Forum bei Thomas Mann
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Thema: T.M. und der Begriff "Weltliteratur"
 
Xaver Schumacher
Weltliteratur
Erstellt am 09.11.2006 12:03
Sehr geehrte Damen und Herren!

Im Rahmen meines Studiums der vergleichenden Literaturwissenshaft an der Uni Innsbruck arbeite zur Zeit an einem Referat über den von Goethe geprägten Begriff der "Weltliteratur". In einem Artikel des Komparatisten Zoran Konstantinovic heisst es: "Vor allem die Befürchtung, daß es durch die Verwirklichung jener Ürsprünglichen Idee, auf der die Weltliteratur begründet war, unausweichlich zu einer Nivellierung kommen muß, und auf diese Weise auch zu einer Verdrängung der einzelnen Kulturen, ist nicht ohne Wirkung geblieben. Der Gedanke, daß Anpassung zum Verlust kultureller Substanz führt, ist schon bei Nietzsche anzutreffen, und dieser Gedanke wirde dann von Oswald Sprengler, Thomas Mann und Paul Valery bis zu Umberto Eco und der Postmoderne fortgesetzt."
Ich habe festgestellt, dass sich in diesem Forum einige Einträge über Mann und Nietzsche befinden und möchste Sie deshalb bitten, mir mit Ihrem Wissen in dieser Angelegenheit einige Impulse zu geben. Sehr dankbar wäre ich über Hinweise wo in Th. Manns Werk und Schriften ich den Begriff "Weltliteratur" finde, beziehungsweise bin ich für alles dankbar was mit diesem Begriff zu tun hat (auch abseits von Th. Mann).
Ich freue mich auf Antworten und verbleibe mit freundlichen Grüßen,
Franz Xaver Schumacher
 
Simon
RE: T.M. und der Begriff "Weltliteratur"
Erstellt am 16.11.2006 17:00
Prater, Donald A.: Thomas Mann - Deutscher und Weltbürger : eine Biographie / aus dem Engl. von Fred Wagner. - München : Hanser, 1995.
 
Simon
Weltliteratur
Erstellt am 16.11.2006 17:47
http://www.are-org.de/Archiv/Literatur/arcorg_0600fischer_rohrmo.html
Dekadenz und Apokalypse - Thomas Mann als Diagnostiker des deutschen Bürgertums
"Rohrmoser reiht die gängigen Thesen über das Wirken und Scheitern des deutschen Bürgertums, soziale Verelendung, Inflation, sieben Millionen Arbeitslose usw. aneinander - und verwirft sie allesamt zugunsten der These, wonach Kultur "sich in dem Augenblick, in dem sie sich von ihren kultischen Ursprüngen und Gründen emanzipiert und ihre religiöse Herkunft negiert," den "zerstörenden Potentialen hilf- und machtlos ausgeliefert ist".

Damit tritt zugleich auch Günter Rohrmoser eigentliches Motiv für dieses Werk hervor: Thomas Mann, den "Zyniker, Nihilisten und Ironiker", zu würdigen, der es vermochte, was eine riesige Legion von Theologen und Philosophen nicht zu schaffen wußte: ein christlich- theologisches Deutungsmuster einer geradezu beispiellosen Epoche zu bieten. Mehr noch, er schlußfolgert daraus, daß Thomas Mann nicht nur mit seinen "Betrachtungen" ein "´Konservativer´ war, sondern, viele werden sagen, Gott sei es geklagt, er ist es bis zu seinem Ende geblieben. Für ihn war dieser Konservativismus ebenso national wie religiös. Das gilt heute als das Reaktionärste, was man sich überhaupt vorstellen kann".

Wohlan, es gibt einen kurz gefaßten, äußerst informativen Kurzlehrgang, wie man "reaktionär" werden kann, es gilt auch einen vollständigen Thomas Mann neu zu entdecken. Günter Rohrmoser hat die Pforte dazu ein breites Stück aufgetan."
Simon