joyful wisdom,” which is, in turn …«

Woher kommt das Zitat “work of playful science,” und wie lautet es im Original bei Thomas Mann?
 
Wulf Rehder
“Work of playful science” – ein Zitat?
Erstellt am 21.03.2012 05:47
“Work of playful science” habe ich auf Deutsch bei TM nicht gefunden. Aber es gibt Ähnliches in seinen Briefen.

Humoristisch-pseudowissenschaftlich:

TM an Erika („Liebes Erikind“) vom 23. XII. 1926: „Der Joseph wächst Blatt für Blatt, wenn es vorläufig auch nur eine Art von essayistischer oder humoristisch-pseudowissenschaftlicher Fundamentlegung ist, womit ich mich amüsiere. Denn Spaß macht mir die Sache mehr, als je etwas anderes.“

Mammut-Spaß:

Brief an Karl Kerényi vom 9.9.1938: „Es wird doch merkwürdig und erfreulich sein, wenn dieser Mammut-Spaß einmal fertig vorliegt. Es scheint, das eigentlich Merkwürdige und Erfreuliche ist der Tod. Denn immer strebt und verlangt man, fertig zu werden und merkt nicht, dass man im Grunde nach dem Fertig sein und nach dem Tode strebt.“

Im Brief an Agnes Meyer vom 14.5 1942: „Die Arbeit am Joseph macht mir jetzt solchen Spaß, daß ich immer kaum den nächsten Vormittag erwarten kann. Der Band wird gegen das Ende hin immer lockerer, dramatischer, märchenhafter und amüsanter, was gut ist für den Leser.“

Aus seinem Essay/Vortrag „Joseph und seine Brüder“ von1942:

„Die erörternde Rede, die schriftstellerische Einschaltung braucht nicht aus der Kunst zu fallen, sie kann ein Bestandteil davon, selber ein Kunstmittel sein. [...] Die Erörterung gehört hier zum Spiel, sie ist eigentlich nicht die Rede des Autors, sondern die des Werkes selbst, sie ist in seine Sprachsphäre aufgenommen, ist indirekt, eine Stil- und Scherzrede, ein Beitrag zur Schein-Genauigkeit, der Persiflage sehr nahe und jedenfalls der Ironie: denn das Wissenschaftliche, angewandt auf das ganz Unwissenschaftliche und Märchenhafte ist pure Ironie.“