Forum bei Thomas Mann
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Thema: Breloers Buddenbrooks-Film
 
H.-P.Haack
Bei Fackelschein auf dem unterweltlichen Styx
Erstellt am 06.01.2009 23:24


Mit einem hohen Aufwand an Kunst ist die Begegnung Thomas Buddenbrooks mit Gerda Arnoldsen in Bilder gesetzt. Sie lebt in Amsterdam und ist eine Geigenvirtuosin, ohne dass sie ihre Begabung zum Beruf gemacht hätte. Amsterdam ist zu dieser Zeit eine Stadt des Welthandels. Die Schiffe der Lübecker Kaufleute, so stellt es der Film dar, befahren nur die Ostsee. Die nächtliche Kahnfahrt in Amsterdam zum Haus des Vaters von Gerda Arnoldsen spielt mythisch auf den unterweltlichen Styx an. Diese düstere Einstimmung ist eine filmische Lizenz Breloers, denn im Roman ist von einer Bootsfahrt, dazu durch Dunkelheit, keine Rede. Der Feuerschein der Fackel, die dem stakenden Fährmann leuchtet, wird vom Wasser der Gracht reflektiert und gibt der prächtigen Hausfassade eine magische Illumination. In Gerda Arnoldsen erkennt Thomas Buddenbrook seine künftige Gattin. Sie spielt auf ihrer Stradivari, die Wange an das Instrument geschmiegt und sieht Thomas mit wissendem, kaum merklichem Lächeln an. Die tradierte Buddenbrooks-Interpretation deutet die rätselhafte und fremd bleibende Gerda Buddenbrook als eine Art Todesengel, der Lübeck wieder verlässt, nachdem Thomas und ihr gemeinsamer Sohn gestorben sind. Der erste Blickkontakt der Geige spielenden Gerda Arnoldsen mit Thomas Buddenbrook lässt Assoziationen aufkommen zu dem Selbstporträt Arnold Böcklins mit dem fiedelnden Tod. (-> http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arnold_Boecklin-fiedelnder_Tod.jpg)