Forum bei Thomas Mann
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Thema: Homosexualität
 
Antonius Reyntjes
T.M:s angebliche Homosexualität
Erstellt am 09.06.2005 16:33
"Modern" - so scheint's: ist es - T.M. für homosexuell zu erklären... Jede Omi, Mutti und Magister scheinen es schon zu akzeptieren... Auch Th. Klugkist ("49 Fragen...zu T.M.") gibt sich frei, freisinning und sachorientiert- und fachkundig, pseudo-gern: "...schon die Erzählprosa enthält mehr als zarte Hinweise auf homoerotische Beziehungen." (Ja, okay!)
Mhm: "Es" - das Unaussprechliche, bzw. das Undenkbare - es ist aber unsinnig: T. M. war "bi" - und zwar recht und sehr; im Bett und "kordial" hatte die Königliche Hoheit Katja keinen Konkurrenten (nach T.M.s anfänglichem Suchen bi, äh, bei einem Freund. Sie befriedigte ihn, wie es für sie und ihnen allein gehörte; wie er es für sie und sich allseitig-polymorph wünschte; und sie hatte keine „unanständigen“ Hemmungen, ihm zu dienen, wie und wo - allein beider Sache und Mache!
Da hat Golo Mann, selber auf anal und Papa-hörig fixiert, keine Worte gefunden, einen freudigen Modus zu benennen; er selber ist auch nie akzeptiert gewesen vom Papa. Lust und Frust ja, selbst nach dem Tod nicht in des Alten "Greif-" oder Machtnähe zu lagern - aber keine Vorstellung, für Schwule, "Bis" sich oder nur die eigene Psyche aufzuklären.
Wenn man vielfach die "offene", aber bedeckte Muffelei über den "Homo" T.M.liest, ist das auch nicht sinn- oder wirkungsvoll in dieser Normalpedanterie des traurigen Sexus und der Pseudoästhetik von deutscher Literaturwelt und koitaler Phantasielosigkeit. "Es" bleibt dem Normalo ein offenbares Geheimnis.

 
rolf
"angeblich?"
Erstellt am 10.06.2005 16:15
ich will mich zu den wortgirlanden nicht weiter äussern.

allein die überschrift ist ein wenig irreführend. thomas manns homosexualität ist längst allgemeingut und es gibt durchaus ernstzunehmende ansätze, auch aus dieser psychosexuellen disposition heraus sein werk zu betrachten. für mich war es z.b. immer unverständlich, warum das thema im "tod in venedig" dauernd überhöht und zu einer "künstlerkrise" stilisiert wurde. nein, hier geht es um die krise eines alternden homosexuellen mannes. alles was in dieser literarischen person - er ist in der novelle ein schriftsteller - hinzu kommt, vertieft den konflikt nur, macht ihn um viele facetten schwieriger und hoffnungsloser.

dennoch: man sollte das thema homosexualität bei thomas mann nicht überbewerten - wenigstens dann nicht, wenn es um sein werk geht. wer aber nach der person thomas mann und den bedingungen seines lebens fragt (und denen seiner frau und kinder!) kommt um das thema homosexualität überhaut nicht herum.

gruss rolf

p.s. hätte thomas mann das thema lieber tabuisiert gesehen, hätte er seine tagebücher nicht zur publikation freigegeben - wenn auch freilich in vornehmen abstand zu seinem tod.
 
