Forum bei Thomas Mann
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Thema: Mann und sein Vater
 
philipp
vaterbeziehung
Erstellt am 29.06.2005 21:29
Ich habe gerade in der Schule "die Bekenntnisse des Hochstablers Felix Krull" gelesen.Das Buch hat mich wirklich fasziniert jedoch haben wir es nicht so intensiv durchgenimmen als dass mir dies reichen würde, weshalb ich noch einige interprtorische Fragen zu Mann und seinem werk an sich habe.
Ich hoffe dass mir hier evtl weitergeholfenwerden kann…
Meie erste Frage wäre, wie die Beziehung Manns zu seinem Vater gewesen ist und inwieweit sich dies in seinen Werken niedergeschlagen hat.
Außerdem wurde im Unterricht zwar immerwieder seine Bedeutung als Schriftsteller betont, jedoch genau darauf eingegangen wurde auch hier nicht…
Wie genau war er in der Gesellschaft gesehn/geachtet/wahrgenommen und was für einen Stellenwert nimmt er für die Literatur ein?

Ich bin mir bewusst, dass dies sehr weitgreifende Fragen sind, die nicht in einem Satz beantwortet worden sind.Deshalb geh ich eigentlich nicht davon aus, dass meie Fragen aufgrund des Zeitaufwandes sehr begeistert beantwortet werden.
Sollten jedoch evtl Links bekannt sein auf denen ich Antworten auf meine Fragen finden kann so wär ich ihnen wirklich sehr dankbar…
 
rolf
thomas manns vater
Erstellt am 30.06.2005 12:25
hallo - deine erste frage kann kurz beantwortet werden. der vater von thomas mann starb früh, weswegen thomas und heinrich mit ihrer mutter nach münchen umsiedelten. thomas manns mutter, gebürtig aus südamerika, konnte sich an das gesellschaftliche und metereologische klima lübecks nie gewöhnen - das kann ich verstehen! :o) dies alles wird um die zeit geschehen sein, als thomas mann 18 jahre alt war. den tod seines vaters hat er übrigens in den "buddenbrooks" verabeitet, wo dem schopenhauer "narren" - dem konsul buddenbrook der frühe tod auf der strasse ereilt.

deine zweite frage ist hingegen so komplex, dass man sie kurz gar nicht beantworten kann. hier würde ich die rororo-monografie zu thomas mann empfehlen, die ein guter einstieg in person, werk und geltung von thomas mann ist. es ist übrigens durchaus eine überlegung wert, warum thomas mann - auf dem höhepunkt seines ruhms - den nobelpreis ausgerechnet für die buddenbrooks erhielt - ein roman, der zu dieser zeit schon weit zurück lag. aber es war eben auch das buch, das thomas mann mit einem schlag berühmt gemacht hatte - grimmig bemäkelt von den lübecker bürgern, die ...

na, ja! von der gesellschaftlichen und metereologischen atmosphäre lübecks sprach ich ja bereits ...

gruss rolf
 
Antonius Reyntjes
Erzähler T.M. und "Vater"
Erstellt am 13.07.2005 08:12
Warum und wie der E r z ä h l e r, nicht der Privatmann T. M., den Vater als Konsul einen Tag lang Schopenhauer lesen und gefühlig kosten und weiter paradieren ließ - und dann so grotesk und unsinnig "hinschlagen" ließ - müsste man ja wohl intensiver auswerten.
Was hat "Mann" vor 1901 von seinem Vater materialiter oder psychologisch - gar psychoanalytisch, was er noch nicht lesen konnte - verstanden...? Außer dass sich so viele deutsche Spieß-und Besitz- und Kaiser-"bürger" (jedenfalls deren Buch kaufende Frauen) vom "Verfall einer Familie" lesemäßig hingerissen fühlten - wenn sie nicht gerade wie in Lübeck zufällig-familiär betroffen waren. (Was ja schick & quietschig & zeitvertreibend ist, um nicht sich selber wahrzunehmen in seinen Bedingungen, denen man untersteht und die man weitergibt, deutsch-undeutlich.)