Forum bei Thomas Mann
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Thema: Mann als Vorbild
 
Eva
TM - Vorbild
Erstellt am 22.05.2006 19:48
Kürzlich habe ich die Kritik einiger gelesen, die sich darüber beschweren, dass Schüler dieses Forum als Hausaufgabenhilfe missbrauchen.

Zugegeben, ich hatte ursprünglich auch nur das eine "verwerfliche" Motiv, als ich mir dieses Forum genauer ansah. Aber ich beginne mich immer mehr für TM zu interessieren, seine Werke, sein Leben und sein Wirken.

Meiner Meinung nach ist Thomas Mann eine interessante Persönlichkeit mit großer Klasse, seinen Schreibstil, den hypotaktischen Satzbau und seine bis ins kleinste Detail ausgebauten, stimmigen Erzählungen faszinieren mich genauso wie seinen mutigen Lebensweg.

Genug der Schwärmerei, ich finde es nur schade, dass manche "Insider" die Schüler, die hier Hilfe suchen, gleich so angreifen. Vielleicht wäre eine angemessenere Reaktion und eine echte Hilfestellung besser, auch in deren Intersse. So würden vielleicht noch mehr Schüler vom bloßen Hilfesuchenden zum echten Interessenten heranwachsen.

Die deutsche Sprachkultur - vor allem unter den Jugendlichen - hätte es bitter nötig.
 
Hadrianus
RE: Mann als Vorbild
Erstellt am 24.05.2006 16:15
der vorschlag Thomas Mann zur rettung jugendlicher sprachkultur zu popularisieren ist mehr als absurd. bereits eine kurze beschäftigung mit seinem werk zeigt doch, das groteske dieser idee...
im übrigen braucht man sich, auch in anbetracht der wachsenden Thomas Mann liebhaberschaft an den universitäten, um die zukunft seiner schriften d.h deren würdigung keine sorgen zu machen.
darum ist es nun wirklich alles andere als nötig, literarische kostbarkeiten einer jugend vorzuwerfen, welche ihre sprachliche kultur zum größten teil aus pseudomusikalisch vulgären texten bezieht.

gruß H.
 
Ronald Koske
Mannomann...
Erstellt am 25.05.2006 19:08
Hi, Hallo usw.,

Vorbild als Schriftsteller? Mann selbst hat deutlich dargelegt, warum er keinen wirklichen Nachfolger haben könne: da er ein Letzter, ein Vollendender usw. wäre, der sich noch einmal kurz vor dem Fallen des Vorhangs (ich glaube eher: danach) zu Wort melden würde usw. usw. usf. Und Vorbild "als Mensch"? Er scheint nun als Mitmensch nicht eben ein Obersympath gewesen zu sei (zugegebenermaßen schon wieder so ein grausiges Klischee: die Künschtla, diese pathologischen Narzissten usf.)...

Ist doch toll, "Zugang" gefunden zu haben über Hausaufgaben; das läßt (mich) hoffen, dass Schulbildung nicht immer völlig umsonst sein könnte: einen Eindruck, den man gerade in der letzten Zeit häufig bestärkt fand.

Irgendein (ost-)deutscher Autor hat einmal, und offenbar mit diebischem Vergnügen, recht ausgiebig die Klagen zitiert, die ein älterer Komposti über "diese Jugend" deklamierte, und als echt gute Pointe hat er dann (besagter DaDaEr-Autor) das Jahr erwähnt, in dem diese Klagen erklangen: es war um die Zeitenwende herum, im Römischen Reich: bis zu dieser Pointe hätte man den Klagenden aber, und darum ist es mir hier zu tun, in JEDEM Zeitalter ansiedeln können...

Ja, also was ist Sprachkultur der Jugend, ejh, boah?! Mach locker! Bleib cool!

Und was sind "Insider"? Leute, die ein "geistiges Gelände" für sich gefunden haben, was unbedingt zu begrüßen ist, und dann aber MAUERN DRUMRUM BAUEN (ich betone das so, weil ja eben, in anderem Zusammenhang, derlei Bauwerke nicht nur metaphorisch, sondern real und sichtbar vorhanden waren)? Man kann das Hochhalten einer Sprachkultur auch benutzen, sich "feingeistig" abzusondern, oder sich überhaupt abzugrenzen, weil man es anders kaum vermöchte (unter anderem DAS hat ja T. M. mit Hanno und Tonio usw. allervorzüglichst dargestellt oder wie man da sagt).

Mit vorzüglicher Zerknirschung

R. K.
 
nochmals Eva
falsch verstanden...
Erstellt am 25.05.2006 22:28
Sehr geehrter Herr H....

