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Thema: Interpretation
 
Halil
Interpretation "Der Zauberberg"
Erstellt am 09.01.2010 15:09
Hallo Leute,

lese gerade voller Begeisterung und Elan "Der Zauberg". Ich habe indes keine ausführliche Interpretationshilfe gefunden- weder in der Stadtbibliothek (Bochum) noch bei Amazon. Könnt ihr mir helfen? Ich danke im voraus.
 
H. Sondermann
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Erstellt am 09.02.2010 14:46
Das mag vermutlich daran liegen, dass es äußerst schwer ist, das Werk umfassend zu interpretieren, das selbst so vieles umfasst.
Vielleicht sollten Sie ihre Suche ein wenig genauer eingrenzen, etwa, ob Sie eine Interpretation der im "Zauberberg" umgesetzten poltischen Theorien, der naturwissenschaftlichen Aspekte, der zeittheoretischen/ philosophischen Ideen usw. wünschen.

Es wird sicher dann genügend Sekundärliteratur aufzufinden sein.

Konkrete Literaturempfehlungen kann ich Ihnen an dieser Stelle leider keine geben, wünsche Ihnen aber viel Erfolg und Freude bei Ihrer weiteren Beschäftigung.


Mit freundlichen Grüßen
 
Simon
Interpretation "Der Zauberberg"
Erstellt am 03.03.2010 09:14
aus einer Rezension
(ich bitte um Entschuldigung, dass ich von diesem Buch immer noch so begeistert bin)
Die Gesellschaft ist krank – analog zur Belegschaft des Zauberbergs- , aber in Krankheit liegt die Chance der Erkenntnis, dass der „Mensch mehr ist als blosse Physis“.
Rohrmoser beleuchtet hier aus neuer Perspektive seine an anderer Stelle deutlich ausgesprochene Warnung vor der kränkenden „Totalökonomisierung des Menschen“ im globalisierenden Weltwirtschaftsgeschehen.

Wir verlieren in Deutschland unsere eigene Position: Wer ausser Geld nichts mehr sieht, hat keinen Inhalt. Und eine Gesellschaft ohne inhaltliche Position ist ideologieanfällig. Und an dieser Stelle wird die Aktualität und Übertragbarkeit von Thomas Mann's Position als „Diagnostiker des deutschen Bürgertums“ von Rohrmoser zwingend hergestellt: Auch Weimar hatte zu einem Identifikationsverlust der bürgerlichen Gesellschaft geführt. Der Rattenfänger Hitler hatte auch von daher leichteres Spiel.

Wenn der Philosoph Günter Rohrmoser sich an Thomas Manns „Zauberberg“ und „Dr. Faustus“ macht, dann kann man sicher sein, dass dabei am Ende keine literaturästhetische Betrachtung herauskommt. Rohrmoser zwingt den Leser auch in seiner neuesten Publikation in die Konfrontation mit der Gegenwart, d.h. dem Zustand der bürgerlichen deutschen Gesellschaft heute.
Wenn der Leser anhand des Mann'schen „Flachland“-Begriffs in das geistige Flachland bundesbürgerlicher Realität geleitet wird, so darf er sich überlegen, ob dies für ihn genüsslich oder peinlich wird, ob „hohles Schweigen“ oder „Langeweile“ ihn bereits ergriffen haben.
(Dietrich Gondosch)

Günter Rohrmoser: "Dekadenz und Apokalypse
Thomas Mann als Diagnostiker des deutschen Bürgertums"
http://www.gfk-web.de/inhalt/rezensionen/051020.html