Forum bei Thomas Mann
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Thema: Der Erwählte
 
duska
HILFE
Erstellt am 17.01.2007 21:05
Hay ! ich wollte euch bitten mir ein paar tipps zu geben zu meinem Referatthema: rhetorische Mittel und inhaltliche Unerschiede zwischen Thomas Manns Der ERwählte und Hartmann von Aues Gregorius ! ich wäre über jede Hilfe dankbar.
 
Duska
Erwählte
Erstellt am 19.01.2007 21:45
ich war soeben im thomas mann forum und habe verweifelt nach möglichen interpretationen und erklärungen zu „ der erwählte „ gesucht. ich vermute, die Legende ist nicht so bekannt wie seine übrigen großen Werke. Meine Mitschülerin und ich müssen ein Referat halten über die stilistischen und inhaltlichen unterschiede zwischen dieser Neuverfassung und Hartmann von Aues Gregorius. Besprochen haben wir beides, dennoch verstehe ich seine Absicht nicht. Will Tomas Mann etwa eine humoristische, zynische, krische Fassung des Werkes schreiben? Weshalb verwendet er Fremdsprachige Einschübe( latein, altfranzösisch, englisch ) ? Warum behauptet er im Prolog der Geist der Erzählung zu sein, und muss immer wieder sein Leben als unwichtiger Mönch erwähnen? Weshalb kritisiert er Kirchenspaltung, Päpste und verändert den Inhalt beim „Disput“ und den Charakter der „ Magd“ bei der Offenbarung ? Gregorius wird „mit Kraft der Reue jegliche Sünde vergeben“, in beiden Werken. Jedoch lässt Thomas Mann seinen Erzähler zum schluss seines Werkes erklären „ freilich ist es klug, im sünder den erwählten zu ahnen, und klug ist es auch für den sünder selbst „ . also soll gregorius schon gewusst haben dass ihn etwas „ zu hohen Flügen „ tragen wird ?meiner ansicht nach kommt das im buch selbst aber überhaupt nicht zur Deutung. ( ?)

ich würde mich wirklich sehr über eine Antwort von ihnen freuen, und es wäre mit wahrlich eine enorme Hilfe,
liebe grüsse,

duska cvjetkovic

 
hellwach
Analogien mit Joseph
Erstellt am 20.01.2007 17:55
Viel kann ich dir nicht helfen hier. Sicher ist es sehr humorvoll gemeint. Die Fremdwörter erinnern mich an den "Ernährer" und das Erwähltsein natürlich an den Joseph, der es ja auch allen prophezeite. Sicher ist auch hier gemeint, dass Gregorius seine Besonderheit kannte und darauf stolz war. Weitere "Erwählte" sind auch der Krull und trotz allem auch der Leverkühn.
 
H.-P.Haack
RE: Der Erwählte
Erstellt am 08.03.2007 06:32

Hallo Duska,

meine Antwort kommt wahrscheinlich zu spät. Trotzdem.

[1] Thomas Mann hat eine humorvolle Fassung des Ödipus-Mythos geschaffen.

[2] Lateinische, altfranzösische, englische Worte: Ich vermute, um sich nicht auf ein bestimmtes europäisches Land festzulegen, um geographisch übergreifend zu bleiben.

[3] Der Geist der Erzählung: Kann hier auch nur vermuten. T. M. hat sich wiederholt sinngemäß geäußert, dass das Kunstwerk sich selbst verwirklicht, dass es über das Medium des Künstlers in die Welt tritt. Vom „Eigenwillen des Kunstwerkes gesprochen“ hat T. M. gesprochen. Näheres über T. M.s Kunstauffassung in meinem Aufsatz: www.haack-leipzig.de. Der Mönch könnte die Personifizierung, eine Art Allegorie dieses „Eigenwillens“ sein.

[3] Große Sünde – große Heiligkeit. Das ist ein wiederkehrendes Motiv bei T. M. Frömmigkeit bemesse sich nach dem Sündenpotential des Betreffenden. Mit anderen Worten: Wer als Sünder übertreibt, wird in der Reue auch bis zum Äußersten gehen.

Werde mich ab jetzt bessern und Hilfe suchenden Schülern gleich antworten. Bin ein älterer Herr und Ruheständler, der Zeit für die nachwachsende Generation hat.

H.-P.Haack