Erstens: ich mache mir keine Sorgen über die Würdigung der Werke des TM.

Zweitens: genau über diese Arroganz habe ich mich schon in mehreren Beiträgen dieses Forums geärgert. Was bitte schön wissen Sie denn von Jugendlicher Sprachkultur? Ich gehöre selbst zu dieser Gruppe Jugendlicher und ich glaube nicht, dass ich mich nur aufgrund von "pseudomusikalisch vulgären texten" meinen Sinn für (anständige) Sprache verloren habe. Ich meinte mit meinem Beitrag lediglich, dass genau solche hochtrabenden Antworten, wie die Ihrige, Jugendliche, die evtl. gerade beginnen, sich für die Werke zu interessieren, verschrecken.

Ich finde es nur schade, dass so manche Antworten in diesem Forum - nicht nur
Ihre - oft geprägt von Vorurteilen sind. Vielleicht fasse ich Ihre Antworten auch einfach nur falsch auf, aber dann bin ich sicher nicht die Einzige.

Was ich mit meinem Statement lediglich zum Ausdruck bringen wollte, war die Bitte, den Hausaufgabenmachern mit etwas mehr Nachsicht zu begegnen.

Falls man das für Zeitverschwendung oder dergleichen hält braucht man ja nicht zu antworten.

MFG
 
H.-P.Haack
T.M. als Vorbild
Erstellt am 09.06.2006 08:23
Trau keinem Künstler, trau keinem Kunstwerk!

Goethe: "Jüngling merke dir in Zeiten,
wo sich Geist und Sinn erhöht,
dass die Muse zu geleiten,
doch zu leiten nicht versteht".

Das Lebensmotto von Otto Dix: "Trau deinen Augen".

Die Kunst ist der Wirklichkeit nicht verpflichtet. Der Teufel (Teufelsgespräch in "Dr. Fauustus") nennt sie "höheren Schwindel".

Gruß H.-P. Haack, Leipzig
 
Tobi
RE: Mann als Vorbild
Erstellt am 23.07.2006 23:22
Liebe Eva,
die Freude jemanden gefunden zu haben,der ähnliche Gedanken zu pflegen scheint,wenn es um die schriftstellerischen Eigenschaften der Persönlichkeit Thomas Manns geht,ist groß,da es sich doch als schwierig herausstellte "Jugendliche" zu finden,die Interesse für den psychoanalytischen Realismus seiner Werke haben.
Ich würde mich freuen baldige Antwort in meinem virtuellen Postkasten zu entdecken und so einen Gesprächspartner zu gewinnen,der mir bei Fragen zur Seite stehen kann.
M.f.G. Tobias
 
Daniel Dörr
Thomas Mann als Vorbild
Erstellt am 18.08.2006 20:40
Thomas Mann war Zeit seines Lebens ein Narziß, ein Egozentriker, dennoch ein großer Künstler dessen Werke ua. durch die beeindruckende, variierende Motivik und Leitmotivik gepaart mit Fremdwörtern, französischen- , philosophischen und musikalischen Einflüssen zur Großartigkeit und Genialität seines Lebenswerkes als summa summarum seiner Werke absolut überzeugt und kaum einem Schriftsteller außer Goethe und Tolstoi gelungen sein mag. Mann ist Einzigartig, nicht nur als Exilant sondern eben auch als Künstler. Er selbst litt schwer unter sich selbst, war oft depresiv, nach eigenen Angaben "Kein Guter Vater" - ergo sollte er nicht als Vorbild genommen werden. Ich denke auch er würde es nicht wollen, denn kein Künstler kann der Allgemeinheit Vorbild sein. Der Beruf und die Physiognomie eines Künstlers sind andere wie die eines Müller, Maier, Schmid. Dennoch möchte ich auf eines Hinweisen. Die enorme Schaffenskraft und Kreativität von Th. Mann. Seinen Arbeitsalltag sowie seine wie ich oben schrieb Schaffenskraft, welche ihm ein enormes Arbeitspensum abzuarbeiten ermöglichte können tatsächlich als Vorbild gesehen werden und lassen sich, ganz im Gegensatz zum Rest, auf das eigene Leben impliziert anwenden.
 
Pseudomusikalisch vulgär audrückender Jugendlicher
RE: Mann als Vorbild
Erstellt am 19.11.2006 15:51
Sag mal, könnt ihr euch nicht anders profilieren als hier ein auf möchtegern wohlerzogene, sich gut ausdrückende menschen zu zeigen.. Einer nach den anderen versucht ihr euch besser auszudrücken als der vorherige...Ist ein bisschen albern oder nicht?