Forum bei Thomas Mann
Autor
Thema: Deutschland und die Deutschen
 
Student
Grundaussage der Rede
Erstellt am 11.01.2011 21:03
Hallo,

ich muss mich mit der Rede anlässlich des 70. Geburtstags Thomas Manns "Deutschland und die Deutschen" von 1845 beschäftigen.
Allerdings fehlt mir ein Interpretationsansatz; also die Grundaussage des Textes. Kann mir jemand vielleicht einen Zugang dazu liefern?
 
Wulf Rehder
Thema der TM Rede DudD
Erstellt am 13.01.2011 03:19
Vorschlag: DudD ist ein “Psychologischer Versuch” der Erklärung des “Bösen aus dem Guten“, nämlich der Nazizeit aus der deutschen Innerlichkeit, d. h. der Romantik und Reformation Luthers (jener „Grosstat deutscher Innerlichkeit“). Deshalb lässt sich ein gutes Deutschland nicht von einem bösen, fehlgegangenen, trennen. Vor allem wollte sich TM selbst nicht als Repräsentant des guten Deutschland „im weissem Kleid“ darstellen – er kenne beides und habe „alles am eigenen Leibe erfahren.“ (Brief an von Molo, 7.9. 1945.) Eine (Er)lösung sieht TM in der „sozialen Weltreform” und in der Gnade: „Zuletzt ist das deutsche Unglück nur das Paradigma der Tragik des Menschseins überhaupt. Der Gnade, deren Deutschland so dringend bedarf, bedürfen wir alle.“ Siehe auch die Theologiediskussion und vor allem den letzten Satz des Faustus. [Alle Zitate von TM]

Vielleicht ist interessant, dass das Gegenstück dieser Rede, der Aufsatz „Von deutscher Republik“ (1922), die Romantik (Novalis) positiv als „Intellektualismus und Sehnsucht“ darstellte. Dort ist dann Demokratie, vermittelt durch die Erotik Whitmans, eine Art Lösung.

Die Komposition von DudD fällt mit dem Schreiben des Doktor Faustus zusammen, insbesondere Adrians Gespräch mit dem Teufel im Kapitel 25. TM bezeichnet die DudD Rede als „Ableger des Romans“ (Brief an Agnes E. Meyer v. 11.4.1945.)

DudD war ein Balanceakt. „Ich versuche mich darin gleich weit von patriotischer Apologie wie von unwürdiger Verleugnung zu halten.“ (Brief an Otto Bader vom 11.4.1945.) Der Rede folgten in der deutschen Presse unfreundliche Artikel über Exil und Verteidigungen der „inneren Emigration“ von Thiess und von Molo.

Wulf Rehder