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Thema: Zitat Thomas Mann
 
Kathrin
Zitat
Erstellt am 06.03.2009 20:09
Ich habe ein schönes Zitat von Thomas mann gelesen und wüsste gerne wo das her kommt. Vielleicht könnt ihr mir helfen.

"Man soll machen, was einem Freude verheißt. Es besteht größere Wahrscheinlichkeit, dass es auch der Welt Freude macht. "
( Thomas Mann )
 
Wulf Rehder
Mann Zitat?
Erstellt am 26.03.2009 20:10
Ist der Spruch „Man soll machen, was einem Freude verheisst. Es besteht groessere Wahrscheinlichkeit, dass es auch der Welt Freude macht“ wirklich ein Zitat von Thomas Mann? Einige Indizien sprechen dafuer: (1) Im Internet wird er mehrfach Thomas Mann zugeschrieben, wenngleich mit leichten Textabweichungen und stets ohne Quellenangabe; (2) Das Verb „verheisst“ ist altertuemelnd, und Thomas Mann hat es einigemale gebraucht; (3) Das Wort „Wahrscheinlichkeit“ kommt bei Thomas Mann auch oefters vor, besonders in den Reden und Aufsaetzen. Einiges spricht aber auch gegen seine Autorenschaft: (a) Das schwachbruestige Verb „machen“ kommt gleich zweimal vor; (b) Der logische Zusammenhang zwischen den beiden Saetzen ist unklar: warum sollte etwas, was mir Freude verspricht, auch die uebrige Welt erfreuen? (c) „Verheissen“ ist gehobene Sprache, waere da nicht „Freude bereitet“ angemessener als „Freude macht“? (d) Die Saetze kommen in seinen gesammelten Werke (soweit ich weiss) nicht vor – bleibt also nur ein zufaelliges Gespraech oder ein Zeitungsinterview als Quelle; (e) Der Spruch ist langweilig, ohne Schliff und Pfiff und Ironie; er ist ziemlich geitslos wie eine Eintragung in ein Poesiealbum.

Man vergleiche dieses Goethezitat: „Der vortreffliche Literator zeigt sich nicht schon um Neun in seinem netten Kleid und mit gepuderter Lockenperuecke auf der Promenade, er exkoliert sein Talent im stillen Kaemmerlein; denn nicht die Mode, sondern der Fleiss ist der Probierstein des Genies.“ Der grosse Goethe haette dies gut und gern dem geduldigen Dr. Riemer in die Feder diktieren koennen. Aber er hat’s nicht getan; denn ich hab mir den Spruch selbst ausgedacht.
 
Verena
RE: Zitat Thomas Mann
Erstellt am 21.04.2009 20:20
Ich hätte eine ähnliche Frage. Ich finde folgendes Zitat sehr schön und wüsste nun gerne ob es auch wirklich von Thomas ist oder aber von Siegfrid Fischer, seinem Verleger. Ich habe beide Infos im Netz gefunden.
„Die Kunst ist das schönste, strengste, heiterste und frömmste Symbol alles unvernünftig menschlichen Strebens nach dem Guten, nach Wahrheit und nach Vollendung.“
Würde mich freuen, wenn mir da jemand helfen kann.
 
Wulf Rehder
TMs Karenina Zitat
Erstellt am 23.04.2009 20:16
Liebe Verena,

Das Zitat ist aus Thomas Manns Essay ‚Anna Karenina’ von 1939 und lautet etwas erweitert so: „Die Kunst ist das schönste, strengste, heiterste und frömmste Symbol alles übervernünftig menschlichen Strebens nach dem Guten, nach Wahrheit und nach Vollkommenheit; und der Atem des rollenden Meeres der Epik würde uns nicht die Brust so lebensvoll weiten, wenn er nicht die strenge und erquickende Würze des Geistigen und Göttlichen mit sich führte.“ Man findet den Aufsatz in Band 5 der Ausgabe von Kurzke und Stachorski und auch in der Frankfurter Ausgabe von Mendelssohn. Viel Vergnuegen beim Nachlesen.

Wulf Rehder
 
Veren
RE: Zitat Thomas Mann
Erstellt am 10.05.2009 15:57
Hallo Wulf,

vielen lieben Dank für die Antwort. Ich mag es nämlich nicht Zitate zu verwenden, wenn ich nicht genau weiß wo ich das Original finde.

Freundlicher Gruß,
Verena
 
KMH
RE: Zitat Thomas Mann
Erstellt am 11.05.2009 08:35
Darf ich mich da gleich anschließen? Ich wüsste nämlich gern wo folgendes Zitat herkommt: "Die Gewohnheit ist ein Seil. Wir weben jeden Tag einen Faden, und schließlich können wir es nicht mehr zerreißen." Ich finde es zwar im Internet aber nie mit genauer Quellenangabe.

Ich bedanke mich schon recht herzlich im Voraus!
 
Wulf Rehder
"Gewohnheit' Zitat
Erstellt am 21.05.2009 04:33
Fuer KMH:

Die Saetze "Die Gewohnheit ist ein Seil. Wir weben jeden Tag einen Faden, und schließlich können wir es nicht mehr zerreißen." haben einen lehrhaften und altbacken-metaphorischen Ton, und sie sind denn auch weder von Heinrich, der schaerfer formulieren wuerde, noch von Thomas Mann, der sicher eine geschliffenere ironische Ausdrucksweise vorgezogen haette, obwohl es Dutzende von Websiten im Internet gibt, die einen der Brueder als Urheber in Anspruch nehmen. Die Worte sind stattdessen eine gut gelungene Uebersetzung eines Zitats des damals sehr bekannten amerikanischen Paedagogen Horace Mann, der von 1796 bis 1859 lebte. Das Originalzitat lautet „Habit is a cable. We weave a thread of it every day, and at last we cannot break it.” Man kann es in vielen englischsprachigen Zitatensammlungen finden, sowie auch in Buechern ueber Management, Selbsthilfebuechern, Ratgebern, usw. Wer interessiert ist, versuche es ueber Google oder die Suchmaschine bei amazon.com. (Siehe zum Beispiel bei http://en.wikiquote.org/wiki/Horace_Mann.)

Dies ist ein weiteres Beispiel von Zitatenprotzerei, der Inanspruchnahme von (alt)klugen oder witzigen Spruechen bekannter Personen, die zur Ausschmueckung von Texten benutzt werden, die andernfalls oede und langweilig sind. Die englische Sprache hat fuer solche Angeberei eine griffige Redensart zur Verfuegung: „Putting perfume (oder lipstick) on a pig.“
 
Jarina
Zitat Diktatur
Erstellt am 15.03.2011 17:12
Ich hab hier auch ein Zitat, von dem ich gerne die genaue Quelle wüsste: "Wer nach dem Sturz einer Diktatur die Opfer nicht grosszügig entschädigt und die Täter nicht konsequent bestraft, der begeht eine Form von Unrecht, der sät Wind und wird Sturm ernten". Kann mir jemand helfen? Vielen Dank!