Forum bei Thomas Mann
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Thema: Der Zauberberg-Spiegel der Zeitgeschichte?
 
Akira
Zauberberg Spiegel der Zeitgeschichte
Erstellt am 22.06.2007 19:22
Spiegelt der Roman "Der Zauberberg" die Zeitgeschichte in der er entstand wider- bzw. inwieweit spiegelt Thomas Mann die Zeitgeschichte im Roman "Der Zauberberg" im politischen Sinne wider?
 
Simon
RE: Der Zauberberg-Spiegel der Zeitgeschichte?
Erstellt am 04.07.2007 12:34
Die Gesellschaft ist krank – analog zur Belegschaft des Zauberbergs- , aber in Krankheit liegt die Chance der Erkenntnis, dass der „Mensch mehr ist als blosse Physis“. Rohrmoser beleuchtet hier aus neuer Perspektive seine an anderer Stelle deutlich ausgesprochene Warnung vor der kränkenden „Totalökonomisierung des Menschen“ im globalisierenden Weltwirtschaftsgeschehen. Letzteres sieht er zwar als gegeben und unaufhaltbar, - was er aber den Deutschen vorwirft, ist ihr Hang zur „Selbstabschaffung“ im Rahmen dieser Prozesse.

Wir verlieren in Deutschland unsere eigene Position: Wer ausser Geld nichts mehr sieht, hat keinen Inhalt. Und eine Gesellschaft ohne inhaltliche Position ist ideologieanfällig. Und an dieser Stelle wird die Aktualität und Übertragbarkeit von Thomas Mann's Position als „Diagnostiker des deutschen Bürgertums“ von Rohrmoser zwingend hergestellt: Auch Weimar hatte zu einem Identifikationsverlust der bürgerlichen Gesellschaft geführt. Der Rattenfänger Hitler hatte auch von daher leichteres Spiel.

Wenn der Philosoph Günter Rohrmoser sich an Thomas Manns „Zauberberg“ und „Dr. Faustus“ macht, dann kann man sicher sein, dass dabei am Ende keine literaturästhetische Betrachtung herauskommt. Rohrmoser zwingt den Leser auch in seiner neuesten Publikation in die Konfrontation mit der Gegenwart, d.h. dem Zustand der bürgerlichen deutschen Gesellschaft heute.
Wenn der Leser anhand des Mann'schen „Flachland“-Begriffs in das geistige Flachland bundesbürgerlicher Realität geleitet wird, so darf er sich überlegen, ob dies für ihn genüsslich oder peinlich wird, ob „hohles Schweigen“ oder „Langeweile“ ihn bereits ergriffen haben.

Dietrich Gondosch
Buchbesprechung

Günter Rohrmoser: "Dekadenz und Apokalypse
Thomas Mann als Diagnostiker des deutschen Bürgertums"
http://www.gfk-web.de/inhalt/rezensionen/051020.html
 
Metin
Was soll diese Frage ?
Erstellt am 08.08.2007 20:32
Ich will keineswegs anklagen, dass hier im Forum allgemeine und vielseitige Fragen zu Thomas Mann bzw. zu seinem Werk gestellt werden, aber:
Zu fragen, ob (ÜBERHAUPT) ein politischer Hintergrund im "Zauberberg" besteht, ist für mich der Frage gleichwertig: Besteht ein Sinn hinter schriftstellerischem oder dichterischem Ausdruck? - oder anders und etwas platter ausgedrückt: Hat sich Thomas Mann überhaupt etwas gedacht, wenn er schrieb?
Ich würde mir wünschen, dass die Fragen hier etwas gezielter gestellt würden, schließlich, so denke ich, kann man schon voraussetzen, dass ein gewisses Interesse besteht (und also ein Minimum an Vorwissen), wenn eine so spezielle Internetseite besucht wird...