Forum bei Thomas Mann
Autor
Thema: Brauche Hilfe: Kunstbegriff des Protagonisten in Thomas Mann "Tonio Kröger"
 
JCH
Tonio Kröger
Erstellt am 05.06.2011 17:50
Ich soll den Kunstbegriff des Protagonisten in Thomas Mann "Tonio Kröger" beurteilen... Könnte mir jmd. helfen ich verstehe die Frage nicht wirklich... und weiß deshalb nicht wie ich darauf antworten soll...
 
Wulf Rehder
Kunst und Leben bei TK
Erstellt am 07.06.2011 05:59
„Tonio Kröger“ liest sich wie eine Programmschrift, wo die Antithese „Kunst“ versus „Leben“ holzschnittartig in etlichen Variationen wiederholt wird. Am deutlichsten wird der Gegensatz in Tonios Gespräch mit Lisaweta. Ein Künstler dürfe nicht mitempfinden: „Jeder echte und aufrichtige Künstler lächelt über die Naivität dieses Pfuscher-Irrtums, – melancholisch vielleicht, aber er lächelt. Denn das, was man sagt, darf ja niemals die Hauptsache sein, sondern nur das an und für sich gleichgültige Material, aus dem das ästhetische Gebilde in spielender und gelassener Überlegenheit zusammenzusetzen ist. Liegt Ihnen zu viel an dem, was Sie zu sagen haben, schlägt Ihr Herz zu warm dafür, so können Sie eines vollständigen Fiaskos sicher sein. Sie werden pathetisch, Sie werden sentimental, etwas Schwerfälliges, Täppisch-Ernstes, Unbeherrschtes, Unironisches, Ungewürztes, Langweiliges, Banales entsteht unter Ihren Händen (...); künstlerisch sind bloß die Gereiztheiten und kalten Ekstasen unseres verdorbenen, unseres artistischen Nervensystems. (...) Begabung für Stil, Form und Ausdruck setzt bereits dies kühle und wählerische Verhältnis zum Menschlichen, ja, eine gewisse menschliche Verarmung und Verödung voraus. Denn das gesunde und starke Gefühl, dabei bleibt es, hat keinen Geschmack. Es ist aus mit dem Künstler, sobald er Mensch wird und zu empfinden beginnt.“

Als Tonio sich trotzdem nach dem Warm-Menschlichen sehnt, den „Wonnen der Gewöhnlichkeit“, nennt Lisaweta ihn einen „verirrten Bürger“. Tonio stimmt zu: »Ich danke Ihnen, Lisaweta Iwanowna; nun kann ich getrost nach Hause gehn. Ich bin erledigt.«

Am Ende bleibt Tonio kühl, ironisch, gespalten: „Ich stehe zwischen zwei Welten, bin in keiner daheim und habe es infolgedessen ein wenig schwer.“

Wulf Rehder
 
Mulde
Bravourös
Erstellt am 29.11.2017 02:28
Ich sinne gerade über den Begriff "Kunst" an sich nach und stoße auf Rehders Eintrag: Bravourös!