Reyntjes
Homosexualität
Erstellt am 11.06.2005 17:40
Warum Wortgirlanden...? Identifikationsprobleme, besonders die sexuell versteckten, sind häufig missverständlich, da muss man exakter als nach gängiger schwuler Alltagssprache sein.
Das ist in der Entgegnung - die sich als rechthaberischer Widerspruch ausführt - wieder das Missverständnis..! T.M. hat in seiner Ehe, die er als ideal fand, k e i n e Homosexualität gelebt. (Und wenn, wäre es mir egal; es ist ja seine individuelle Sparte, die er mit seiner Frau teilen wollte; und sie mit ihm. Das ist nicht seine KUNST, an der ich mich abarbeiten müsste oder mich ausweisen könnte..)
Er hat vielfach bisexuelle, also auch homoerotische Sehnsüchte, Phantasien, Symbole, Verhaltensweisen gestalterisch "benutzt" (meist ja nur angedeutet oder ironisiert) - um eine nicht ausschließlich auf eine Sparte Genus fixierte Sexualität aufzuzeigen.
Und das Bild, das er in allen Arbeitszimmern hatte, seit 1914: das Aquarell "Die Quelle" von Ludwig von Hofmann, zeigt eindeutig: drei nackte Jünglinge; zwei ihm in de Rückensicht, also auch anal zugewandt; einer frontal und genital. (Aber in keiner pornografischen Haltung, lediglich Rückenakte.) Man kann - aber muss es nicht - alle als analen Zugang - als immissio - zur Jünglingsfleischlichkeit und den Vorzügen ihrer Sexualität sehen; alle Jungmänner aber wenden sich - sich labend, sich erfrischend, trinkend oder sich putzend, der großen "Mutter der Natur", der hellblau sprudelnd fließenden Quelle alles Labbaren zu. - Das ist polymorphe, vielgestaltige Sexualität.
Bitte, sehr: das Bild, als URL: http://www.tma.ethz.ch/quelle.jpg
*
Guten Trunk! D. h. ja: "prosit"; es/er/sie möge genießen, nützen, leben!
 
Yoshi
???
Erstellt am 12.06.2005 02:21
Die Wortgirlanden sind herrlich! Ich weiss jetzt gar nicht, ob ich mich schämen muss, aber ich habe bis jetzt nicht verstanden, ob er TM nun für homosexuell hält oder nicht?! Oder besser, worum es überhaupt geht? Und was hat Golo damit zu tun?
 
Antonius Reyntjes
T.M. und Sohn Golo?
Erstellt am 12.06.2005 09:13
Nein, zu verständnisvoll, zu verwirrend - eben nicht bejubelnd, nicht verurteilend - nur beschreibend...?
G o l o s Schicksal nicht bekannt…? Er, der zweite, homosexuelle (Ph)Fall dieses Vaters, der seinen Kindern, erst recht seinen S ö h n e n, die den Vater ja irgendwie nachahmen wollten, keinerlei A u f k l ä r u n g, keinen väterlichen Zuspruch in ihrer Rollensuche bieten konnte oder wollte? Golo, der Unbe-Sohnte, Unerkannte!
Oder zu K l a u s:
Der T. M a n n, der mit den Worten seiner Frau Katja, dieses komische, schwule und süchtige Verhalten von diesem Sohn, dem Ältesten, als spießbürgerlich verlachte...? Der Sohn, der sich umbrachte – in Unerfülltsein, trotz irr-betäubender Versuche.
Alles unbekannt?
Kann m a n (normal-heutig-lesefähig) des Künstlers T. Mann frauliches u n d männliches Verhalten und Sehnen in Prosa als ästhetischen Versuch einer ganzheitlichen, mythischen Eratz-Erotik begreifen...?
*
Wenn nicht - so scheint's mir - brauche ich hier kein Wort mehr zu verlieren. Es scheitert da wohl an nicht vorhandenen, erotischen und verbalen Voraussetzungen, Sexualität zu erkennen als Libido, die sich Ersatzformen sucht - in Bürgerlichkeit, Künstlertum und von der Über-mama-frau Katja protegiertes Re-Gieren.
(Na, sag ich, unreligiös-salopp: A m en!
Ich werde nur noch antworten, wenn ich präzise Fragen vernehme - oder ein herzliches Bedürfnis, sich einfühlen zu können und zu wollen in andere als plakativ-demonstratives, eigensüchtig männliches (auch schwules) Fühlen und Ausdrücken.)

 
rolf
homosexualität
Erstellt am 12.06.2005 16:56
ich denke, sie werden hier zu ihren worten gar nichts mehr "vernehmen", da sie einen rückwärtsgang bei der betrachtung des lebens thomas manns eingelegt haben. rückwärts zu fahren bedeutet manchmal, den überblick, mithin den sinn aus den augen zu verlieren. mythen werden nicht aus worten, sondern aus gedächtnis geboren.

