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Thema: Die erhabene Liebe zur Kunst
 
G.v.C.
Gedanken über die Trnszendenz
Erstellt am 10.11.2005 19:47
Das wir auf das Du gewechselt haben ist leicht zu verstehen denn wer hatt es denn nötig in elende Formalismen sich zu verirren.
Deine Einträge sind durchaus sehenswert, aus poetischer sowie philosophischer Sicht. Im Übrigen spicht es für unsere Plauderei dass wir es geschafft haben einen dritten davon zu überzeugen dass die von uns ausgewählte Thematik eine ansehnliche Frische besitzt, auch wenn ich Ihm den Scherz mit den Namen etwas übel nehme...
Auch für den Fall dass die Transzendenz in einer beliebigen form existiert bzw. ist wird es uns nie - möge jeder das Nie nach seinem Ermessen betonen - gelingen sie zu begreifen, denn sobald dieses der Fall wäre sie ihren Gehalt, ihre aus dem Begriff entstandene Meinung, verlieren würde. Sie wäre nicht mehr transzendent!
Lassen wir dieses jedoch außer acht muss zwangsläufig eine unbegreiffliche Mystik in der Kunst endeckt werden. Diese entbehrt sich bei leibe jeglicher Vernunft, jeglicher Auffassung und du bekommst recht in deinen behauptungen.
Musik lässt sich nach unserem maßstab nicht ermessen, sie scheint tatsächlich transzendent zu sein, in einer andere Sphäre zu schweben. Aber ist das wirklich war? Wer vermag es denn zu sagen? Die Antwort wäre umso lästiger weil sie dem Traumhaften, ähnlich einem grausigen Peiniger, ihre Schöne entziehen würde.
 
G.v.C.
Von idealistischer Metaphysik
Erstellt am 10.11.2005 20:03
Was mir an deiner Argumentation nicht gut dünkt ist die schlichte Tatsache dass du sie sehr dogmatisch auswählst. Du gehst oft von Selbstverständlichkeiten aus und begründest sie mit dem Glauben. Mag auch richtig sein, ich weiß es nicht, doch solltest du dich bemühen deine Philosophie auf diese wirkliche Welt zu beziehen. Wenn du sagst allein durch die Annahme einer Idealistischen Metaphysik würde aus grauer Theorie ein goldener Baum werden so kann ich dir nicht folgen und es bedarf hier einer weiteren Erklärung...
Gebe mir bitte keine Schuld für diese Fragen denn sehr wohl sehe ich den unerklärlichen Inhalt deiner Reden doch das Sokratsche in mir trieb mich förmlich nach diesen Sätzen.
 
G.v.C.
Die stillen Nachtstunden
Erstellt am 10.11.2005 20:25
Kennst du diese Nachtstunden wenn draußen eine milde Dunkelheit auf den gefallenen Herbstblättern liegt, wenn still, leise Winde durch dunkle Gassen wiegen, wenn einzig das erhabene Gefühl der Einsamkeit sich mit stiller Melancholie vermischt und dem schwachen Menschenherz Tränen abzwingt?
Wie treibt dann das Verlangen zu der Noctourne welche sanft unsre Sinne umflügelt, zu dem Buch welches der Zauberer vor einem Jahrhundert schrieb, zu dieser lieblichen Novelle und dann zu einem entfernten Traum...
In der Luft schweben langsam die Wölkchen der angezündeten Zigarre, tragen fort manch' Erinnerung und bringen Vergessen, ruhiges Vergessen.
Ach, bitte verzeih mir dass in dem Augenblick wenn Chopin aufgehört hat und Siegmund seiner süßen Schwester den letzten Satz zuflüstert meine Erinnerung sachte sich meldet und vor meinem Auge das Bild einer Susette oder einer Wilhelmine zeichnet. Wie ein stechender Schrei erschreckt mich dann meine Schwäche und ich muss wieder warten das die Sonne untergeht, eine neue Herbstnacht anbricht, Chopin seine Melodie beginnt, der Zauberer mich wieder vergessen macht und meine Wölkchen beginnen zu schweben, höher und höher...
 
G.v.C.
Die unsauberen Küchen
Erstellt am 10.11.2005 20:39
Auch wenn mir sein Scherz mit den Namen mißfallen hat, muß ich dem Kerl recht geben dass die Küche immerwieder schmutzig wird. Heute habe ich mich bemüht sie gewissenhaft zu rheinigen und nach Augenblicken bereitet mir ihre schmutzige Anwesenheit ein unbehagliches Gefühl. Wir waschen und schrubben so unnermüdlich um zu sehen wie diese verdammte Küche schmutzig wird...
Doch können wir aufhören, können wir aufhören zu putzen, können wir mit der regelrechten Sucht zur Erkenntnis aufhören? Wohl nicht, niemals, auch dem Zauberer würde dieses mißfallen.
Also bleibt uns nur das Anstarren unserer Rauchwölkchen in ihrem Kampfe mit der Abendluft und unsere Kunst...

Entsinnst du dich einem solchen Abend...?

G.v.C.
 
