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Thema: Felix Krull :Lebenssitation/Meinungen
 
Kevin
Frage über Felix Krulls Roman GUCKT REIN
Erstellt am 04.12.2005 11:20
Ich bräuchte zum Roman ,,Bekenntnisse über den Hochstapler Felix Krull´´ Informationen.

Informationen die angebracht wären sind diese :

Was für ein geschichtlichen Hintergrund hatte es zu dieser Zeit als Thomas Mann den Roman geschrieben hat?

Meinungen aus der Fachwelt / von usern ? gibbet es links?
 
Commodore
Krull-Background
Erstellt am 04.12.2005 20:33
Schauen Sie sich doch mal auf diesem Portal den Aufsatz von Holger Stunz zu den Hintergründen des Krull an (zu finden unter Wissenschaft und Literaturkritik). Da haben Sie alles Wichtige parat.

Grüße
 
Dennis Ulbrich
Felix Krull
Erstellt am 21.12.2005 16:39
Als Thomas Mann die Arbeit am "Krull" wieder aufnahm, markierte in den Aufzeichnungen nur ein Bindestrich den zeitlichen Abgrund, der zwischen dem ersten Schreiben und dieser Wiederaufnahme lag: zwei Weltkriege, das Aufbrechen des totalitären Denkens, das Exil. Thomas Mann, der wie immer rastlos und streng penibel arbeitete hatte zu diesem Zeitpunkt gerade seinen Roman "Der Erwählte" beendet, spielte mit dem Gedanken einer Luther-Erasmus-Novelle und erlebte den Korea-Krieg. Er hatte mit Vorwürfen zu tun, die ihn als Kommunisten verschrien (sein Besuch in Weimar hatte dazu beigetragen...) und brach mehr und mehr mit Amerika (Er kritisierte die Kriegshetze der Amerikaner, die Neigung, "lieber dem Faschismus die Treue zu halten, anstatt dass die Welt kommunistisch wwerde"). So wurde ihm der Korea-Konflikt, der Kampf der sich hier zwischen den Weltmächten fortsetzte, immer mehr zur Geduldsprobe. Seine Tochter Erika lehnte eine Einbürgerung nach Amerika strtikt ab, immer wieder erwog er eine Rückkehr in die geliebte Schweiz. In dieser Lage entdeckte er seine Liebe für den krull-Stoff wieder, fragte sich, ob er in seiner Isolation denn auch genug Menschen-Leben kenne, um einen gesellschaftskritischen Schelmenroman zu schreiben, weitete die Handlung auf die Heimat seiner Mutter aus und trat ganz nebenbei und unwissend noch einer kommunistischen Organisation bei, die im Grunde seine eigenen Ziele (Annahme des kommunistischen China, Aufnahme von Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion...) vertrat, aber eben kommunistisch war und deshalb für den großen Dichter in Prägnanz und Aussage nicht tragbar war. Das gebot seine Äquidostanz keineswegs und so manches Mal war erden kommunistischen Phrasen Sowjetrusslands bzw. Ostdeutschland nicht allzu fern. Das mindert aber nicht sein Genie. Im Gegenteil, es lässt ihn ein klein wenig menschlich werden.