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Thema: Peter Hacks und Thomas Mann
 
Philine Beutler
Hacks an Mann
Erstellt am 19.06.2007 19:57
Bemerkenswert gescheit.

Thomas Mann hat in seinem Tagebuch am "Sonnabend den 5.II.49" vermerkt:

Manuskript des Studenten Peter Hacks in Dachau "Über den Stil in 'Lotte in Weimar'". Bemerkenswert gescheit.

(Th. M., Tagebücher 1949 - 1950, Frankfurt a. M. 1991, S. 17). Bei Hacks' Text handelt es sich um eine Seminararbeit. Sie wurde, zusammen mit dem Antwortschreiben von Th.M. vom Folgetag, dem 6. Februar 1949, später abgedruckt in Sinn und Form, Sonderheft Tomas Mann, Berlin 1965, S. 240 ff. Hieraus ein Auszug:

[...] momentan kommt es mir vor, als ob Ihre Dissertation so ziemlich das Gescheiteste wäre, was mir über das Buch vor Augen gekommen [... ] Manches ist ein bißchen überformuliert und dadurch verdunkelt, ich konnte nicht immer ganz folgen [...] Aber ein lebhafter Wille zu kritischer Erkenntnis, ja, zur 'Kühnheit im Schicklichen' ist da, und vieles, was in dem Roman halb vexatorisch und mit der Neigung sich zu entziehen herumschwebt, ist mit großer Entschiedenheit festgehalten, um nicht zu sagen: festgenagelt, - wodurch es dann freilich immer etwas verliert, aber, unterm Gesichtspunkt der Tapferkeit, auch wieder gewinnt.

(Th. M., Tagebücher 1949 - 1950, a.a.O., S. 360; vexatorisch = quälerisch). Am selben Tag notierte Th. M. in sein Tagebuch:

Brief an den Studenten in Dachau, zu mitteilsam

(Th. M., a.a.O., S. 18). Die von Hacks mitgteilte Anekdote seines Treffens mit Th. M. in München (vgl. Pasiphae, Was ist das hier?, Berlin 2004, S. 5, "Eine Pinselei") konnte noch nicht bestätigt werden. Auch ist das Schreiben Hacks' an Th. M. noch nicht greifbar, das Th. M. Archiv in Zürich hat ihn jedenfalls nicht.

P.S. Der Brief wurde kurz nach diesem Eintrag durch den Hacks-Verleger Dr. Oehme gefunden und zur Verfügung gestellt, vgl. weiter oben.

[Dank an Dr. Uwe Naumann, Rowohlt Verlag, Hamburg, und Claudio Steiger, Th. M. Archiv, Zürich.]
 
M. Bohn
"Brief ist noch nicht greifbar"
Erstellt am 29.05.2013 20:32
Antwort an Frau Philine xxx:
Der Brief von Hacks ist jetzt greifbar; Sie können ihn in Band 5 der Edition "Der junge Hacks" nachlesen, die Edition des Frühwerks von Peter Hacks erscheint in diesem Jahr Ende August.
Darin ist dann auch der Beleg (in einem anderen Brief) auffindbar, daß Hacks Mann tatsächlich in München anläßlich eines Vortrags von Thomas Mann getroffen und sozusagen eigens aufgesucht hat. Dieser Brief (an Hansgeorg Michaelis) ist dann in der Edition des Briefwechsels mit Hansgeorg Michaelis, der im nächsten Jahr erscheinen wird (alle im Eulenspiegel Verlag) vollständig abgedruckt.