Forum bei Thomas Mann
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Thema: Hanno und Kai
 
Nadine
Hausaufgaben
Erstellt am 14.05.2006 13:33
Hallo an alle!
Ich bin in der Stufe 12 im Deutsch Leistungskurs und wir beschäftigen uns momentan mit dem Buch "Buddenbrook" von Thomans Mann. Ich finde dieses Buch echt interessant und wir beschäftigen uns unter anderm mit der Frage warum hanno ausgerechnet mit Kai von Mölln befreundet ist. Meine Vermutung wäre dass Hanno Thomas Mann in seiner Kindheit darstellen soll (--> Liebe zu Wagners Musik, schwächlich, Abneigung gegen die >Schule) und da Mann angeblich eine homosexuelle Neigung hatte mit der Freundschaft Kai/Hanno seine eigene Situation beschreibt.
Was denkt ihr dazu? Es wäre nett wenn ihr so schnell wie möglich antworten könntet, ich schreibe nämlich bald die Klausur.
Liebe Grüße
Nadine
 
Rowena
Hanno und Kai
Erstellt am 17.05.2006 16:04
Deine Vermutung ist absolut richtig. Thomas Mann hat in dem Roman praktisch seine gesamte Familie gezeichnet und bei sich selbst keine Ausnahme gemacht. Das ist der Grund, warum man in Lübeck über das Buch nicht nur nicht begeistert war, sondern es dem Autor lange Zeit sehr übelgenommen hat. Manche Charaktere sind ja ziemlich karikiert, wodurch sich viele auch verletzt fühlten. Thomas Mann ist einer der Autoren, der sein ganzes Leben lang alle Menschen in seiner Umgebung in dem Sinne "ausgebeutet" hat, dass er sie insgeheim immer auch danach abcheckte, in welcher Weise sie sich für eines seiner Werke "verwerten" liessen.
Gestatte mir noch eine Bemerkung: Ich glaube ich war im gleichen Alter, als ich auch in der Schule Thomas Mann entdeckt habe. Ich finde es wunderbar zu hören, dass man ihn immer noch liest. Manschmal bin ich etwas besorgt, dass er den Deutschen abhanden kommt.
 
Ronald Koske
Hier noch ein paar Buddenbrocken...
Erstellt am 25.05.2006 18:20
Hi,

ich finde es übrigens einfach zum Kringeln, dass in diesem Forum immer wieder über "Hausaufgabenerledigung" gemeckert wird und dann doch immer wieder geplagte Schülerseelen ihre Notrufe hochladen; aber was solls: man beschäftigt sich mit dem gutem Mann und das hat ja eben was...

Zunächst "schließe ich mich der Meinung meines Vorredners an": was Dennis da schreibt, scheint mir überaus zutreffend, und es trifft auch für eine Menge solcher "Pärchen" in der Weltliteratur zu: Don Quichotte und Sancho Pansa, Faust und Mephisto, Humphrey van Weyden und Wolf Larsen (igitt, das ist doch aber keine Weltliteratur, das ist doch "nur Unterhaltung", igitt!), der Schriftsteller und Alexis Sorbas usw. usf.

Hanno "ist", scheint mir, nicht nur T. M. als Kind, Thomas Mann hatte die "Buddenbrooks" ursprünglich sogar als Hannos Geschichte geplant, hat dann aber schnell gemerkt, dass er die nicht richtig rüber bringen würde, ohne weiter auszuholen; ein Vorgang, der sich regelmäßig wiederholte, sowohl der "Zauberberg" als auch der vierbändige Josephsroman waren als "kleinere Sachen" geplant...

Äh, "homosexuelle Neigung" - T. M. hatte keine solche, sondern war nachweislich "eher" homosexuell; homosexuelle NEIGUNGEN hat im Übrigen jeder: im Zusammenhang Kai und Hanno ist das aber auch noch eine "Neigung" zum ("vollendetem") Spiegelbild, indem Kai gewissermaßen Hanno ist, der "ins Freie kommt", während Hanno zugrunde geht.

In der Hoffnung, nicht nur seinen Geltungsdrang befriedigt, sondern auch ein paar brauchbare Gedanken geäußert zu haben, verbleibt (das ist ein THOMAS-MANN-FORUM: HIER kann man kompostimäßig schreiben)

MifreuGrü

R. K.