Forum bei Thomas Mann
Autor
Thema: Der Tod in Venedig
 
H.-P.Haack, Leipzig
Eröffnungseintrag
Erstellt am 16.07.2006 10:03
Die „Tragödie einer Entwürdigung“ hatte Th. Mann den“ Tod in Venedig“ im „Lebensabriss“ genannt. Sprachlich erreichen Entschiedenheit und persönliche Prägnanz des Tonfalls hier eine Vollendung, die von Th. Mann nicht wieder überboten worden ist. Die mythologische Tiefenperspektive, die Unterteilung in 5 Kapitel analog den 5 Akten der griechischen Tragödie, der zeitweilig antikisierende Sprachrhythmus (eingangs des 4. Kapitels) geben der Novelle das Gepräge von Klassizität. Es dürfte sich hier um die beste deutsche Prosa handeln, die im 20ten Jahrhundert geschrieben worden ist.

 
Hadrianus
RE: Der Tod in Venedig
Erstellt am 16.07.2006 10:46
ich würde gar noch weiter gehen, und mit fester entschiedenheit sagen, dass wir in 'Der Tod in Venedig' eines der wertvollsten deutschsprachigen Prosastücke überhaupt sehen können nicht nur die brillante Form ist da entscheidend, sondern eine bis ins allerkleinste detail sensibilisierte Sprache und ein fast neu entworfener, neu geschaffener stil Thomas Manns der stark an eine antik mythische verkündigung erinnern lässt und welch ein göttlicher zufall das diese novelle den abschluss der decadence und des verfalles in Thomas Manns werk darstellt...
 
Langmann Redivius
Lobheiten
Erstellt am 21.06.2007 14:41
... als Antiwort zum Mitdenkeln, Herr Hadrianus. ein "E-Brieflein in die Nacht" blinder Panegyrik:

„Mein Sohn, sey mit Lust bey den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, daß wir bey Nacht ruhig schlafen können.“

Entweder ist etwas Menschengemachtes "göttlich", dann sei es einmalig, heilig, wichtigst - oder es ist "Zufall" - dann ist es ein "Nihil", ein Unflat, ein Nichts, ein Beliebiges...