Forum bei Thomas Mann
Autor
Thema: Doppelleben
 
Peter Herrmann
Zitat Thomas Mann
Erstellt am 09.06.2011 16:29
Aus welcher Quelle stammt das folgende Zitat von Th. Mann:
'für die Dauer ist keinn Dopelleben möglich, um in Harmonie mit sich selbst zu sein, paßt der Mensch notgedrungen seine Gedanken dem äußeren Verhalten an, zu dem die Gewalt ihm zwingt' ?
Peter Herrmann
 
Wulf Rehder
Zitat aus "Vom kommenden Sieg der Demokratie"
Erstellt am 11.06.2011 01:06
Das Zitat ist, mit ganz kleinen Änderungen, Teil des folgenden Absatzes:

„Ich nannte die Demokratie zeitlos-menschlich und ihren heute so sieghaft auftretenden Gegener, den Faschismus, eine Zeiterscheinung. Ich vergesse dabei nicht, daß auch er tiefe und vielleicht unzerstörbare Wurzeln im Menschlichen hat; denn sein Wesen ist die Gewalt. An sie, die physische und geistige Vergewaltigung, glaubt er, sie praktiziert er, sie liebt, ehrt und verherrlicht er, sie ist für ihn nicht erst die ultima, sondern die prima ratio, - und wir wissen nur zu gut, daß die Gewalt ein ebenso menschlich-unsterbliches Prinzip ist wie ihr Gegenteil, der Gedanke des Rechtes: sie ist das unerbittlich Tatsachen schaffende Prinzip, sie kann alles oder fast alles; nachdem sie sich durch Angst die Körper unterworfen, unterwirft sie sich sogar die Gedanken - denn der Mensch kann auf die Dauer kein Doppelleben führen; um in Harmonie mit sich selber zu sein, paßt er notgedrungen seine Gedanken dem äußeren Verhalten an, zu dem die Gewalt ihn zwingt.“

Dieser Passus stammt aus dem Vortrag „Vom kommenden Sieg der Demokratie“ (manchmal auch „Vom zukünftigen Sieg der Demokratie“). Man findet den Text im Band 11 der Gesammelten Werke, im Essayband „An die gesittete Welt“ (Frankfurter Ausgabe, de Mendelssohn), oder im 4. Band der Essays 1933-1938 „Achtung, Europa!“ (Kurzke, Stachorski).

Wulf Rehder