Forum bei Thomas Mann
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Thema: Hannos Mathematiklehrer Marotzke
 
Conny Langton
Mathematik
Erstellt am 19.10.2009 06:10
Ich erinnere mich an den Deutschunterricht und die Lektüre der „Buddenbrooks“. Darin wurden außer dem Direktor Wulicke noch andere Lehrer beschrieben. Einer davon ist Doktor Marotzke, der als „tiefer Oberlehrer“ bezeichnet wird und die Naturwissenschaften unterrichtet, „aber sein Hauptgebiet war die Mathematik, und er galt für einen bedeutenden Denker in diesem Fache.“ Weiter wird gesagt: “Er liebte es, von den philosophischen Stellen der Bibel zu sprechen (...) Außerdem aber war er Reserveoffizier und zwar mit Begeisterung.“ Und: „Diese Mischung aus Mystizismus und Schneidigkeit war ein wenig abstoßend.“

Ich erinnere mich auch noch daran, wie die Mathematik mit ihren merkwürdigen Zeichen und griechischen Buchstaben beschrieben wurde, kann diese Stelle aber nicht wiederfinden. Wer weiss mehr?
 
Wulf Rehder
Mathematik bei TM
Erstellt am 20.10.2009 06:24
Eine witzig-ironische Beschreibung, wie sich Mathematik fuer TM auf einer fiktiven Buchseite darbot, findet sich in „Königliche Hoheit,“ als Prinz Klaus Heinrich sich eines von Immas Algebrabüchern ansieht (Bd 2, S. 242):

„Was er sah, war sinnverwirrend. In einer krausen, kindlich dick aufgetragenen Schrift, die Imma Spoelmanns besondere Federhaltung erkennen liess, bedeckte ein phantastischer Hokuspokus, ein Hexensabbat verschränkter Runen die Seiten. Griechische Schriftzeichen waren mit lateinischen und mit Ziffern in verschiedener Höhe verkoppelt, mit Kreuzen und Strichen durchsetzt, ober- und unterhalb waagrechter Linien bruchartig aufgereiht, durch andere Linien zeltartig überdacht, durch Doppelstrichelchen gleichgewertet, durch runde Klammern zusammengefasst, durch eckige Klammern zu grossen Formelmassen vereinigt. Einzelne Buchstaben, wie Schildwachen vorgeschoben , waren rechts oberhalb der umklammerten Gruppen ausgesetzt. Kabbalistische Male, vollständig unverständlich dem Laiensinn, umfassten mit ihren Armen Buchstaben und Zahlen, während Zahlenbrüche ihnen voranstanden und Zahlen und Buchstaben ihnen zu Häupten und Füssen schwebten. Sonderbaren Silben, Abkürzungen geheimnisvoller Worte waren überall eingestreut, und zwischen den nekromantischen Kolonnen standen geschriebene Sätze und Bemerkungen in täglicher Sprache, deren Sinn gleichwohl so hoch über allen menschlichen Dingen war, dass man sie lesen konnte, ohne mehr davon zu verstehen als von einem Zaubergemurmel.“