gruss rolf
 
James Aaron
RE: Homosexualität
Erstellt am 22.08.2005 00:29
Herr A.R. ... was Sie da so alles zusammenschreiben... ists Ihnen wirklich ein derart großes Bedürfnis, nachzuweisen, dass Mann unbedingt und auf jeden Fall (sinnfrei wäre bei Ihnen ein Phall daraus geworden) ein erfülltes Sexualleben mit seiner Gattin genoß? Derart, dass Sie sogar jenes berühmte Bild im Arbeitszimmer als Zeugen aufrufen, das doch in Ihrer Wahrnehmung überhauptnix mit Jungmännererotik, vielmehr mit Naturmystik und derlei Quatsch zu tun habe... ? Mann selber schreibt im Tagebuch darüber, wie dankbar er Katia für ihre sexuelle Anspruchslosigkeit sei. (Dies trotz sechsfacher Fortpflanzung - aber dazu würde theoretisch ein sechsfacher Beischlaf genügen. Eher wenig im Verhältnis zu 50 Jahren Ehe.) Seien Sie doch mutig, Herr A.R.! Thomas Mann hatte eine schwule Ader, ja, ich schreibs erneut hin: SCHWUL, sogar in Großbuchstaben. Und weiter? Macht ihn das zu einem schlechteren Schriftsteller? Nein. Also hadern Sie nicht mit sich und ihm, auch wenn Sie persönlich dem Homosexuellen offensichtlich eher reserviert gegenüberstehen. Es ginge "schlimmer", Lewis Carroll war pädophil und Céline Faschist. Trotzdem: beide recht gute Autoren.
 
Nico
RE: Homosexualität
Erstellt am 08.03.2006 16:14
Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt nie gehört oder gelesen, das Thomas Mann homosexuell war. Dass er eine homoerotische Neigung hatte, ja davon ist allseits zu hören und lesen, und es ist zudem schwer bestreitbar seitdem die Tagebücher veröffentlicht wurden. Wenn man entsprechende Einträge liest, ist es im Prinzip unbestritten.

Insofern hat der Eröffner dieses Threads recht, wenn er bestreitet, dass Thomas Mann nicht homosexuell, sondern "bi" war, jedoch habe zumindest ich von dieser Behauptung, er sei homosexuell, auch noch nie etwas vernommen.
 
Antonius Reyntjes
T. M.s Privatheit
Erstellt am 01.05.2007 09:32
Auch nach dem Nach-Lesen der zu diesem Thema erfolgten Einträge halte ich es für unsinnig, T.M. in seiner intimen Privatheit (seiner lebenslang erwachsenen Sexualität, die er mit Frau Katja teilte) - homosexuell zu nennen.
Möglich war: bisexuell, obowhl er eien solche sexualitä neben oder entgegen seinr frau nciht prkatizierte.
"Homoerotisch" - nannte ein Diskutant; das ist abzeptabel; dem steht aber die lebenslange heterosexuelle Ausleben in der Ehe entgegen.

Es gibt neue Ausdrücke für nicht-normale, abweichendes Sexualität: Priester, die ihren Zölibat nachträglich ehren wollen und sich dadduch was versprechen, nennen sich "asexuell", bis die ihr "Es" sie einholt, ob im Missbrauch (infantiler oder ersatzsexueller Art).
Für spezielle bi-sexuelle Formen des Lebens und Erlebens finde ich den Begriff "co-sexuell" passender; er kennzeichnet die freiwillige, variable, von privaten Umständen und individuellen, jeweiligen Entscheidungen und Gegebenheiten geprägte, sozial un ästhetisch verantwortete Sexualität, die sich nicht auf zufällige oder abhängige oder in Verhaltensstörungen geprägte Kontakte spezialisiert.

 
Scharfrichter
Antonius Reyntjes
Erstellt am 30.08.2012 14:37
Hallo Herr Reyntjes,

gerade hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, Ihre geistigen Ergüsse bzgl. der sexuellen Ausrichtung von T. M. zu lesen. Vor allem der erste Ihrer offensichtlich schon älteren "Diskussionsbeiträge" schlägt schon dem Faß den Boden aus. Es wird ja bekanntlich- besonders in der heutigen Zeit- viel Stuß publiziert, ein solches pseudointellektuelles und sinnfreies Geschwafel, wie Sie es abzusondern sich nicht entblödet haben, ist mir aber wahrlich noch nicht untergekommen und ich bitte Sie höflichst, Ihre Publikationen demnächst (VOR der Veröffentlichung in einem Thread) in nüchternem und drogenfreiem Zustand zu verfassen, oder wenigstens erneut zu prüfen- denn so etwas hat nun wirklich niemand verdient. In der berechtigten Hoffnung, daß Sie sich meinen gutgemeinten Ratschlag zu Herzen nehmen werden, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Ihr

Mario C.