Kai
RE: Die erhabene Liebe zur Kunst
Erstellt am 10.11.2005 21:31
Mein verehrter Freund,

Vielen dank für deine Wertschätzung meiner Gedanken, solche Anerkennung erfährt man nun ja wirklich sehr selten, wenn einem denn überhaupt Gehör geschenkt wird…
Ja, ich denke in diesem grundlegenden Thema, da liegts und da wird sich jede Generation, die Mensch sein will, messen.
Ja, der scherz, der war flach... wenngleich wir auch, die Assoziation erlaube mir, mal ernsthaft über den Humor und die Ironie als künstlerisches, vielleicht sogar metaphysisches, so blöd das nun auch klingen mag, Phänomen nachdenken sollten. ?!?
 
Kai
RE: Die erhabene Liebe zur Kunst
Erstellt am 10.11.2005 21:31
Aber nun zu deinem Zweifel am Wahrheitsanspruch der transzendenten Sphäre der Kunst.
Ich will nur kurz einen Denkanstoß geben: Wie viel Wahrheit können wir denn im Bezug auf unser eigenes Sein beanspruchen. Könnte es nicht vielmehr so sein, dass die Kunst und der Mensch überhaupt nicht existiert und nur ein Bewusstsein, ähnlich einer Erinnerung vorhanden ist, das uns nur in einem seiner Teile erscheint. Oder dass etwa die Wahrnehmung aus der wir Erkenntnis ziehen, von der wir meinen, sie wäre, müsse uns Lebenselixier sein, in „Wirklichkeit“ nur Illusion ist, und das in wirklich alles eines ist. Nur ein Nichts oder alles. Wahrnehmung nur Illusion.
Das sind jetzt, ich gestehe, sehr utopische, nicht sehr genau durchdachte Theorien. Vielmehr soll es aber zeigen, dass die Wahrheit nicht zu erkennen ist, vielleicht ist sie ja auch trivial, so etwa wie der nicht reflektierende Mensch seine Umwelt wahrnimmt und keinerlei Zewifel an sich selbst hat. Aber das scheint mir nicht das Geeignete für den Menschen zu sein, noch viel weniger für den Künstler. So stimme ich dir auch zu, es sind grausame Peiniger, die mir meinen Traum entziehen wollen. Umso mehr sonne ich mich aber auch in der einfachen Aussage, dass es eben nur Glauben gäbe und keine Erkenntnis. Ich weiß, der Turmbau zu Babel, die Sprache, die Logik, der Geist, eigentlich ein Teufelszeug, weil er uns zwingt Aussagen zu machen. Nichts zu sein, das ist vielleicht der höchste Zustand!

 
kai
RE: Die erhabene Liebe zur Kunst
Erstellt am 10.11.2005 21:31
Der Forderung, Philosophie auf die „wirkliche Welt“ zu beziehen, habe ich jetzt hoffentlich meine Meinung deutlich genug gegenüber gestellt.

Mit diesem verworrenen Beispiel von der Ethik ist es so:

Wenn du nicht die fundamentalen, großen Fragen gelöst hast, wie etwa die der Freiheit, die eines Gottes, der Mensch also von Gott geschaffene Kreatur(bedenke die Konsequenzen!), etc., so kannst du dich dem Leben nicht stellen. Du wirst vor Entscheidungen gestellt, denk nur, ja, zwar sehr abgedroschen, aber aktuell, an die Fragen der Gentechnik, der Sterbehilfe, oder der Toleranz in einem Staat. Du musst dich hier auf Grundwerte beziehen.
Jeder Mensch hat sie, denn es ist undenkbar, dass jemand tötet ohne sich dabei zu legitimieren. Unbewußt oder bewusst. Aber die Philosophie kann durch ihre ständige Reflexion eine Optimierung bewirken. Also: Ohne Theorie keine Praxis. Ohne Metaphysik keine Ethik. Ohne Glauben kein Leben.
Ich hoffe, du konntest das nachvollziehen, wenn nicht, so bitte ich dich um Einwand.
 
Kai
RE: Die erhabene Liebe zur Kunst
Erstellt am 10.11.2005 21:42
Beim Lesen deiner Worte, da spürte ich das Metaphysische, den Zauber der Poesie, der anmutigen Laute, die den schwärmerischen Geist so sanft umhüllen und ihn einladen, mitzukommen, zu schweben in die Unendlichkeit, des Schall und Rauches gleich eins zu werden mit allem.
Verachte dies nicht als Schwäche, dies, das Leid, ist die eigentliche Stärke, die uns eisern wappnet gegen das wallende Schicksal. Ich habe heute „schwere Stunde“ gelesen. Lies es. Dort steht der Zauberer persönlich, Hoffnung spendend. Da liegt viel Idealismus!

Ich entsinne mich solcher Abende genug und doch zu wenig. Vergib, dass ich mich jetzt nicht mehr zur Küche äußern will. Das wäre mehr als bloß Zynismus…

Herzlichst,

Kai
 
Kai
RE: Die erhabene Liebe zur Kunst
Erstellt am 13.11.2005 21:24
Verehrter G.v.C.,

Nun will ich doch ein wenig aufdringlich werden und noch einmals um deine Adresse bitten. Ich bin es nämlich leid so anonym und distanziert stets ein Pseudonym anzusprechen und in relativ objektiver Distanz zu kommunizieren.

Herzlichst,

dein kai
 
Kai
RE: Die erhabene Liebe zur Kunst
Erstellt am 20.11.2005 17:36
In der Tat bin ich irritiert.