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Thema: Das Hermes-Motiv in Felix Krull
 
Maik Landwehr
Das Hermes-Motiv in Felix Krull
Erstellt am 21.02.2007 23:02
Hallo,
in den kommenden 4 Wochen muss ich eine Facharbeit im Fach Deutsch anfertigen. Ich besuche zur Zeit die 12. Klasse des Wirtschaftsgymnasiums in Cloppenburg. Mein Thema für die Facharbeit lautet:
Das Hermes-Motiv als Beispiel mythologischer Bezüge in dem Roman "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull".
Kann mir dabei vielleicht jemand nützliche Tipps und Anregungen geben?
Mit freundlichen Grüßen
Maik Landwehr
 
H.-P. Haack
RE: Das Hermes-Motiv in Felix Krull
Erstellt am 23.02.2007 18:08
Hermes taucht ab Zweites Buch, sechstes Kapitel auf. Mehr verrate ich nicht.
 
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Hermes
Erstellt am 23.02.2007 21:40
Ist nicht schon früher davon die Rede, dass Krull Patem Schimmelpreester Portrait sitzt und dies in griechischem Ambiente als Gott. Wobei ich nicht weiß, ob er Hermes war oder eher Bacchus, denn das Gemälde Schimmelpreesters war für ein Mainzer Weinhaus.

Übrigens lässt der antike Bildhauer Phidias grüßen

CSS
 
Maik Landwehr
Hermes taucht ab Zweites Buch, sechstes Kapitel auf
Erstellt am 25.02.2007 17:58
Zitat: "Hermes taucht ab Zweites Buch, sechstes Kapitel auf. Mehr verrate ich nicht."
1. Warum wollen sie denn nicht mehr verraten?
2. Taucht Hermes nicht schon früher auf?
- Hermes ist unter anderem der Gott der Dieb oder? Krull verhält sich doch schon in seiner Kindheit wie ein Dieb.
- Ebendso wird Krull doch schon früh als von der Gestallt her "perfekter" Junge beschrieben. Dies trifft doch auch auf Hermes zu. Diese "perfekte" Beschreibung Krulls hat Thomas Mann zudem erst sehr viel später eingefügt und geändert.
- Hermes ist zudem ein Wanderer zwischen den Welten. Zum einen als Götterbote und zum anderen als Psychopompos. Krull ist auch in gewisser Weise ein Wanderer zwischen dem Sein und Schein, oder auch zwischen der realen Welt und der eigenen Welt
Dies sind nur einige Eigenschaften des Hermes, die auf Krull zutreffen und zwar nicht erst ab dem zweiten Buch. Dort wird Hermes das erste Mal wörtlich genannt, es lassen sich allerdings doch schon vorher Paralellen zwischen Hermes und Krull finden.

Mit freundlichen Grüßen
Maik Landwehr
 
H.-P. Haack
Hermes
Erstellt am 03.03.2007 07:17
Hallo Maik,

gebe Dir in allem recht. Doch stellen sich diese Zuschreibungen erst im Rückblick ein, nachdem der Leser die Kapitel gelesen hat, die in der zweiten Arbeitsphase entstanden sind.

Am 17.10.1954 schrieb T. M. an Max Rycher:

"Hermetische Stilisierung lag ursprünglich garnicht in meinen bewußten Absichten; es war eigentlich nur wieder eine Verkleidung und Parodie des Künstlertums, die ich [im] Sinn hatte, und erst bei der späteren Fortsetzung war es dann - mehr die Nähe des "Joseph", als "Der Tod in Venedig", die solche mythologischen Assoziationen hineinbrachte."

Ebenfalls am 17.10.1954 schreibt T. M. an Fritz Martini: "[...] dieser moderne Hermes [...]".

Alle guten Grüße - H.-P. Haack