Forum bei Thomas Mann
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Thema: Literatur und Schein
 
Anna Maria K.
Literatur als Schein
Erstellt am 18.04.2009 10:52
Kommt bei Thomas Mann die Behauptung vor, Literatur sei nur Schein? Zitat im „Felix Krull“?
 
Wulf Rehder
Kunst und Schein
Erstellt am 24.04.2009 09:18
Der Parallelismus von „Schein und Sein“ zu „Literatur und Wirklichkeit“ hat seit Aristoteles viele Varianten durchlaufen. Thomas Manns folgt allerdings eher Goethe, der Mignon in ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre’, Zweiter Teil, singen laesst „So lasst mich scheinen, bis ich werde“ und in ‚Dichtung und Wahrheit’, Teil 3, 11. Buch, schreibt: „Die hoechste Aufgabe einer jeden Kunst ist, durch den Schein die Taeuschung einer hoeheren Wirklichkeit zu geben. ...“

Im ‚Felix Krull’ sind vielleicht die folgenden beiden Zitate die bedeutendsten. Am Ende des vierten Kapitel des dritten Buches verabschiedet Louis de Venosta sich von Felix, der von jetzt an den Marquis spielt:

"Bonne nuit, a tantot, Monsieur le Marquis", sagte er mit betrunkener Grandezza, als er mir zum Abschied die Hand schuettelte, - ich hoerte die Anrede zum ersten Mal aus seinem Munde und der Gedanke an den Ausgleich von Sein und Schein, den das Leben mir gewaehren , an den Schein, den es dem Sein gebuehrend hinzufuegen wollte, ueberrieselte mich mit Freude.

Das zweite Zitat ist aus dem Gespraech mit Zouzou ueber die Liebe. Als Antwort auf Zozous Vers „Der Mensch, wie schoen er sei, wie schmuck und blank, Ist innen doch Gekroes’ nur und Gestank“ sagt Felix, dies tueckische Verschen wolle den Glauben zerstoeren „an Schoenheit, Form, Bild und Traum, an jedwede Erscheinung, die natuerlich, wie es im Worte liegt, Schein und Traum ist, aber wo bliebe das Leben und jegliche Freude, ohne die ja kein Leben ist , wenn der Schein nichts mehr gaelte und die Sinnenweide der Oberflaeche?“
 
H.-P.Haack
Literatur als Schein
Erstellt am 28.04.2009 22:14
Die Kunst (darunter auch die Literatur) als"der schöne Schein" geht auf Nietzsche zurück ("Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste ddr Musik").

In "Doktor Faustus" bezeichnet der Teufel die Kunst als "höheren Schwindel" (Kapitel XXV).

Im Hochstapler-Roman erkennt der junge Felix Krull Janlässlich einer Operetten-Aufführung das Theater als einen "einvernehmlichen Betrug" zwischen Schauspielern und Publikum.